{"id":8055,"date":"2020-11-06T13:00:00","date_gmt":"2020-11-06T13:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/cadus.madways.de\/unkategorisiert\/covid-camp-und-ein-bisschen-chaos-ein-zwischenbericht-unseres-einsatzes-auf-lesbos\/"},"modified":"2020-11-06T13:00:00","modified_gmt":"2020-11-06T13:00:00","slug":"covid-camp-und-ein-bisschen-chaos-ein-zwischenbericht-unseres-einsatzes-auf-lesbos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cadus.org\/en\/artikel\/covid-camp-und-ein-bisschen-chaos-ein-zwischenbericht-unseres-einsatzes-auf-lesbos\/","title":{"rendered":"COVID, Camp und ein bisschen Chaos: ein Zwischenbericht unseres Einsatzes auf Lesbos."},"content":{"rendered":"<div class=\"ce_text block\">\n<p><strong>Wir sind nun zusammen mit dem ASB seit zwei Wochen im Camp Kara Tepe 2 auf Lesbos in Griechenland. Ein erstes Zwischenfazit des Einsatzes lautet: it\u2018s complicated. Wir wollen nicht, dass Menschen in Lagern leben m\u00fcssen. Faktisch l\u00e4sst sich der aktuelle Zustand aber nicht kurzfristig aufl\u00f6sen, solange die EU daran kein Interesse zeigt. Also m\u00fcssen wir mit dem arbeiten, was wir haben. Hier eine kleine Bestandsaufnahme, was wir auf Lesbos vorgefunden haben.<\/p>\n<p><\/strong>Das \u201eReception and Identification Center\u201c RIC Kara Tepe (das Nachfolgecamp von Moria) bot am Anfang kaum das Minimum an notwendiger Infrastruktur, um die \u00fcber 7.000 Camp-Bewohner*innen zu versorgen. Mittlerweile k\u00fcmmern sich viele NGOs und Institutionen darum, verschiedene Bereiche der Versorgung und fehlenden Infrastruktur auszubauen. Das ist vor allem im Hinblick auf den kommenden Winter n\u00f6tig, aber auch f\u00fcr die Gesamt-Perspektive des Camps wichtig: urspr\u00fcnglich sollte dieses nur eine tempor\u00e4re Unterkunft bis zum n\u00e4chsten Fr\u00fchjahr sein. Doch der geplante Ersatz l\u00e4sst auf sich warten, schon allein weil niemand auf Lesbos bereit ist, Land f\u00fcr ein neues Camp zu stellen.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich zu der grunds\u00e4tzlichen Belastung, die ein Leben in einem unterversorgten Lager mit sich bringt, machen Covid-Ma\u00dfnahmen den Camp-Bewohner*innen das Leben schwer. So d\u00fcrfen momentan t\u00e4glich nur 750 Menschen das Lager verlassen, jeden Tag bildet sich eine lange Schlange am Haupttor, das gleichzeitig Ein- und Ausgang ist. Ein Kommunikationskonzept f\u00fcr die Einf\u00fchrung neuer Verordnungen gibt es nicht. Die Gefl\u00fcchteten erfahren erst von der Ausgangsbeschr\u00e4nkung, wenn sie vor dem geschlossenen Tor stehen, das ihre Pl\u00e4ne f\u00fcr den Tag durchkreuzt.<\/p>\n<h4>Accessibility und das Grundrecht auf medizinische Versorgung<\/h4>\n<p>Unsere Tage spielen sich haupts\u00e4chlich in der Klinik ab. Diese liegt direkt vor dem Tor des Camps, an einer engen Stra\u00dfe auf deren anderen Seite nur das Meer liegt.<br \/>S\u00e4mtlicher t\u00e4glicher Verkehr nach drinnen oder drau\u00dfen, ob zu Fu\u00df oder per Fahrzeug, muss sich durch dieses Nadel\u00f6hr zw\u00e4ngen. Schlie\u00dft die Polizei tempor\u00e4r das Tor, wie es immer \u00f6fter vorkommt, f\u00fchrt das zur Ansammlung einer Menschenmenge direkt vor unserem Eingangsbereich, der Triage. Um das Tor passierbar zu halten, hat sich folgende Routine eingestellt: die Polizei dr\u00e4ngt die Menschen zur\u00fcck in Richtung des Camps, und sperrt den Weg mit einem quergestellten Bus und einer Polizeikette ab. So ist das Tor zwar wieder von der Klinik aus leicht passierbar, doch unsere Patient*innen stecken jenseits der Polizeikette fest und kommen nicht mehr zu uns.