Das Al-Khansa Kinderkrankenhaus in Mossul

Eine Bestandsaufnahme

Seit einigen Wochen befinden sich unser mobiles Krankenhaus und ein Technikteam bereits im Nordirak. Es werden letzte technische Vorbereitungen an den Trucks durchgeführt, viele Behördengänge und Registrierungen sind zu erledigen und Absprachen mit den Gesundheitsministerien, der WHO (World Health Organization) und anderen NGOs zu treffen. Gemeinsam loten wir verschiedene Optionen für einen effektiven und nachhaltigen Einsatz unseres mobilen Krankenhauses aus.

Eine dieser Optionen ist die Unterstützung des Al-Khansa Kinderhospitals in Ost-Mossul. Fee, unsere derzeitige Head of Mission für das Mobile Hospital, hat sich dafür ein Bild vom Krankenhaus für uns gemacht. Im folgenden wollen wir die Situation schildern:

Das Al-Khansa Krankenhaus war für Mossul das größte Kinderkrankenhaus und darüber hinaus ein wichtiger Pfeiler für die medizinische Versorgung in der Stadt. Durch Bombardements und durch den Versuch des abziehenden IS das Gebäude in Brand zu stecken, ist es weitgehend zerstört. Die frühere Notaufnahme und die Operationssäle sind durch das Feuer komplett unbenutzbar.
Seit kurzem sind wieder ca. 120 Betten belegt und es finden auch Operationen in zwei Räumen statt. Ärzt*innen, Chirurg*innen und Pflegepersonal sind, anders als in Rojava, zum Glück ausreichend vorhanden. Die Intensivstation wurde renoviert, allerdings mangelt es dem gesamten Krankenhaus an der Ausstattung. Es fehlt unter anderem an Medikamenten, Sauerstoffflaschen, OP-Besteck und Sterilisationsmöglichkeiten wie Autoklaven oder Desinfektionsmittel. Außerdem machen die beschädigten Fahrstühle eine Verlegung von Patienten in die oberen Stockwerke nahezu unmöglich, weswegen die Bettenkapazität nicht voll ausgeschöpft werden kann.
Eine weitere Schwierigkeit ist die mangelnde Stromversorgung in ganz Mossul. Die Stadt hat weiträumig keinen Strom und das Krankenhaus wird mit Generatoren betrieben. Trotzdem kommt es immer wieder zu Ausfällen und die Arbeit muss eingestellt werden. Genauso mangelhaft ist auch die Wasserversorgung.
Die Krankenhausleitung und das Personal versuchen mit den begrenzten Mitteln die Bevölkerung so gut wie möglich zu versorgen, stoßen dabei aber immer wieder an ihre Grenzen und müssen improvisieren. Das OP-Besteck beispielsweise wird abgewaschen und erhitzt, um ein Mindestmaß an Hygiene zu gewährleisten.

Noch immer sind ca. 600.000 Zivilisten in der Stadt, die auf medizinische Versorgung angewiesen sind. Neben Verletzungen durch die andauernden Kämpfe in der Stadt, den Sprengfallen und dem gezielten Beschuss auf fliehende Zivilisten durch den IS sind es auch Fälle wie Geburten, Unfälle oder chronische Leiden, die versorgt werden müssen. Dazu stehen in der gesamten Stadt gerade mal 1.000 von ehemals 2.000 Betten zur Verfügung und viel zu wenige Operationssäle. Bisher sind nur wenige NGOs wie MSF (Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen) und NYC Medics vertreten, die in Ost-Mossul lebensrettende Maßnahmen durchführen oder Verletzte in einem Feldkrankenhaus südlich der Stadt versorgen. Einige Patient*innen werden zur Versorgung auch bis in das zwei Stunden entfernte Erbil transportiert.

Wie immer in solchen Situationen leidet die Zivilbevölkerung am meisten unter den Folgen des Krieges. Anträge an die UN für Unterstützungsmaßnahmen für das Krankenhaus laufen bereits, die Bewilligung und Umsetzung der Pläne wird sich aber noch einige Zeit hinziehen. Währenddessen könnten mit relativ geringem Aufwand wie zum Beispiel mehr Operationsbesteck, Krankenhausbetten und einigen kleinen Baumaßnahmen im Al-Khansa Krankenhaus die Arbeit erleichtert und die Kapazitäten ausgebaut werden.

Unser mobiles Krankenhaus wurde konzipiert, um schnell und unkompliziert auf sich verändernde Situationen reagieren zu können. In diesem Fall könnten wir in Mossul einen stationären Ort für die Traumaversorgung, also zur Versorgung von Verwundeten, einrichten und das Krankenhaus entlasten. Einige Reparaturen und Baumaßnahmen sind durch unser Technikteam durchführbar. Für uns ist das eine Möglichkeit nach kurzer Zeit im Livebetrieb und größtenteils sicheren Versorgungswegen zu testen, ob unsere Planungen für das Mobile Hospital der Realität im Krisengebiet standhalten.

Unsere Lageeinschätzung ist noch nicht abgeschlossen, aber wir werden dich über den weiteren Verlauf des Projektes informieren.

Veröffentlicht:
Verfasser*in: von Jonas Grünwald

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