{"id":8233,"date":"2020-01-08T14:29:00","date_gmt":"2020-01-08T14:29:00","guid":{"rendered":"https:\/\/cadus.madways.de\/unkategorisiert\/die-tuerkei-in-nordostsyrien-ein-reisbericht-zu-zwei-monaten-chaos\/"},"modified":"2020-01-08T14:29:00","modified_gmt":"2020-01-08T14:29:00","slug":"die-tuerkei-in-nordostsyrien-ein-reisbericht-zu-zwei-monaten-chaos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cadus.org\/en\/artikel\/die-tuerkei-in-nordostsyrien-ein-reisbericht-zu-zwei-monaten-chaos\/","title":{"rendered":"Die T\u00fcrkei in Nordostsyrien &#8211; Ein Reisebericht zu zwei Monaten Chaos"},"content":{"rendered":"<div class=\"ce_text block\">\n<p><strong>Dieser Reisebericht soll ein Versuch sein die Komplexit\u00e4t unserer Arbeit in Worte zu fassen. Es ist nicht einfach Eins\u00e4tze in Nordostsyrien zu koordinieren. Es muss mitunter schnell und spontan agiert werden, es m\u00fcssen Sicherheitslagen \u00fcberpr\u00fcft, Pl\u00e4ne umgeworfen und neu strukturiert werden. Mit dieser extrem wichtigen Koordination steht und f\u00e4llt unsere Emergency Response. Hier ein Beitrag einer Person im Einsatz.<\/strong> <\/p>\n<p>Es ist viel passiert in den letzten zwei Monaten. Kurz vor meinem Abflug nach Erbil Mitte Oktober ist die T\u00fcrkei in Nordostsyrien einmarschiert. Nach einer monatelangen Vorbereitungszeit, unz\u00e4hligen E-Mails, Vertr\u00e4gen, Shopping-Touren (Schlafsack-Inlet? Lang\u00e4rmlige Hemden? M\u00fcckenspray?), einem HEAT-Training (Hostile Environment Awareness) und Treffen mit den Projektverantwortlichen f\u00fchlte ich mich gut vorbereitet und bereit f\u00fcr meinen zweimonatigen Einsatz in dem CADUS-Projekt im Gefl\u00fcchtetencamp al-Hol. <\/p>\n<p>Doch in Erbil angekommen war schon alles anders. Unsere internationalen Mitarbeiter*innen mussten einen Tag vor meiner Anreise Syrien verlassen und so traf ich im CADUS B\u00fcro im Irak auf einen Haufen w\u00fctender, trauriger und ersch\u00f6pfter Menschen, die die syrischen Kolleg*innen am Tag zuvor zur\u00fccklassen mussten. Nachdem einen schnelle \u00c4nderung der Situation in Nordostsyrien nicht absehbar war, wurde deshalb entschieden, dass das internationale \u00c4rzt*innen-Team erst einmal abreisen w\u00fcrde. Nur noch mit einem Kernteam in Erbil, folgten unz\u00e4hlige Interviews mit Medien, interne Diskussionen zur Sicherheitssituation, ver\u00e4nderte Projektantr\u00e4ge und Koordinierungstreffen mit anderen NGOs und UN-Organisationen. Eigentlich f\u00fcr eine andere Aufgabe angereist, versuchte ich nun so gut wie m\u00f6glich unter diesen neuen Umst\u00e4nden zu unterst\u00fctzen. Da unsere Projekte in Syrien (ein medizinisches Behandlungszentrum in Raqqa und das Feldkrankenhaus in al-Hol) weiterliefen standen wir stetig mit unseren Kolleg*innen vor Ort in Kontakt. Auch sie waren es, die uns auf die schwierige Situation der Binnengefl\u00fcchteten in Tal Tamr aufmerksam gemacht haben. Zusammen mit ihnen konnten wir dort (finanziert von in Deutschland gesammelten Spenden) schnell helfen und Essenspakete an \u00fcber 800 Familien verteilen. Zusammen mit unserer Partnerorganisation in Nordostsyrien, dem Kurdischen Roten Halbmond, unterst\u00fctzen wir finanziell seitdem auch noch das Krankenhaus in Tal Tamr und f\u00fcnf Rettungswagen durch Spenden. <\/p>\n<p>Nach dem sich die Lage in Syrien zwar nicht beruhigt, aber zumindest durschaubarer wurde, haben wir beschlossen schnellstm\u00f6glich wieder ein kleines Team zu schicken. Ich war kein Teil dieses Teams. Ein wenig \u00e4rgerlich