{"id":7681,"date":"2023-02-03T11:35:00","date_gmt":"2023-02-03T11:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/cadus.madways.de\/unkategorisiert\/cadus-jahresrueckblick-2022\/"},"modified":"2023-02-03T11:35:00","modified_gmt":"2023-02-03T11:35:00","slug":"cadus-jahresrueckblick-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cadus.org\/artikel\/cadus-jahresrueckblick-2022\/","title":{"rendered":"CADUS Jahresr\u00fcckblick 2022"},"content":{"rendered":"<div class=\"ce_text block\">\n<p><strong>F\u00fcr uns bei CADUS stand das Jahr 2022 \u2013 wie sollte es anders sein \u2013 fast komplett unter dem Eindruck des Ukraine Krieges und unserem mittlerweile fast einem Jahr andauerndem Engagement vor Ort. Gleichzeitig spitzte sich die Situation im syrischen Camp al-Hol konstant zu, was den Betrieb unseres Krankenhauses weiter erschwerte. Wir wagen \u2013 etwas versp\u00e4tet \u2013 den Blick aufs vergangene Jahr und einen Ausblick auf die kommenden Monate des Jahres 2023.<\/strong><\/p>\n<h4>Corona-Support in Papua-Neuguinea und Pakistan<\/h4>\n<p>Das Jahr begann f\u00fcr uns mit einem Ende. <a href=\"de\/blog\/artikel\/covid-19-response-einsatz-in-papua-neuguinea\">Papua-Neuguinea hatte international um Unterst\u00fctzung bei der Bek\u00e4mpfung einer Corona-Welle gebeten<\/a>. Das Gesundheitssystem war bereits vor Corona stark belastet und unterfinanziert, sicherlich auch der Kolonialgeschichte mit deutscher Beteiligung geschuldet.<\/p>\n<p>Ein kleines Einsatz-Team machte sich also noch Ende 2021 auf den Weg um in einem der am schwersten betroffenen Gebiete das \u00f6rtliche Personal zu unterst\u00fctzen. Weniger die aktive Mitarbeit unseres Teams stand dabei im Vordergrund, als der fachliche Austausch mit den lokalen Kolleg*innen und eine Verbesserung der Abl\u00e4ufe um Corona-Infektionen effektiver und sicherer zu bek\u00e4mpfen. Nach drei Wochen voller Beobachtung, Austausch und Optimierung kehrte unser Team Anfang Januar zur\u00fcck nach Berlin.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/cadus-jahresrueckblick-2022-P1001367-1.jpg\" alt=\"\" width=\"4000\" height=\"6000\"\/><em>Rettungssanit\u00e4ter*in Anna-Lena im Gespr\u00e4ch \u00fcber Corona-Ma\u00dfnahmen im Krankenhaus in Papua-Neuguinea. Foto: CADUS<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr unsere Rettungssanit\u00e4terin Anna-Lena ging es im Februar direkt weiter nach Islamabad in Pakistan, wo wir <a rel=\"noopener\" href=\"https:\/\/www.kabulluftbruecke.de\/\" target=\"_blank\">Kabul Luftbr\u00fccke<\/a> bei ihren Bem\u00fchungen unterst\u00fctzt haben, gef\u00e4hrdete Afghan*innen \u00fcber Pakistan nach Deutschland zu evakuieren. Hier \u00fcbernahm Anna-Lena f\u00fcr zwei Wochen die <a href=\"de\/projekt\/unterst%C3%BCtzung-von-kabul-luftbr%C3%BCcke\">Corona-Kontrollen in der Unterbringung f\u00fcr die Afghan*innen<\/a>, die auf ihre Ausreise warteten.<\/p>\n<h4>Ukraine: Angriffskrieg und Rettungskette<\/h4>\n<p>Das Ideen wie Kolonialismus und Imperialismus leider immer noch nicht der Vergangenheit angeh\u00f6ren, rief uns der <a href=\"de\/blog\/artikel\/kampfhandlungen-beenden-zivilbevoelkerung-schuetzen\">Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine<\/a> einige Wochen sp\u00e4ter mit aller Macht ins Ged\u00e4chtnis. Dem Angriff am 24. Februar ging heftiges S\u00e4belrasseln voraus, richtig wahrhaben, dass Putin seine Drohung umsetzen w\u00fcrde konnten oder wollten nur die wenigsten glauben. Bei allen milit\u00e4rischen Konflikten auf der Welt, schienen die Zeiten eines Angriffskrieges auf europ\u00e4ischem Boden lange Zeit vorbei.