{"id":8696,"date":"2018-08-29T14:42:00","date_gmt":"2018-08-29T14:42:00","guid":{"rendered":"https:\/\/cadus.madways.de\/unkategorisiert\/ich-konnte-mir-ueberhaupt-nicht-vorstellen-was-mich-erwarten-wuerde\/"},"modified":"2018-08-29T14:42:00","modified_gmt":"2018-08-29T14:42:00","slug":"ich-konnte-mir-ueberhaupt-nicht-vorstellen-was-mich-erwarten-wuerde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cadus.org\/en\/artikel\/ich-konnte-mir-ueberhaupt-nicht-vorstellen-was-mich-erwarten-wuerde\/","title":{"rendered":"&#8220;Ich konnte mir \u00fcberhaupt nicht vorstellen, was mich erwarten w\u00fcrde.&#8221;"},"content":{"rendered":"<div class=\"ce_text block\">\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><strong><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Vor gut einem Jahr war Elisa als \u00c4rztin f\u00fcr CADUS im Einsatz in Mossul, Irak. In unserem Traumastabiliserungspunkt kurz hinter der Front haben sie und viele weitere Freiwillige ihr Bestes gegeben um die vielen Verletzten der K\u00e4mpfe um die Altstadt zu versorgen. Jetzt, ein Jahr sp\u00e4ter, wirft Elisa einen Blick zur\u00fcck auf die Ereignisse und was davon geblieben ist. <\/span><\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><em><br \/>Bitte stell dich kurz vor.<\/p>\n<p><\/em><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Ich bin Elisa, 35 Jahre alt, \u00c4rztin f\u00fcr Innere Medizin und Notfallmedizin im Krankenhaus und in der Notaufnahme, bin kurz vorm Facharzt und lebe und arbeite in Berlin.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><em><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><br \/>Warst du vor Mossul schonmal im Einsatz?<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Nicht mit CADUS, aber im Bereich der Fl\u00fcchtlingshilfe war ich 2016 als \u00c4rztin im griechischen Fl\u00fcchtlingscamp Idomeni (in gewisser Art und Weise auch ein Krisengebiet), in Athen und in diversen Lagern auf der Balkanroute, 2004 &#8211; 2014 mehrfach in Indien, u.a. in Kalkutta mit einer NGO, die dort eine mobile Klinik betreibt, und 2001 als Studentin in der Elfenbeink\u00fcste.<\/p>\n<p><\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Der Einsatz 2017 in Mossul war mein erster Einsatz mit CADUS sowie direkt in einem Kriegsgebiet und das erste Mal arbeiten inmitten von Kampfhandlungen. Und auch das erste Mal Traumaversorgung im gro\u00dfen Stil, mit akuten Schuss-, Spreng- und Explosionsverletzungen. Ich arbeite zwar sonst auch in einer Notaufnahme und im Rettungsdienst, aber eine Brandenburger Notaufnahme und ein Traumastabilisierungspunkt (TSP) an der Kriegsfront in Mossul machen dann doch einen Unterschied. <\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><em><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><br \/>Wie kamst du darauf, nach Mossul zu gehen? Was waren deine Erwartungen an den Einsatz und die Bedingungen vor Ort?<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm; background: #ffffff;\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Ich hatte schon seit mehreren Jahren die Arbeit von CADUS verfolgt, finanziell unterst\u00fctzt, und \u00fcber verschiedene Schienen haben sich Kontakte zu den CADUS Mitarbeiter*innen ergeben, sodass ich Lust bekommen habe, selbst mitzumachen. Was ich an CADUS sehr sch\u00e4tze, ist die weitestm\u00f6gliche Unabh\u00e4ngigkeit, die Organisationsstruktur mit flachen Hierarchien und vielen M\u00f6glichkeiten mit zu gestalten und die politische Herangehensweise an das Thema medizinische und humanit\u00e4re Hilfe in Krisengebieten. Dar\u00fcber hinaus finde ich die Idee, als kleine NGO mit mobilen medizinischen Einheiten, flexibel zu sein und schnell reagieren zu k\u00f6nnen, gerade in Zeiten von sich schnell ver\u00e4ndernden politischen Konflikten und Fronten, sehr erfolgsversprechend. Besonders das Projekt Rojava <span style=\"background: #ffffff;\"><em>(Anm. Red.: selbstverwaltete, vor allem kurdische, Gebiete Nordsyriens)<\/em> <\/span>hat mich sehr interessiert und es war klar, dass ich als \u00c4rztin in den Einsatz gehen will. Als dann doch statt Syrien der Irak das erste Einsatzgebiet wurde und die WHO CADUS aufgrund der desastr\u00f6sen humanit\u00e4ren Lage in Mossul um Hilfe gebeten hat, war ich dankbar, genau in diesem Moment in den Einsatz gehen und vor Ort t\u00e4tig werden zu k\u00f6nnen. Immerhin wurden tausende von Menschen jeden Alters durch den IS, aber auch die Bombardierungen seitens des irakischen Milit\u00e4rs und den Alliierten verletzt und