{"id":8242,"date":"2019-12-04T20:30:00","date_gmt":"2019-12-04T20:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/cadus.madways.de\/unkategorisiert\/seyfo-ein-vergessener-voelkermord-und-seine-konsequenzen\/"},"modified":"2019-12-04T20:30:00","modified_gmt":"2019-12-04T20:30:00","slug":"seyfo-ein-vergessener-voelkermord-und-seine-konsequenzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cadus.org\/en\/artikel\/seyfo-ein-vergessener-voelkermord-und-seine-konsequenzen\/","title":{"rendered":"Seyfo \u2013 ein vergessener V\u00f6lkermord und seine Konsequenzen"},"content":{"rendered":"<div class=\"ce_text block\">\n<p><strong>Der US-Kongress hat erstmalig den V\u00f6lkermord an den Armeniern vor \u00fcber 100 Jahren offiziell als solchen anerkannt. Eine Nachricht, die im Trubel der t\u00fcrkischen Milit\u00e4roffensive auf Nordsyrien untergegangen ist, aber sicher weiter f\u00fcr Spannungen zwischen den NATO-Parntern USA und T\u00fcrkei beitragen d\u00fcrfte. <\/strong><br \/><strong>Kristof Kietzmann schildert in seinem Gastkommentar die Ereignisse von damals und wie diese helfen, die heutige Situation in der Region zu verstehen.<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>Die in diesem Artikel ge\u00e4u\u00dferten Ansichten stellen die des\/der Autor*in dar und sind nicht notwendigerweise offizielle Position von CADUS e.V.<\/strong><\/p>\n<p><\/em>Inmitten der t\u00fcrkischen Milit\u00e4roffensive in Nordsyrien folgte Ende Oktober eine Entscheidung des US-Kongresses, die das Verh\u00e4ltnis zwischen USA und der T\u00fcrkei weiterhin belasten d\u00fcrfte. Zum ersten Mal stufte das Repr\u00e4sentantenhaus damit die zwischen 1915 und 1917 an der armenischen Zivilbev\u00f6lkerung des Osmanischen Reiches durch osmanische Soldaten und kurdische Milizen begangenen Massaker und Deportationen als Genozid ein.<strong><\/p>\n<p><\/strong>Ein Schritt, den vorher schon Frankreich 2001 und der Deutsche Bundestag nach langen Debatten 2016 vollzogen hatten. Die Anerkennung der Massaker als V\u00f6lkermord tragen den Opfern sp\u00e4te Rechnung. Jahrzehntelanger politischer und diplomatischer Kampagnen von Hinterbliebenen, Diasporaorganisationen und nicht zuletzt auch Vertreter*innen des armenischen Staates ist es zu verdanken, dass das Thema auch in Westeuropa vielen Menschen ein Begriff ist. Die Massaker gegen eine christliche Minderheit in der Region wird auch heute noch von Parteien, B\u00fcndnissen und Personen Spektren \u00fcbergreifend als Einschnitt in der multiethnischen und multireligi\u00f6sen Geschichte Westasiens verstanden. <br \/>Fast v\u00f6llig aus dem Blick ger\u00e4t dabei ein weiterer V\u00f6lkermord an einer weiteren christlichen Minderheit auf dem Gebiet des Osmanischen Reiches, der an der assyrischen Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<h4>Assyrer, Chald\u00e4er, syrische Christen?<\/h4>\n<p>Die Frage um die Benennung spaltet die aram\u00e4ischsprachige Bev\u00f6lkerung Westasiens entlang kirchlich-religi\u00f6ser und politisch-nationaler Linien. \u00dcber die Jahrhunderte haben sich aus den urchristlichen, aram\u00e4ischsprachigen Kirchengemeinden verschiedenste Kirchen mit unterschiedlichen Riten, Br\u00e4uchen und Oberh\u00e4uptern entwickelt. Zus\u00e4tzlich komplizierter ist in der Neuzeit das Verst\u00e4ndnis der eigenen Nation in Abgrenzung zu anderen Gruppen geworden, Religion, Kirchenzugeh\u00f6rigkeit und Sprache sind wie bei kaum einer anderen Gruppe in der Region zu einem unterschiedlichen Nationalgef\u00fchl verwoben. <\/p>\n<p>In der inklusivsten und von mir genutzten Definition bezeichnet der Begriff \u201esyrische Christen\u201c all jene christlichen Gemeinden und ihre