<\/p>\n<p>Eine gro\u00dfe Welle der Unterst\u00fctzung rollte daraufhin f\u00fcr die Menschen in der Ukraine an (und die man sich auch f\u00fcr andere Teile der Welt w\u00fcnschen w\u00fcrde), der auch wir uns anschlossen. Ein erstes medizinisches Team haben wir bereits im M\u00e4rz entsendet. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/cadus-jahresrueckblick-2022-photo205-1.jpg\" alt=\"\" width=\"1902\" height=\"1089\"\/><em>Nur durch eine enge Zusammenarbeit vieler Akteure kann die Evakuierung von Patient*innen in sichere Krankenh\u00e4user \u00fcber L\u00e4ndergrenzen hinweg funktionieren. Hier wird ein Patient aus der Ukraine auf einem Flughafen in Polen zum Transport in ein deutsches Krankenhaus vorbereitet. Foto: CADUS<\/em><\/p>\n<p>W\u00e4hrend unserer Eins\u00e4tze konnten wir Patient*innen aus gef\u00e4hrdeten Gebieten in Sicherheit bringen und ihre Weiterbehandlung beispielsweise in polnischen Krankenh\u00e4usern gew\u00e4hrleisten. Wir \u00fcbernahmen zus\u00e4tzlich die Koordination der Evakuierungseins\u00e4tze, auch MedEvac genannt, an denen mehrere internationale Organisationen beteiligt waren. Dank dieser <a href=\"de\/blog\/artikel\/rettungskette\">Rettungskette<\/a> wurde hunderten Patient*innen geholfen. Beginnend in Lviv verlagerte sich unser Einsatzschwerpunkt mit dem Kriegsverlauf immer mehr Richtung Osten, sodass wir uns vor Ort mittlerweile <a href=\"de\/blog\/artikel\/rettungsdienst-im-krisengebiet\">von Dnipro aus organisieren.<\/a> Zus\u00e4tzlich boten wir medizinische und Sicherheitstrainings f\u00fcr Helfer*innen in der Ukraine an, da gerade das Arbeiten in Frontn\u00e4he gef\u00e4hrlich und belastend ist.<\/p>\n<h4>Ukraine: Mobile Makerspace und Krankenstationen auf R\u00e4dern<\/h4>\n<p>Angesichts der Zerst\u00f6rungen in der Ukraine und dem Bedarf nach Wohnraum f\u00fcr Gefl\u00fcchtete innerhalb des Landes begannen wir parallel <a href=\"de\/blog\/artikel\/eine-mobile-werkstatt-gegen-die-zerstoerung\">das Projekt \u201eMobile Makerspace\u201c<\/a>. Zusammen mit Partnerorganisationen und der Hilfe vieler Freiwilliger bauten wir einen Transporter zu einer mobilen Werkstatt um. Zusammen mit ukrainischen Partnerorganisationen und Helfer*innen haben wir dazu beigetragen Wohnh\u00e4user, eine Schule und ein Zentrum f\u00fcr Zivilschutz wieder herzurichten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/cadus-jahresrueckblick-2022-DSC03545-1.jpg\" alt=\"\" width=\"2000\" height=\"1125\"\/><em>Alle H\u00e4nde voll zu tun beim Wiederaufbau von Geb\u00e4uden, die gefl\u00fcchteten Ukrainer*innen als Unterkunft dienen soll. Foto: CADUS<\/em><\/p>\n<p>Beim Umbau eines Reisebusses zu einer <a href=\"de\/blog\/artikel\/micu-vom-reisebus-zum-medizinischen-nightliner\">intensivmedizinischen Behandlungsstation<\/a> (mobile intensive care unit \u2013 MICU) flossen unsere Erfahrungen aus dem Einsatz ein und vereinten unseren Mobile Makerspace mit unserem medizinischen Einsatz. Patiententransporte in einem Reisebus machen die langen Fahrten in dem riesigen Land angenehmer f\u00fcr Mensch und Fahrzeug und verringern den Personalaufwand pro Patient*in. Mit viel Unterst\u00fctzung von unserem ukrainischen Partner Metalab beim Umbau des Busses haben wir die Transportkapazit\u00e4ten insbesondere f\u00fcr beatmungspflichtige Patient*innen erh\u00f6hen k\u00f6nnen, die sonst in der Ukraine kaum zur Verf\u00fcgung stehen. