{"id":8444,"date":"2019-03-29T14:23:00","date_gmt":"2019-03-29T14:23:00","guid":{"rendered":"https:\/\/cadus.madways.de\/unkategorisiert\/vier-monate-emergency-response-balkan-ein-abschlussbericht\/"},"modified":"2019-03-29T14:23:00","modified_gmt":"2019-03-29T14:23:00","slug":"vier-monate-emergency-response-balkan-ein-abschlussbericht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cadus.org\/en\/artikel\/vier-monate-emergency-response-balkan-ein-abschlussbericht\/","title":{"rendered":"Vier Monate Emergency Response Balkan &#8211; Ein Abschlussbericht"},"content":{"rendered":"<div class=\"ce_text block\">\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><strong>Unsere Emergency Response in Sarajevo, Bosnien ist nach vier Monaten beendet. Unser Projektkoordinator fasst die Situation, die Herausforderungen und unseren Einsatz vor Ort noch einmal zusammen.<\/p>\n<p><\/strong>Liebe Unterst\u00fctzer*innen,<\/p>\n<p>vier Monate lang war unser Team in Sarajevo aktiv. Mittlerweile sind alle wieder zu Hause und es gilt, den Einsatz zu analysieren.<\/p>\n<p>Als wir im Oktober mit einem kleinen Assessment-Team vor Ort waren, wussten wir noch nicht, was uns erwartet und in welche Richtung sich das Projekt entwickeln sollte. Sehr schnell haben sich aber zwei \u201eHot-spots\u201c herauskristallisiert. <br \/>Zum einen war das das Gebiet von Bihac bis nach Velika Kladusa im Norden, zum anderen Sarajevo, die Hauptstadt von Bosnien. An beiden Orten gab es viele Gefl\u00fcchtete, welche nur beschr\u00e4nkten Zugriff auf medizinische Versorgung hatten. Sarajevo war in dieser Zeit ein klassischer \u201eTransit-Ort\u201c wo 100 bis 150 Menschen pro Tag ankamen, aber die meisten nach ein, zwei Tagen wieder weiterreisten. <\/p>\n<p>Im Norden sah die Situation wegen der geschlossenen Grenzen zur EU ganz anders aus. <br \/>So waren in Bihac etwa 1000 Menschen in einem Lager und in Velika Kladusa haben etwa 400 Menschen in Zelten auf einem Feld gecampt. Uns war klar, dass wir auf Grund der schnell wechselnden Situation ein mobiles Team brauchen w\u00fcrden, welches auch ohne Probleme an einem anderen Ort aktiv werden k\u00f6nnte, sollten sich die Gegebenheiten \u00e4ndern.<\/p>\n<p><strong>Einsatzstart in Bosnien<\/strong><br \/>Nach einigen Problemen mit einem Fahrzeug, welches eigentlich f\u00fcr diesen Einsatz geplant war, hie\u00df es schnell nach einem Ersatz suchen. In k\u00fcrzester Zeit hat dann eine sehr motivierte Umbau-Crew den neuen Transporter ausgebaut und in einen mobilen Untersuchungs- und Behandlungsplatz verwandelt. Gleichzeitig wurde nach Absprache mit anderen medizinischen Organisationen vor Ort auch klar, dass wir uns auf Sarajevo und Umgebung konzentrieren werden.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/vier-monate-emergency-response-balkan-ein-abschlussbericht-_CHL6710-20cadus20makerspace202018.jpg\" alt=\"\"\/><em>Vom kalten Gerippe zum warmen Behandlungsplatz. Ein Transporter wird zur mobilen Klinik. @Christoph L\u00f6ffler<\/em><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/vier-monate-emergency-response-balkan-ein-abschlussbericht-_CHL8155-20cadus20makerspace202018.jpg\" alt=\"\"\/><em>Viele H\u00e4nde haben uns tatkr\u00e4ftig beim Umbau geholfen. Ohne diese Unterst\u00fctzung k\u00f6nnten wir unsere Projekte nicht umsetzen. \u00a9Christoph L\u00f6ffler.