Angeh\u00f6rigen, deren heutige Sakralsprache das Ostaram\u00e4ische oder syriakisch ist. Aram\u00e4isch ist wie Hebr\u00e4isch und Arabisch der semitischen Sprachfamilie zugeordnet und war vor 2000 Jahren die Umgangssprache der Bev\u00f6lkerung in Westasien. Syrisch bezeichnet dabei nicht die Zuordnung zum heutigen Staat Syrien, sondern ist die griechische Bezeichnung f\u00fcr Aram\u00e4er, die \u00fcber die Jahrhunderte zur Selbstbezeichnung wurde. So bezeichnen sich aram\u00e4ischsprachige Christ*innen heutzutage vielfach als \u201eSuroye\u201c oder \u201eSuryoye\u201c. Der Begriff Syrer oder syrisch ist f\u00fcr diese Gruppe also doppelt irref\u00fchrend, da er nicht klar zwischen der existierenden syrischen Staatsangeh\u00f6rigkeit und der viel \u00e4lteren aram\u00e4ischen-syriakischen sprachlichen Identit\u00e4t unterscheidet. Werden dann noch zus\u00e4tzlich kulturelle und religi\u00f6se Komponenten wie chald\u00e4isch und assyrisch mit in den Mix geworfen, ist die Verwirrung f\u00fcr Au\u00dfenstehende perfekt.<\/p>\n<p>Syrische Christen geh\u00f6ren verschiedenen Kirchen an, das wiederum hat Auswirkungen auf die Fremdbezeichnung der einzelnen Gemeinden. So existiert eine assyrische und eine chald\u00e4ische Kirche, die Anh\u00e4nger dieser sind also dem eigenen Selbstverst\u00e4ndnis nach Assyrer beziehungsweise Chald\u00e4er. Im urspr\u00fcnglichen Siedlungsgebiet in der heutigen Ostt\u00fcrkei und dem Norden des Iraks lebten sie neben der zahlenm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dferen armenisch-christlichen Minderheit des Osmanischen Reiches, von der sie allerdings Sprache, religi\u00f6ser Ritus und auch Gruppengef\u00fchl trennten.<\/p>\n<h4>Vergiftete Revolution \u2013 jungt\u00fcrkische Minderheitspolitik<\/h4>\n<p>Die Wiedereinf\u00fchrung der Osmanischen Verfassung 1908 im Zuge der j\u00fcngt\u00fcrkischen Bewegung sicherte zum ersten Mal seit 1876 allen B\u00fcrgern des Osmanischen Reiches gleiche Rechte, unabh\u00e4ngig von Religion oder Volksgruppe. Zu diesem Zeitpunkt waren christliche Gemeinschaften au\u00dferhalb der arabischen Provinzen eine der zahlenm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dften Minderheiten, viele osmanische Provinzen auf dem Balkan oder in Thrakien waren immerhin mehrheitlich christlich gepr\u00e4gt. <\/p>\n<p>Stand die Jungt\u00fcrkische Bewegung zu Beginn noch unter dem Motto: \u201eVaterland, Freiheit, Gleichheit, Br\u00fcderlichkeit\u201c und vertrat sozial-liberale Ideen, folgte im Zuge der Balkankriege und dem Verlust der europ\u00e4ischen Provinzen ein Erstarken des t\u00fcrkisch-nationalistischen Fl\u00fcgels. Aus den Balkankriegen, von den europ\u00e4ischen Staaten mit perfider Grausamkeit gegen die muslimische Bev\u00f6lkerung gef\u00fchrt, entwickelte sich eine schreckliche Dynamik. Millionen von Muslimen wurden zwangsweise umgesiedelt und ver\u00e4nderten in dem nun geschrumpften Osmanischen Reich in Westasien die Bev\u00f6lkerungszusammensetzung. Christliche Minderheiten, Racheakte wegen der von Serben, Bulgaren und Montegrinern an Muslimen ver\u00fcbten Massakern f\u00fcrchtend, wandten sich europ\u00e4ischen Staaten als Schutzm\u00e4chten zu. Dieses wurde von der Jungt\u00fcrkischen Regierung mit Sorge und zunehmender Repression beantwortet, f\u00fcrchtete man eine klare Einflussnahme ausl\u00e4ndischer, feindlicher M\u00e4chte auf die illoyale christliche Bev\u00f6lkerung. <\/p>\n<h4>Todestrecks in die syrische W\u00fcste<\/h4>\n<p><a name=\"_GoBack\"><\/a>Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs, der auf Osmanischer Seite vielfach als Weiterf\u00fchrung der Balkankriege und als Abwehrkampf gegen den Untergang des eigenen