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/cadus-jahresrueckblick-2022-IMG_8483-1.jpg\" alt=\"\" width=\"1600\" height=\"1199\"\/><em>Aus einem Reisebus ist durch viel Handarbeit eine voll funktionsf\u00e4hige Intensivstation geworden. @CADUS<\/em><\/p>\n<p>Zusammen mit 22 von uns organisierten und teilweise ausgestatteten Krankenwagen werden wir auch die MICU an lokale Rettungsdienste \u00fcbergeben und das Personal daran ausbilden. <\/p>\n<p>Ende 2022 haben wir ein weiteres Bauprojekt in unserem Makerspace begonnen: eine <a href=\"de\/blog\/artikel\/eine-rollende-arztpraxis-fuer-die-ukraine\">mobile Arztpraxis<\/a> f\u00fcr den Einsatz in den l\u00e4ndlichen Gebieten der Ostukraine. Mittlerweile ist das Fahrzeug dort angekommen und wird in Kiew bei einem kleinen Festakt an unsere Partnerorganisation \u00fcbergeben.<\/p>\n<p><em><img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/cadus-jahresrueckblick-2022-Training20-208-1.jpg\" alt=\"\" width=\"2000\" height=\"1333\"\/>Medizinische und Sicherheitstrainings f\u00fcr ukrainische Freiwillige und Materiallieferungen sind wichtig um lokale Rettungsstrukturen zu st\u00e4rken. Foto: Ori Aviram, BASE UA<\/em><\/p>\n<h4>Nordostsyrien und Irak<\/h4>\n<p>Nicht nur in der Ukraine ist das Arbeitsumfeld gef\u00e4hrlich und die Situation angespannt. Auch im nordostsyrischen Gefl\u00fcchtetencamp al-Hol, in dem wir seit <a href=\"de\/projekt\/feldkrankenhaus-al-hol-camp\">\u00fcber zwei Jahren ein Krankenhaus betreiben<\/a>, verschlechtert sich die Sicherheitslage konstant. Immer wieder kommt es zu Gewalt, Verletzten und Toten. Die humanit\u00e4re Versorgung innerhalb des Camps wird dadurch erschwert, und die Option, Patient*innen au\u00dferhalb des Camps versorgen zu lassen, ist generell stark eingeschr\u00e4nkt. Die unertr\u00e4glichen Lebensbedingungen, die auch k\u00fcrzlich von \u00c4rzte ohne Grenzen in einem ausf\u00fchrlichen Bericht kritisiert wurden, f\u00fchren zu Hoffnungslosigkeit und Aggression von Teilen der Bewohner*innen. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/cadus-jahresrueckblick-2022-share207-1.jpg\" alt=\"\" width=\"2000\" height=\"1500\"\/><em>Unser Krankenhaus mit den roten Balken inmitten des Camps al-Hol in Nordostsyrien ist die einzige Gesundsheitseinrichtung vor Ort, die 24\/7 ge\u00f6ffnet hat. Foto: CADUS<\/em><\/p>\n<p>Kontinuierliche Angriffe der T\u00fcrkei auf die kurdische Selbstverwaltung, unter deren Kontrolle das Camp steht, und die &#8211; im besten Falle &#8211; nur z\u00f6gerliche internationale Unterst\u00fctzung erschweren die Lage. Mit st\u00e4ndigen Anpassungen unserer Sicherheitsvorkehrungen versuchen wir weiterhin unser Krankenhaus, die als einzige medizinische Anlaufstelle im Camp 24h erreichbar ist, offen zu halten. Dennoch wird es hier im Laufe des Jahres grundlegende Ver\u00e4nderungen geben, \u00fcber die wir dich auf dem Laufenden halten werden.