{"id":8133,"date":"2020-04-06T13:37:00","date_gmt":"2020-04-06T13:37:00","guid":{"rendered":"https:\/\/cadus.madways.de\/unkategorisiert\/arbeiten-im-zeichen-der-krise-n\/"},"modified":"2020-04-06T13:37:00","modified_gmt":"2020-04-06T13:37:00","slug":"arbeiten-im-zeichen-der-krise-n","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cadus.org\/en\/artikel\/arbeiten-im-zeichen-der-krise-n\/","title":{"rendered":"Arbeiten im Zeichen der Krise(n)"},"content":{"rendered":"<div class=\"ce_text block\">\n<p><span class=\"author-a-z85zz72zhz80z2qurlz86zuiz75zlsh\"><strong>Seit nunmehr zwei Wochen kennt das Tagesgeschehen neben der Gesundheitskrise, ausgel\u00f6st durch die Krankheit COVID-19, und die sich dramatisch verschlechternde Weltwirtschaftslage, gleicher Ausl\u00f6ser, andere Ursache, kaum noch andere Nachrichten. Clubsterben, Einzelhandel, Rettungsschirme, Reise- und Kontaktbeschr\u00e4nkungen, all das steht in einem Zusammenhang mit der gegenw\u00e4rtigen Pandemie.<\/p>\n<p><\/strong>Auch wir sind als Individuen und humanit\u00e4re Nichtregierungsorganisation nat\u00fcrlich in dieses System eingebunden, von dessen banalen und manchmal gravierenden Zw\u00e4ngen betroffen und in unserer Arbeit beeinflusst. Dieser Text zum Beispiel entsteht gerade im Home Office statt in unserem B\u00fcro. Statt kurzer Nachfragen zu Inhalten \u00fcber den Tisch bedarf es jetzt Telefonate, ist unkompliziert aber trotzdem ein anderes Arbeiten.<\/span><br \/><span class=\"author-a-z85zz72zhz80z2qurlz86zuiz75zlsh\">F\u00fcr unsere Arbeit in Irak und Nordostsyrien haben die Entwicklungen seit Ende Februar die Arbeit noch einmal deutlich schwieriger werden lassen. Zur verabschiedeten Sicherheitsratresolution, die den Zugang in diesem Landesteil verunm\u00f6glicht, <a href=\"de\/blog\/artikel\/resolution-rueckschritt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">haben wir bereits Stellung bezogen<\/a>. <\/p>\n<p><\/span><span class=\"author-a-z85zz72zhz80z2qurlz86zuiz75zlsh\">Zahlreiche, notwendige Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung des Virus&#39; sowohl in Irak als auch Syrien betreffen uns und andere Hilfsorganisationen zudem schwer. Das Aussetzen des weltweiten Flugverkehrs verhindert beispielsweise, dass medizinisches Personal in die Region entsandt werden kann. Wo kein Flugzeug geht, ist auch eine Ausnahmegenehmigung zur Einreise nichts wert. Irak und Nordostsyrien versuchen momentan alles was in ihrer Macht steht, um eine Eind\u00e4mmung zu erm\u00f6glichen. Einen vollen Ausbruch einer COVID-19 Epidemie, das w\u00e4re f\u00fcr die eh schon angeschlagene medizinische Infrastruktur vor Ort eine Mammutaufgabe. Deswegen sind fr\u00fcher als in vergleichsweise besser aufgestellten europ\u00e4ischen Staaten Grenzen geschlossen und Ausgangssperren verh\u00e4ngt worden.<\/p>\n<p><\/span><\/p>\n<h4><strong><span class=\"author-a-z85zz72zhz80z2qurlz86zuiz75zlsh\">Weitermachen &#8211; jetzt erst Recht!<\/span><\/strong><\/h4>\n<p><span class=\"author-a-z85zz72zhz80z2qurlz86zuiz75zlsh\"><br \/>Die schockierenden Bedingungen in Moria haben zu Recht letzte Woche f\u00fcr massive Kritik am Krisenmanagement der EU gesorg<\/span><span class=\"author-a-kqj35tz85zecz68zz86zvbz69z2z67z\">t.<\/span> <span class=\"author-a-kqj35tz85zecz68zz86zvbz69z2z67z\">W<\/span><span class=\"author-a-z85zz72zhz80z2qurlz86zuiz75zlsh\">\u00e4hrend wir uns richtigerweise die H\u00e4nde waschen und Kontakte meiden<\/span><span class=\"author-a-kqj35tz85zecz68zz86zvbz69z2z67z\">,<\/span><span class=\"author-a-z85zz72zhz80z2qurlz86zuiz75zlsh\"> haben Menschen weltweit in Fl\u00fcchtlingslagern diese M\u00f6glichkeit<\/span><span class=\"author-a-kqj35tz85zecz68zz86zvbz69z2z67z\"> schlichtweg<\/span><span class=\"author-a-z85zz72zhz80z2qurlz86zuiz75zlsh\"> nicht. Sie sind zudem zus\u00e4tzlich durch Mangelern\u00e4hrung und h\u00e4ufig auch durch Vorerkrankungen besonders anf\u00e4llig<\/span><span class=\"author-a-kqj35tz85zecz68zz86zvbz69z2z67z\"> f\u00fcr