Reiches verstanden wurde, verschlechterte sich die Lage der christlichen Minderheiten massiv. Im Osten dem Vorwurf der Kollaboration mit dem Kriegsgegner Russland ausgesetzt, wurden nach dem russischen R\u00fcckzug aus Ostanatolien und den Nordprovinzen des heutigen Iran armenische und assyrische D\u00f6rfer gebrandschatzt, Menschen zusammengetrieben und erschossen oder aus ihren angestammten Gebieten (Tur Abdin, Hakkari) in Kolonnen ins syrische Grenzgebiet getrieben. Viele starben auf dem Weg an Unterern\u00e4hrung, Ersch\u00f6pfung oder Krankheiten. Zus\u00e4tzliche \u00dcbergriffe der sie begleitenden osmanischen Soldaten oder arabischer und kurdischer Milizen erh\u00f6hte die Anzahl der Todesopfer sowohl auf armenischer als auch assyrischer Seite zus\u00e4tzlich. Sch\u00e4tzungen der Todesopfer f\u00fcr den gesamten Verlauf des Krieges schwanken stark, vermutet werden mindestens 50.000 bis 250.000 Tote. <br \/>Der Unterschied erkl\u00e4rt sich in der Z\u00e4hlung, in Massakern ermordete assyrische Christen waren identifizier- und durch die r\u00e4umliche N\u00e4he zu ihrem Wohnort quantifizierbar. Wie viele auf den Trecks in die W\u00fcste erschossen wurden, an Wasser- und Nahrungsmangel starben oder sp\u00e4ter in den Lagern umkamen, ist weitaus schwieriger zu dokumentieren. Im kollektiven Ged\u00e4chtnis syrischer Christen ist dieses Ereignis als Jahr des Schwertes verankert, \u201eSeyfo\u201c bedeutet auf syriakisch Schwert.<\/p>\n<p>\u00dcberlebende der Massaker und der anschlie\u00dfenden Todesm\u00e4rsche flohen entweder in den heutigen Irak, wo in den Ebenen um Mossul seit Jahrtausenden eine syrisch-christliche Mehrheitsbev\u00f6lkerung lebte oder gr\u00fcndeten im heutigen Syrien neue St\u00e4dte. Qamishli, heute zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt in der Provinz Hasakah, ist eine Gr\u00fcndung syrischer Christen. Entlang des Flusses Khabour um die Stadt Hasakah herum entstand ab 1920 ein zusammenh\u00e4ngendes Gebiet an syrischen Gemeinden, die sp\u00e4ter durch armenische \u00dcberlebende des V\u00f6lkermords erg\u00e4nzt wurden. Auch die Stadt in der das Team von CADUS lange gelebt hat, in der wir das lokale Krankenhaus nach wie vor unterst\u00fctzen und die jetzt seit drei Wochen umk\u00e4mpft ist, war eine assyrische Gr\u00fcndung: Tal Tamer oder Gire Xurma, der Dattelh\u00fcgel.<\/p>\n<p>Anders als der V\u00f6lkermord an den Armeniern ist der zeitgleich stattgefundende V\u00f6lkermord an den syrischen Christen weniger im kollektiven Ged\u00e4chtnis verankert. Zu zersplittert entlang kirchlicher und politischer Linien war (und ist) diese Gruppe, es fehlt ihr anders als den Armeniern an einem Nationalstaat, der diese Geschichte in ein verbindendes Narrativ umwenden k\u00f6nnte, als auch an einer Bewegung, die f\u00fcr diese gesamte Gruppe spricht. <\/p>\n<h4>(Fehlende) Minderheitsrechte und politischer Kampf<\/h4>\n<p>Auch nach dem Ende des Osmanischen Reiches und dem Beginn der T\u00fcrkischen Republik setzte sich im Zuge der europ\u00e4ischen Milit\u00e4roperationen in Westasien eine st\u00e4rker werdende Turkifizierungspolitik durch. Zwischen 1919 und 1923 tobte der T\u00fcrkische Unabh\u00e4ngigkeitskrieg gegen eine Allianz von Frankreich, Gro\u00dfbritannien, Griechenland und Armenien, dessen Ende einen fast vollst\u00e4ndigen Bev\u00f6lkerungsaustausch zwischen den christlichen Nachbarstaaten und der T\u00fcrkei zur Folge hatte. Begleitet wurde diese Trag\u00f6die von \u00dcbergriffen gegen\u00fcber der Zivilbev\u00f6lkerung auf beiden Seiten, griechische und armenische Soldaten ver\u00fcbten Rache f\u00fcr die vorangegangen Massaker, t\u00fcrkische Soldaten vertrieben die jahrtausendealte griechische Bev\u00f6lkerung Westasiens.