<\/p>\n<p>Wenngleich unser Hauptaugenmerk auf Nordostsyrien liegt, so waren wir im Irak nicht ganz unt\u00e4tig. Im Norden, in Dohuk, haben wir <a href=\"de\/projekt\/basic-life-support-training-fuer-ambulanzfahrer-in-dohuk\">Erste-Hilfe-Trainings f\u00fcr Rettungswagen-Fahrer*innen <\/a>durchgef\u00fchrt. Denn es ist dort keineswegs so, dass eine medizinische Ausbildung zu dem Berufsbild dazugeh\u00f6rt. Mit der Schulung im Basic Life Support soll der Handlungsspielraum der Fahrer*innen erweitert und eine schnelle Erstversorgung von Verletzten und Kranken erm\u00f6glicht werden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/cadus-jahresrueckblick-2022-DSC_0019-1.jpg\" alt=\"\" width=\"6000\" height=\"2952\"\/><em>Einblick in eine Schulung zum Thema Infektionspr\u00e4vention im Lehrkrankenhaus in Mosul. Foto: CADUS<\/em><\/p>\n<p>Im Zentral-Irak, in Mosul, konnten wir Anfang 2022 erfolgreich unsere Klinikpartnerschaft zusammen mit der NGO Viyan abschlie\u00dfen. Dort hatten wir gemeinsam im Lehrkrankenhaus Ibn Sina ein Jahr lang <a href=\"de\/projekt\/infektionspr%C3%A4vention-im-irak\">Trainings f\u00fcr die Infektionspr\u00e4vention<\/a> organisiert.<\/p>\n<h4>Kritisch bleiben \u2013 auch mit sich selbst<\/h4>\n<p>Humanit\u00e4re Arbeit in Krisen- und insbesondere in Kriegsgebieten ist anspruchsvoll und verlangt einer Organisation, gerade einer verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kleinen wie CADUS, und deren Mitarbeitern und Einsatzteams viel ab. Belastbare Strukturen sind hier dringend notwendig, um die Menschen, die f\u00fcr uns im B\u00fcro oder im Einsatz arbeiten, bestens zu unterst\u00fctzen und Projekte effektiv umsetzen zu k\u00f6nnen. Das hat in der Vergangenheit nicht immer ideal funktioniert. Diskussionen \u00fcber den \u201erichtigen\u201c Weg und die \u201erichtige\u201c Arbeitsweise haben wir im vergangenen Jahr vielfach gef\u00fchrt und sie finden nach wie vor statt. Nicht immer waren diese fruchtbar oder endeten mit einem Ergebnis, aber sie haben interne Ver\u00e4nderungen angesto\u00dfen und eine intensivere Auseinandersetzung dar\u00fcber, wie CADUS zuk\u00fcnftig arbeiten will und welche Richtung wir einschlagen wollen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/cadus-jahresrueckblick-2022-signal-2022-04-03-141817_007-1.jpeg\" alt=\"\" width=\"1500\" height=\"2000\"\/><em>Den richtigen Weg zu finden ist nicht immer einfach. Im Zweifelsfall aber immer geradeaus, wie hier in den verschneiten W\u00e4ldern der Ukraine. Foto: CADUS<\/em><\/p>\n<h4>2023: Wege der Solidarit\u00e4t gemeinsam erkunden<\/h4>\n<p>Fest steht f\u00fcr uns, dass wir uns auch im Jahr 2023 weiterentwickeln werden im Bestreben eine zukunftsorientierte humanit\u00e4re Hilfsorganisation zu sein und Wege der Solidarit\u00e4t zu erkunden.<br \/>Noch ist nicht absehbar, wie sich die Situation in der Ukraine entwickeln wird, die globale Ungleichheit in der Gesundheitsversorgung ist auch durch Corona deutlich erkennbar und Dauerkonflikte wie in Syrien schwelen weiter.<br \/>All diese Probleme werden wir auch mit einer verbesserten CADUS-Version nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen, aber mit kontinuierlicher Entwicklung und deiner Unterst\u00fctzung auch in diesem Jahr, kommen wir der Sache gemeinsam vielleicht etwas n\u00e4her.<\/p>\n<p><strong>Auf ein Jahr voller globaler Solidarit\u00e4t!<\/strong><\/p>\n<p>Jonas und das gesamte CADUS-Team<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"info\">Ver\u00f6ffentlicht: <time datetime=\"2023-02-01T22:02:00+01:00\">01.02.2023<\/time><br \/>Verfasser*in: von Jonas Gr\u00fcnwald <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr uns bei CADUS stand das Jahr 2022 \u2013 wie sollte es anders sein \u2013 fast komplett unter dem Eindruck des Ukraine Krieges und unserem mittlerweile fast einem Jahr andauerndem Engagement vor Ort. 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