<\/em><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Mitte November war es dann so weit und unser Team wurde in Sarajevo aktiv. Dank der tatkr\u00e4ftigen Unterst\u00fctzung der dortigen Organisationen konnten wir sehr schnell Fuss fassen und effizient arbeiten. Leider stellte sich bald heraus, dass unser geplantes \u201eReferral-System\u201c mit den \u00f6rtlichen Krankenh\u00e4usern, also die \u00dcberweisung von Patient*innen, deren Behandlung unsere Kapazit\u00e4ten \u00fcbersteigt, nicht wirklich funktioniert. F\u00fcr diese Spezialf\u00e4lle mussten wir also jedesmal individuelle L\u00f6sungen suchen. Wie durch ein Wunder haben wir aber in jedem Fall schlussendlich die notwendige Behandlung organisieren k\u00f6nnen. <\/p>\n<p><strong>Z\u00e4hne, Brillen und psychologische Betreuung<\/strong><br \/>W\u00e4hrend wir uns urspr\u00fcnglich nur um eine medizinische Grundversorgung k\u00fcmmern wollten, haben wir unser Angebot bald ausgebaut. Mit der Hilfe eines bosnischen Zahnarztes und seinen Sonderkonditionen f\u00fcr uns konnten wir auch bald eine zahnmedizinische Versorgung anbieten.<\/p>\n<p>Doch nicht nur Z\u00e4hne waren ein Problem, mit welchem wir uns in der Projektplanung nicht ausreichend auseinandergesetzt haben. Die Repression mit der sich die Gefl\u00fcchteten auf der Balkanroute immer wieder konfrontiert sehen, \u00e4u\u00dfert sich in Schl\u00e4gen und Erniedrigungen, aber auch in der Zerst\u00f6rung von Eigentum wie Handys und Brillen. Zumindest f\u00fcr die Brillen fand sich gl\u00fccklicherweise eine L\u00f6sung, auch hier wieder aus der Bev\u00f6lkerung Sarajevos. Diesmal war es ein Optiker, der zu sehr guten Preisen Sehtests durchf\u00fchrte und neue Brillen ausgab.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/vier-monate-emergency-response-balkan-ein-abschlussbericht-_3060065_Selene_Magnolia.jpg\" alt=\"\"\/><em>Die schlechten Umst\u00e4nden, unter denen viele Gefl\u00fcchtete gezwungen sind zu wohnen, k\u00f6nnen auch kleine Wunden unbehandelt schnell zu einem ernsthaften Problem werden lassen. \u00a9Selene Magnolia<\/em><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/vier-monate-emergency-response-balkan-ein-abschlussbericht-_2250476-2_Selene_Magnolia.jpg\" alt=\"\"\/><em>Besonders die F\u00fc\u00dfe werden auf dem langen Weg nach und durch Europa stark beansprucht. Wunden und Erfrierungen waren allt\u00e4glicher Anblick f\u00fcr unsere Teams. \u00a9Selene Magnolia<\/em><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Schon w\u00e4hrend des Assessments im Oktober wurde uns bewusst, dass gerade auch psychologische Probleme weit verbreitet sind. W\u00e4hrend uns selber die Kapazit\u00e4ten fehlten uns diesem Problem ebenfalls anzunehmen, war sich zum Gl\u00fcck \u00c4rzte ohne Grenzen (MSF) des Problems bewusst. In enger Koordination mit den Psycholog*innen und Psychiater*innen von MSF war unser Team dann in der Lage sich auch um psychologische F\u00e4lle zu k\u00fcmmern.<\/p>\n<p><strong>\u00dcber 2600 Behandlungen trotzt widriger Umst\u00e4nde<\/strong><br \/>Die Flexibilit\u00e4t und Mobilit\u00e4t hat sich schlussendlich ausgezahlt, obwohl wir nur in Sarajevo und einigen umliegenden Gemeinden aktiv waren. Das st\u00e4ndig wechselnde politische Umfeld und die Sicherheitslage haben einige Male dazu gef\u00fchrt, dass wir unseren Behandlungsort ge\u00e4ndert haben. Die f\u00fcr uns wohl gr\u00f6\u00dfte \u00c4nderung kam im Januar, als wir angefangen haben beim Community Center von AidBrigade zu arbeiten. Der gr\u00f6sste Vorteil f\u00fcr unsere Patient*innen lag darin, dass sie nicht mehr drau\u00dfen warten mussten, sondern ein beheizter Warteraum verf\u00fcgbar war.