<br \/>Die neugegr\u00fcndete Republik verstand sich nach diesen Ereignissen als prim\u00e4r t\u00fcrkischer Staat, die t\u00fcrkischsprachige Bev\u00f6lkerung sunnitischen Glaubens war die neue Titularnation*. F\u00fcr viele sprachliche, religi\u00f6se oder kulturelle Minderheiten war kein gesonderter Status vorgesehen. Das galt vor allem f\u00fcr die gr\u00f6\u00dfte Minderheit in der T\u00fcrkei, den Kurden, und eine der kleinsten Minderheiten, den verbliebenden syrischen Christen.<\/p>\n<p>Letztere begannen nach erneuten Wellen von schweren \u00dcbergriffen in den 1980er Jahren neben der Emigration nach Westeuropa einen Weg zu suchen, eine nationale Idee unabh\u00e4ngig von kirchlicher Zugeh\u00f6rigkeit und politischer Namenspolitik schaffen. Vertreter*innen der chald\u00e4ischen, syrischen und assyrischen Kirchen hatten mittlerweile politische Vereine und Parteien gegr\u00fcndet, der Streit um die Benennung der eigenen Gruppe (syrisch\/assyrisch\/chald\u00e4isch) schwelte nun zus\u00e4tzlich auf der politischen Ebene weiter und verhinderte vielfach eine Zusammenarbeit. So blieb die Politik syrischer Christen in den L\u00e4ndern entlang von Fraktionen zersplittert, eine wirksame Organisation gegen eine immer st\u00e4rker werdende Arabisierungs-, T\u00fcrkisierungs- und Kurdifizierung der Minderheit in den Staaten schien nicht m\u00f6glich. Die vollst\u00e4ndige Assimilation in die jeweilige Mehrheitsgesellschaft nur noch eine Frage von Jahren.<\/p>\n<p>Eine kleine Gruppe syrischer Christen in der T\u00fcrkei nahm sich Ende der 80er Jahre den kurdischen Kampf in der T\u00fcrkei um Minderheitsrechte als Vorbild f\u00fcr den eigenen politischen Kampf. Statt auf die Zugeh\u00f6rigkeit zu verschiedenen St\u00e4mmen, Kirchen oder Staatsangeh\u00f6rigkeiten sollte eine nationalistische, s\u00e4kulare Identit\u00e4t stehen, die sich auf die Tradition syrischer Christen in Sprache und Kultur beruft. Diese Politik einer nationalistischen, s\u00e4kularen und sozialistischen syrisch-christlichen Erneuerungsbewegung tr\u00e4gt den Namen \u201eDawronoye\u201c, welcher grob \u00fcbersetzt \u201edie Modernen\u201c bedeutet. Die Verbindungen der Dawronoye zu mittlerweile militant agierenden PKK reichen zur\u00fcck bis in diese Anfangszeit, sp\u00e4ter organisierten sich Anh\u00e4nger*innen der Dawronoye nach \u00e4hnlichen Prinzipien: Kaderorganisation, revolution\u00e4rer Kampf im Untergrund und Militanz.<br \/>Ziel war dabei die Schaffung eines syrisch-christlichen Staates auf dem Kernsiedlungsgebiet der syrischen Christen, einer Heimst\u00e4tte der Assyrer.<\/p>\n<h4>Dawronoye in Syrien und Irak<\/h4>\n<p>Seit den 90er Jahren gelang es der Dawronoyebewegung Anh\u00e4nger*innen in sowohl Syrien als auch Irak zu gewinnen. Konservative assyrisch\/chald\u00e4isch\/syriakische Parteien kritisieren seitdem die sozial-revolution\u00e4re Haltung und die enge Zusammenarbeit mit der PKK. Au\u00dferdem f\u00fcrchten sie, durch Angriffe auf die jeweiligen Vertreter*innen der kurdischen oder t\u00fcrkischen Mehrheitsgesellschaft um den eh schon gef\u00e4hrdeten Status der christlichen Minderheit. Im Zuge anti-christlicher Ausschreitungen im kurdischen Teil des Iraks Anfang der 2000er und der drohenden Ausl\u00f6schung in Syrien und Irak durch den Islamischen Staat konnten sich Parteien und Milizen aus dem Dawronoyespektrum aber konsolidieren. Unabh\u00e4ngig von der kurdischen Sicherheitsstruktur bewaffneten assyrische Milizen in der Region Nineveh Teile der christlichen Bev\u00f6lkerung und stellten eigene bewaffnete Verb\u00e4nde zum Schutz auf. <\/p>\n<p>In Syrien entstand ab 2005 die Partei der Syriakischen