f\u00fcr mich, war ich doch extra daf\u00fcr gekommen. Ich kannte die CADUS-Projekte mittlerweile zwar ganz gut, jedoch leider nur vom Papier. So sind zuerst zwei Projektverantwortliche f\u00fcr wenige Tage gefahren, die schon oft in der Region waren und haben unsere Kolleg*innen besucht, sich ein Bild unserer Projekte gemacht. Unz\u00e4hlige weitere Diskussionen \u00fcber die Sicherheitslage, aber schon kurze Zeit sp\u00e4ter bin ich dann das erste von zwei Malen mit einer Kollegin nach Syrien gereist. Morgens von unserer Unterkunft von einem syrischen Kollegen abgeholt, sind wir meistens nach al-Hol gefahren und haben da die Zeit in und um das CADUS Feldkrankenhaus verbracht. Da wir keine Mediziner*innen sind, lag unsere t\u00e4gliche Arbeit in Organisation und Kommunikation: Vom neuen Schreibtisch f\u00fcr den Team-Lead, zu Gespr\u00e4chen mit der WHO und den anderen Organisationen vor Ort, zur gebrochenen Abwasserleitung, zum System f\u00fcr die t\u00e4glichen Wasserqualit\u00e4ts-Tests im Camp, zum Reporting in das CADUS-B\u00fcro in Berlin. <br \/>Ein solcher Tag vergeht sehr schnell. Vor Sonnenuntergang ab ins Auto und zur\u00fcck in unsere Unterkunft, die wir aus Sicherheitsgr\u00fcnden bis zu unserer n\u00e4chsten Fahrt ins Camp am n\u00e4chsten Morgen nicht mehr verlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Und nun bin ich zur\u00fcck in Deutschland, sitze vor meinem Computer und schreibe diesen Text. M\u00fcsste ich jetzt ein Res\u00fcmee zu meiner Arbeit f\u00fcr CADUS vor Ort ziehen, w\u00fcrde ich wahrscheinlich sehr traurig werden. Traurig dar\u00fcber nicht mehr mit unseren tollen Kolleg*innen vor Ort Zeit verbringen zu k\u00f6nnen, morgens keinen hei\u00dfen Nescafe im Auto mehr zu trinken und nicht mehr aus dem Fenster ins weite Land zu gucken, nicht mehr Abends ersch\u00f6pft ins Bett zu fallen mit der Frage, was f\u00fcr spannende Dinge wohl am n\u00e4chsten Tag passieren werden. Aber gl\u00fccklicherweise steht mein n\u00e4chster Einsatz mit CADUS schon fest und so freue ich mich auf das n\u00e4chste Jahr und bin gespannt, was es wohl diesmal an \u00dcberraschungen bereith\u00e4lt.<\/p>\n<p>Trotz der deutlich zur\u00fcckgegangenen medialen Pr\u00e4senz zur Situation in Nordostsyrien wird immer noch dringend Hilfe vor Ort ben\u00f6tigt. Wir finanzieren unter anderem ein Krankenhaus und f\u00fcnf Ambulanzen, die absolut essentiell f\u00fcr die lokale medizinische Versorgung sind. Wir arbeiten stetig daran unsere Projekte dort auszubauen, zu optimieren und zu festigen. <br \/>Daf\u00fcr sind wir auf Eure Spenden angewiesen!<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"button-box ce_rsce_button   -centered\">\n<a class=\"button ce_rsce_button   -centered\" data-icon=\"\uf087\" href=\"https:\/\/www.betterplace.org\/de\/donate\/platform\/projects\/61851\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\nCADUS supports &#8211; support CADUS!\t<\/a>\n<\/div>\n<p class=\"info\">Ver\u00f6ffentlicht: <time datetime=\"2019-12-29T17:21:00+01:00\">29.12.2019<\/time><br \/>Verfasser*in: von Jonas Gr\u00fcnwald <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Reisebericht soll ein Versuch sein die Komplexit\u00e4t unserer Arbeit in Worte zu fassen. Es ist nicht einfach Eins\u00e4tze in Nordostsyrien zu koordinieren. Es muss mitunter schnell und spontan agiert werden, es m\u00fcssen Sicherheitslagen \u00fcberpr\u00fcft, Pl\u00e4ne umgeworfen und neu strukturiert werden. 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