<\/p>\n<p>Bis Ende des Projektes Mitte M\u00e4rz haben unsere Teams 2625 Behandlungen durchgef\u00fchrt. Neben den Menschen auf der Stra\u00dfe und in den Squats konnten wir uns auch noch um Familien mit Kindern k\u00fcmmern, welche in einem gesonderten Haus untergebracht sind. <\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/vier-monate-emergency-response-balkan-ein-abschlussbericht-2019-01-10_Cadus_Bosnien_Foto_Christian_Vagt-2.jpg\" alt=\"\"\/><em>Hausbesuch bei gefl\u00fcchteten Familien, die in einem gesonderten Haus in Sarajevo untergebracht sind. \u00a9Christian Vagt<\/em><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Unsere Patient*innen hatten oftmals Probleme mit den Atemwegen, doch vor allem die Pflege entz\u00fcndeter Wunden geh\u00f6rten zur t\u00e4glichen Arbeit. In einigen F\u00e4llen half aber auch nur noch ein schnelles \u00dcberf\u00fchren in das Uniklinikum in Sarajevo. Wir haben mit unserem Einsatz sicher geholfen, dass es in Sarajevo diesen Winter nicht zu Schlimmerem gekommen ist, angesichts dessen, dass im Schnitt wohl etwa 250 Menschen diese Zeit ohne sichere, beheizte Unterkunft verbracht haben.<\/p>\n<p><strong>Eine dauerhafte L\u00f6sung muss geschaffen werden<\/strong><br \/>W\u00e4hrend wir urspr\u00fcnglich gehofft haben, dass sich w\u00e4hrend unseres dreimonatigen Einsatzes dauerhafte L\u00f6sungen finden und alle Menschen uneingeschr\u00e4nkten Zugriff auf medizinische Versorgung haben, hat sich diese Hoffnung leider auch nach vier Monaten nicht erf\u00fcllt. <br \/>Weiterhin suchen internationale Organisationen und bosnische Beh\u00f6rden nach L\u00f6sungsans\u00e4tzen, doch ein Ende der Probleme scheint nicht in Sicht zu sein. Gerade im Norden spitzt sich die Situation immer weiter zu und internationale NGOs werden an ihrer Arbeit gehindert oder m\u00fcssen sogar das Land verlassen, w\u00e4hrend der lokalen Bev\u00f6lkerung unverhohlen gedroht wird, sollten sie Menschen auf der Flucht helfen. <\/p>\n<p>Umso dankbarer sind wir, dass sich eine andere Organisation auf unsere Anfrage hin entschlossen hat, unsere Arbeit fortzusetzen und die medizinische Grundversorgung f\u00fcr die Menschen auf den Stra\u00dfen Sarajevos sicherzustellen. Nichts desto trotz fordern wir die bosnischen Beh\u00f6rden dazu auf, die Grundlagen f\u00fcr eine effiziente Hilfe zu schaffen. Die internationalen Organisationen und vor allem die EU fordern wir auf, Bosnien jegliche Unterst\u00fctzung zu geben, welche ben\u00f6tigt wird diesen Menschen zu helfen. Den Menschen, die wegen der europ\u00e4ischen Grenzpolitik \u00fcberhaupt erst in Bosnien stranden!<\/p>\n<p>Wir danken allen Spender- und Unterst\u00fctzer*innen, die die Arbeit unserer Emergency Response in den letzten Monaten m\u00f6glich gemacht haben und hoffen f\u00fcr unsere zuk\u00fcnftigen Projekte weiterhin auf eurer Engagement.<\/p>\n<p>Liebe Gr\u00fc\u00dfe,<br \/>Adrian<br \/>Cadus-Projektkoordinator ER Balkan<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"info\">Ver\u00f6ffentlicht: <time datetime=\"2019-03-29T13:11:00+01:00\">29.03.2019<\/time><br \/>Verfasser*in: Adrian Kn\u00f6pfel <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Emergency Response in Sarajevo, Bosnien ist nach vier Monaten beendet. 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