Lagebericht Irak und Syrien

CADUS arbeitet aktuell mit Hochdruck daran, die nächsten Missionen im Irak und Nordsyrien vorzubereiten. Die Operations Manager*innen in Berlin stellen Teams zusammen, schreiben Anträge. Und CADUS-Regionalmanagerin Fee Baumann kümmert sich um alles Weitere in Erbil.

 

Unsere nächste CADUS- Mission in Syrien und Wiederaufbau im Irak– es tut sich was!

 

Der Antrag an die WHO (World Health Organisation) ist abgegeben, wir warten nun auf Antwort. Wenn der Antrag durchgeht und die Mittel fließen, darf CADUS in Syrien die nächsten sechs Monate Mediziner*innen und Techniker*innen entsenden, die dann mit unserem Mobile Hospital Erste Hilfe leisten. Außerdem beantragt und geplant sind: eine Notaufnahme, ein Notfall- OP, Intensivpflege (nach OPs), Röntgenmöglichkeiten und die Möglichkeit für Bluttransfusionen. Besonders Röntgengeräte sind in Nordsyrien kaum noch vorhanden. Falls die WHO Syrien dem Antrag nicht zustimmt (weil die Mittel hierfür nicht ausreichen), übergeben wir das Mobile Hospital an eine kurdische Partnerorganisation - Kurdish Red Crescent (KRC) oder auch Heyva Sor a Kurd genannt. So können wir wenigstens eine bereits dort aktive Organisation dabei unterstützen, Patient*innen mit dem nötigstem versorgen zu können. Im Irak will sich CADUS auf den Wiederaufbau von zerstörten Krankenhäusern und die Einrichtung von Schockräumen konzentrieren. Das Mobile Hospital steht aktuell noch in Erbil (Nordirak). Eigentlich sollte es schon im Januar nach Syrien überführt werden. Aber ohne Visa keine Einreise.

 

Die größte Hürde – Visa für den Irak bekommen

 

Wir haben drei Monate auf das Visum für unseren Techniker gewartet. So wie es aussieht, kann es diese Woche endlich losgehen! Warum dauert das so lange? Irgendwo blieb es immer stecken. Es werden künstlich immer weitere bürokratische Stufen eingebaut. Korruption ist ein weitreichendes Problem. Um ausreisen zu dürfen aus Bagdad, musste CADUS- Techniker Martin Lautwein bei der letzten Mission 400 Dollar zahlen. Ausreisegebühren bei Mitarbeiter*innen humanitärer Organisationen - das ist eigentlich verboten.

 

CADUS plant langfristige Hilfe

 

CADUS will langfristig in Syrien aktiv sein – dies geht nur mit dem finanziellem Support der WHO - oder anderer Großspender*innen. Ein paar finanzielle Hürden sind da noch zu nehmen. Die CADUS- Crewmitglieder (Mediziner*innen und Techniker*innen) müssen sich für mindestens einen Monat Zeit nehmen können, da die An- und Abreise sich schon hinziehen wird. Und man will ja auch was leisten und nicht nach einer Woche wieder abziehen müssen. Der organisatorische Aufwand allein (die Fahrt, das sich Einspielen als Team, die Abläufe und den Ort kennenlernen) stünde in keinem Verhältnis zur geleisteten Hilfe. Daher haben wir beschlossen, jede*r ein kleines Gehalt zu bezahlen, da uns klar ist, dass es für die meisten Angestellten nicht mal eben so geht, ein bis zwei Monate unbezahlt zu arbeiten. CADUS braucht also Visa und Genehmigungen für den Grenzübergang der Crew nach Syrien. Aber auch der Nachschub an Medikamenten und Material wie Verbandszeug muss auch auf lange Sicht sichergestellt sein. Mit Letzterem haben alle anderen NGOs auch Probleme, denn man braucht auch dafür wieder Genehmigungen - und an die ist schwer zu kommen. Grenzübergänge bedeuten Stress und hoher bürokratischer Aufwand. Es gibt eben nicht das eine Büro für Checkpoints. Man muss zu drei, vier, fünf Ämtern für die Papiere und an der Grenze dann durch mehrere Kontrollen, durch militärische Checkpoints. Und das mit einer internationalen Crew, Hilfsgütern, LKWs. Es ist eben kein Schengenraum und das merkt man auch.

 

Die Kämpfe sind teilweise eingestellt – aber die Städte mit Sprengfallen übersät

 

Die größten Lücken in der medizinischen Versorgung sind immer noch in und um Ar-Raqqa. Dort gibt es bis auf ein paar TSPs (Trauma Stabilization Points), PHCs (Primary Healthcare Points) und eine Mobile Klinik immer noch keine ausreichende Notfallversorgung und medizinische Versorgung im Allgemeinen. In Raqqa sind die Kämpfe zwar eingestellt, allerdings ist die Stadt gepflastert mit Sprengfallen - ein Überbleibsel des sogenannten IS. Es gibt immer noch täglich Opfer von Sprengfallen und oft Tote. Nicht alle Opfer sterben sofort – aber entweder es gibt gar keine Klinik mit OP in der Nähe oder sie ist oft zu weit entfernt. Bis die Patient*innen ankommen, sind sie oft schon verblutet. Ein Röntgengerät erweitert die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten der Arzt*innen vor Ort immens und erhöht die Lebenswahrscheinlichkeit der Patient*innen erheblich.

 

Keine andere NGO, kein funktionierendes Krankenhaus. Hier wollen wir hin!

 

In und um Deir ez-Zour (südöstlich von Raqqa) ist die Situation noch schlimmer. Hier finden teilweise auch immer noch Kämpfe zwischen IS und Koaltitionstruppen statt, es gibt hier immer noch einige IS - Zellen. Und auch hier wissen wir, dass das gesamte Gebiet vermint ist. Bis hier mit dem entminen angefangen werden kann, werden vermutlich noch ein paar Jahre ins Land gehen. Nur vereinzelt werden Straßenzüge "gesäubert". Und zwar diejenigen, die vom Militär genutzt werden. In diesem Gebiet gibt es zurzeit keine NGO und auch kein funktionierendes Krankenhaus. Einfach weil die Sicherheitslage es momentan nicht zulässt.

 

CADUS konzentriert sich auf die Gebiete Raqqa und Deir eZ-Zour

 

Vermutlich erst Raqqa - und sobald die Sicherheitslage es ein wenig mehr zulässt auch Deir ez-Zour. An der Entscheidung, wo wir am Ende arbeiten beziehungsweise wann wir wohin umziehen sind alle Health Partner  - national und international (wie Kurdish Red Crescent und Ärzte ohne Grenzen) - sowie die WHO beteiligt. Um sicherzustellen, dass wir tatsächlichen die Lücken dort schließen, wo es Lücken gibt. Die letzte Entscheidung liegt natürlich immer bei uns.  

 

WHO hin oder her – ohne private Spenden geht's nicht

 

Der Auftrag und finanzielle Support der WHO stellt nicht die Lösung aller Probleme dar. Das Geld von der WHO ist ganz speziell projektbezogen. 50 Euro, genehmigt für Spritzen, müssen wir auch für Spritzen ausgeben. Auch wenn wir gerade viel dringender Geld für Stempel oder Visa brauchen. Wir sind also weiter dringend auf private Spenden angewiesen, über die wir freier verfügen können.

 

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