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/covid-camp-und-ein-bisschen-chaos-ein-zwischenbericht-unseres-einsatzes-auf-lesbos-karte-kara20tepe_neu.png\" alt=\"\"\/><em>Das Camp Kara Tepe 2, wie es vor ca. einem Monat noch aussah. \u00a9WHO\/Hellenic Forces<\/em><\/p>\n<p>In der humanit\u00e4ren Arbeit ist es immens wichtig, Erreichbarkeit f\u00fcr deren Adressat*innen sicherzustellen. \u201eAccessibility\u201c ist hier das Stichwort. Gemeinsam mit vielen anderen Gruppen im Camp weisen wir immer wieder darauf hin, dass die Erreichbarkeit \u00e4rztlicher Versorgung sichergestellt werden muss. Diese Notwendigkeit wird zwar von allen Parteien anerkannt, doch bis jetzt gibt es nur eine Notl\u00f6sung: jenseits der Polizeikette haben wir eine weitere Triage eingerichtet, in der wir die medizinische Dringlichkeit der F\u00e4lle einordnen. Dies dient dazu, unseren Patient*innen das Passieren der Blockade zu erm\u00f6glichen, damit sie sich in medizinische Behandlung begeben k\u00f6nnen. Wir \u00fcberzeugen die Polizei, Menschen mit akuten Beschwerden oder auch Arztterminen au\u00dferhalb des Camps passieren zu lassen. Je nachdem, welche Einheit gerade Dienst hat, funktioniert das mal mehr und mal weniger gut. In jedem Fall verlangt diese Position unseren Medics einiges ab, und wir hoffen, dass es bald eine grunds\u00e4tzliche L\u00f6sung f\u00fcr das Problem gibt.<\/p>\n<h4>Aushandlungen und Zusammenarbeit<\/h4>\n<p>L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge treffen weitestgehend auf offene Ohren. Doch wie in vielen Bereichen zieht sich auch deren Umsetzung lange hin. Strukturelle Probleme sind nicht nur im Camp vorhanden, Lesbos als Ganzes ben\u00f6tigt eine St\u00e4rkung der Infrastruktur, auch im Gesundheitsbereich. Der gute Wille ist genauso vorhanden wie der Druck von allen Seiten, der sich immer wieder in unsch\u00f6nen Szenen entl\u00e4dt.<\/p>\n<p>Mittendrin in dem Trubel liegt der Klinik-Bereich, den wir uns zusammen mit weiteren medizinischen NGOs, der Gesundheitsbeh\u00f6rde EODY, einem mobilen Labor und den f\u00fcr unsere Arbeit unersetzlichen \u00dcbersetzer*innen teilen. Wir selbst z\u00e4hlen als Emergency Medical Team als ein Teil der WHO-Pr\u00e4senz im Camp. Eine recht wilde Mischung, die aber sowohl auf der medizinischen als auch auf der menschlichen Ebene gegen\u00fcber unseren Patient*innen fantastische Arbeit leistet.<\/p>\n<p>Auch wenn der Zwiespalt, in dem wir bereits vor Beginn dieses Einsatzes steckten, sich noch lange nicht aufgel\u00f6st hat: das Lob und positive Feedback, das wir bisher von unseren Patient*innen erhalten haben, ermutigt uns zu dem Zwischenfazit: es ist gut, dass wir hier sind.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"button-box ce_rsce_button   -centered\">\n<a class=\"button ce_rsce_button   -centered\" data-icon=\"\uf4c0\" href=\"https:\/\/www.betterplace.org\/de\/donate\/platform\/projects\/56993\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\nDeine Spende erm\u00f6glicht es uns, aktiv zu bleiben!\t<\/a>\n<\/div>\n<p class=\"info\">Ver\u00f6ffentlicht: <time datetime=\"2020-11-06T11:57:00+01:00\">06.11.2020<\/time><br \/>Verfasser*in: Corinna Sch\u00e4fer <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir sind nun zusammen mit dem ASB seit zwei Wochen im Camp Kara Tepe 2 auf Lesbos in Griechenland. 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