schwerwiegende Verl\u00e4ufe von Krankheiten<\/span><span class=\"author-a-z85zz72zhz80z2qurlz86zuiz75zlsh\">. So sieht es auch in al-Hol aus, wo wir im Feldkrankenhaus gl\u00fccklicherweise bereits seit Monaten isolierte Betten f\u00fcr infekt\u00f6se Patient*innen etabliert haben. Auch die M\u00f6glichkeit Lungen zu r\u00f6ntgen wird in den n\u00e4chsten Wochen den Unterschied machen, ob schwerwiegende Lungenentz\u00fcndungen erkannt werden oder aus Unkenntnis unbehandelt bleiben m\u00fcssen. <\/span><span class=\"author-a-kqj35tz85zecz68zz86zvbz69z2z67z\">Unsere eigenen Isolationskapazit\u00e4ten im Feldkrankenhaus sind aber noch begrenzt, wir wollen nicht ein wenigen Tagen entscheiden m\u00fcssen, ob Patient*innen mit Tuberkolose, Meningitis oder COVID-19 abgeschirmt behandelt werden. F\u00fcr jede dieser sehr ansteckenden Krankheiten ist eine weitgehende Isolation notwendig, um eine Ausbreitung effektiv einzud\u00e4mmen. Daher arbeiten wir gemeinsam mit anderen medizinischen Akteuren an der Errichtung einer weiteren Station, nur f\u00fcr an COVID-19 Erkrankte. Ehrlicherweise m\u00fcssen wir aber feststellen, dass in der K\u00fcrze der Zeit daf\u00fcr kaum finanzielle Mittel bereitstehen, noch zus\u00e4tzliches Schutzmaterial (Masken, Kittel, Schutzbrillen, Handschuhe) in Nordostsyrien einfach bestellt werden kann. Wenn schon in Deutschland und der Schweiz diese Materialen knapp sind, l\u00e4sst sich erahnen, wie es in anderen Regionen der Welt darum bestellt ist.<\/p>\n<p><\/span><span class=\"author-a-z85zz72zhz80z2qurlz86zuiz75zlsh\">Der \u00fcberwiegende Teil unserer Patient*innen sind nach wie vor Notf\u00e4lle, unsere Isolationsstation zum gegenw\u00e4rtigen Zeitpunkt zum Gl\u00fcck gerade leer. Alle im Krankenhaus und im Lager selbst rechnen aber damit, dass neben den schon grassierenden Atemwegserkrankungen auch bald die ersten COVID-19-F\u00e4lle auftreten werden. Deswegen wurden die Desinfektionsma\u00dfnahmen von Seiten der Selbstverwaltung nochmals versch\u00e4rft, w\u00e4hrend wir wichtige Medikamente so gut es geht auf Vorrat einlager<\/span><span class=\"author-a-kqj35tz85zecz68zz86zvbz69z2z67z\">n<\/span><span class=\"author-a-z85zz72zhz80z2qurlz86zuiz75zlsh\">. Unsere Fallzahlen nehmen momentan leicht zu, dies hat bisher aber vor allem mit einer leichten Zunahme an notwendigen Operationen und \u00fcblicher Atemwegserkrankungen zu tun. <\/span><span class=\"author-a-kqj35tz85zecz68zz86zvbz69z2z67z\">Allein die Konsultationen f\u00fcr Operationen und R\u00f6ntgen nehmen mit 137 F\u00e4llen ziemlich genau die H\u00e4lfte unserer gesamten behandelten F\u00e4lle ein, 11 F\u00e4lle mussten aufgrund von Infektionskrankheiten letzte Woche behandelt werden, aber nicht auf die Isolationsstation.<\/p>\n<p><\/span><span class=\"author-a-z85zz72zhz80z2qurlz86zuiz75zlsh\">Auch wenn die geschlossenen Grenzen bedeuten, dass internationales medizinisches Personal bis auf Weiteres nicht in unseren Projekten arbeiten kann &#8211; gemeinsam mit unserem lokalen Personal unterst\u00fctzen wir in der tagt\u00e4glichen medizinschen Arbeit das Gesundheitssystem, so gut es in dieser komplizierten Lage m\u00f6glich ist. <\/span><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"button-box ce_rsce_button   -left\">\n<a class=\"button ce_rsce_button   -left\" data-icon=\"\uf12a\" href=\"https:\/\/www.betterplace.org\/de\/projects\/61851-cadus-emergency-response\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\nDu kannst uns dabei helfen!\t<\/a>\n<\/div>\n<p class=\"info\">Ver\u00f6ffentlicht: <time datetime=\"2020-04-06T10:23:00+02:00\">06.04.2020<\/time><br \/>Verfasser*in:  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit nunmehr zwei Wochen kennt das Tagesgeschehen neben der Gesundheitskrise, ausgel\u00f6st durch die Krankheit COVID-19, und die sich dramatisch verschlechternde Weltwirtschaftslage, gleicher Ausl\u00f6ser, andere Ursache, kaum noch andere Nachrichten. 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