Union, die sich ebenfalls an die Ideale der Dawronoyebewegung anlehnt und diese um die Idee des F\u00f6deralismus in Syrien erg\u00e4nzt. Ihr milit\u00e4rischer Zweig ist die mittlerweile international bekannte Miliz MFS, in der sich seit 2019 alle assyrisch-aram\u00e4ischen Milizen in Nordostsyrien unabh\u00e4ngig von politischer Orientierung zusammengeschlossen haben. Die gemeinsamen Anfangsjahre mit Teilen der PKK und geteilte politische Vorstellungen erm\u00f6glichten Parteien aus dem Dawronoyespektrum eine verst\u00e4rkte Koalition mit PKK-nahen Parteien, sowohl in Syrien als auch in Nordirak. <\/p>\n<p>Der schwelende Namenstreit sowie die Zersplitterung und auch gezielte Instrumentalisierung durch nicht syrisch-christliche Parteien hat bisher eine gemeinsame Organisation aller syrischen Christen in Syrien und Irak verhindert. Es mutet daher fast wie eine bittere Ironie an, dass fast genau 100 Jahre nach dem V\u00f6lkermord an den syrischen Christen die Nachkommen dieser erst in Irak vor djihadistischen Muslimen des Islamischen Staates fliehen mussten und w\u00e4hrend diese Zeilen geschrieben werden t\u00fcrkische Soldaten gemeinsam mit islamistischen arabischen Verb\u00e4nden auf Tal Tamr marschieren.<\/p>\n<h4>Auss\u00f6hnung oder Abgrenzung<\/h4>\n<p>Das aktuelle Beispiel der Selbstverwaltung in Nordostsyrien zeigt, trotz aller Fehler und Schwachstellen, dass ein kooperatives und friedliches Miteinander der verschiedenen Volks-, Sprach-, und Religionsgruppen m\u00f6glich ist. Nicht nur m\u00f6glich, sondern sogar unabdingbar um den wiederkehrenden Kreislauf von Verfolgung, Ermordung, Rache und Feindseligkeit ein f\u00fcr alle Mal zu durchbrechen. Der V\u00f6lkermord an den syrischen Christen und der V\u00f6lkermord an den Armeniern wurde von t\u00fcrkischen Soldaten, kurdischen Milizen und arabischen St\u00e4mmen ver\u00fcbt und erm\u00f6glicht. In der Zwischenkriegszeit kam es sowohl in Irak als auch in Syrien zu Pogromen und Massakern an Christen armenischer und assyrischer Herkunft. Die Flucht vieler Kurden aus der T\u00fcrkei in den 70er und 80er Jahren in den Nordirak und nach Nordsyrien, gepaart mit einer brutalen Arabisierungskampagne von Bashar al-Assad und Saddam Husein marginalisierten christliche Gemeinschaften zus\u00e4tzlich und dr\u00e4ngten sie an den Rand der kulturellen Ausl\u00f6schung.<\/p>\n<p>In den selbstverwalteten Gebieten Nordostsyrien ist zum ersten Mal seit Langem etwas gelungen, die friedliche Konsolidierung verschiedener Minderheiten nach innen, bei gleichzeitigem Beginn einer Auss\u00f6hnung nach au\u00dfen. Diese Entwicklung ist gerade wieder akut in Gefahr. Familien, deren Vorfahren vor 100 Jahren geflohen sind, packen im Umland von Tal Tamr unter dem Druck t\u00fcrkischen Artilleriebeschusses ihre Habseligkeiten. Zu stark \u00e4hneln die Bilder pl\u00fcndernder Milizen unter t\u00fcrkischem Kommando denen von 1916. <\/p>\n<p>Seyfo, der V\u00f6lkermord an den syrischen Christen mag hierzulande bisher noch zu wenig bekannt sein, in Syrien und dem Irak ist er heute pr\u00e4senter denn je.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"info\">Ver\u00f6ffentlicht: <time datetime=\"2019-12-04T19:21:00+01:00\">04.12.2019<\/time><br \/>Verfasser*in:  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der US-Kongress hat erstmalig den V\u00f6lkermord an den Armeniern vor \u00fcber 100 Jahren offiziell als solchen anerkannt. Eine Nachricht, die im Trubel der t\u00fcrkischen Milit\u00e4roffensive auf Nordsyrien untergegangen ist, aber sicher weiter f\u00fcr Spannungen zwischen den NATO-Parntern USA und T\u00fcrkei beitragen d\u00fcrfte. 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