get\u00f6tet. <\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm; background: #ffffff;\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/ich-konnte-mir-ueberhaupt-nicht-vorstellen-was-mich-erwarten-wuerde-KAR_84595B15D.jpg\" alt=\"\"\/><\/span><em><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">Elisa bei der Versorgung einer \u00e4lteren Frau. Die lange Unterversorgung hatte vor allem Alte und Kinder schwer getroffen. Foto: Kenny Karpov<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm; background: #ffffff;\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><br \/><\/span><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Erwartungen hatte ich gar zuvor gar keine. Ich konnte mir \u00fcberhaupt nicht vorstellen, was mich erwarten w\u00fcrde. Daher hab ich mich auf das Schlimmste vorbereitet: sowohl, was den Einsatz selbst, als auch die Arbeits- und Lebensbedingungen betraf. Diese Strategie ist f\u00fcr mich total gut aufgegangen, da ich so eher positiv \u00fcberrascht wurde und mich mit mit dem zufrieden geben konnte, was ich vorgefunden habe. <br \/>Am schwierigsten war f\u00fcr mich tats\u00e4chlich das muslimische Frauenbild und die kulturellen Differenzen im Umgang mit dem Thema Gender und Frauenrechte. Die Tatsache, in einem muslimischen Land als Frau ganz anders wahrgenommen zu werden und die Einschr\u00e4nkungen im arbeiten und leben, haben mich immer wieder frustriert und w\u00fctend gemacht haben.<\/p>\n<p><\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Ich hatte vorher nat\u00fcrlich Angst vor den Bildern, den Toten &#8211; vor allem den toten Kindern, der Brutalit\u00e4t des Krieges, der Schwere der Verletzungsmuster und auch davor, dass meine medizinischen Skills nicht ausreichen und ich Menschen nicht helfen kann. Oder sie trotz meiner Hilfe sterben.Das alles ist passiert und es war schrecklich, aber vor Ort hatte ich keine Angst und das Gef\u00fchl der Hilflosigkeit hat nicht dominiert. Im Gegenteil, ich habe es w\u00e4hrend meiner Laufbahn als \u00c4rztin selten erlebt, so vielen Menschen im wahrsten Sinne des Wortes das Leben zu retten, Leiden zu mildern und sinnvolle medizinische Hilfe zu leisten. Das war einzigartig und trotz der schrecklichen Situation sehr befriedigend. <br \/><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm; background: #ffffff;\"><em><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><br \/>Wie hast du die Situation damals in Mossul erlebt? Wie lief der Einsatz vor Ort ab?<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Als ich ankam, hatte gerade die hei\u00dfeste Phase der Befreiung der Altstadt Mossuls begonnen. Im Stra\u00dfenkampf wurde eine Gasse nach der n\u00e4chsten vom IS befreit, dazwischen gab es immer wieder R\u00fcckschl\u00e4ge. Und noch mehr Tote und Verletzte. Das war eine ganz andere Kampfstrategie, die viel mehr und schwerer Verletzte hervorbrachte, als noch wenige <span style=\"font-style: normal;\">Wochen<\/span> zuvor bei der Befreiung des Ostteils der Stadt. Dabei wurden gro\u00dfe Gebiete durch gezielte Luftangriffe und Angriffe mit Panzern r\u00fcckerobert, da die Stra\u00dfen dort viel breiter und mit schweren Kampffahrzeugen befahrbar waren. Deswegen wurde weniger fl\u00e4chendeckend bombardiert und weniger Menschen mussten sterben.<br \/>Uns wurden t\u00e4glich hunderte Verletzte mit Humvees gebracht, darunter Soldaten, Zivilist*innen, Kinder, alte Menschen. Dazu kamen die ganzen Menschen, die drei Jahre unter der Herrschaft des IS gefangen waren und nun ersch\u00f6pft, dehydriert und mit alten und frischen Verletzungen aus den befreiten Gassen str\u00f6mten, um nicht in den letzten Tagen des Befreiungskampfes noch get\u00f6tet zu werden. <\/p>\n<p><\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Der TSP, der einige hundert Meter von der Front entfernt in einer ehemaligen Garage eingerichtet wurde, versorgte seit zwei Wochen rund um die Uhr Verletzte und wir waren die Abl\u00f6sung des ersten Einsatzteams. Es war kaum Zeit f\u00fcr eine Eingew\u00f6hnung und \u00dcbergabe, sodass wir direkt am ersten Tag mit der Arbeit begannen. Ich hatte ein tolles Team bestehend aus Crew-Mitgliedern von CADUS, einem italienischen Kinderarzt und mehreren internationalen Krankenschwestern, die sich CADUS angeschlossen hatten. <\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/ich-konnte-mir-ueberhaupt-nicht-vorstellen-was-mich-erwarten-wuerde-KAR_86135B15D.jpg\" alt=\"\"\/><\/span><\/span><em><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Rund um die Uhr wurden Patient*innen im TSP versorgt. Foto: Kenny Karpov<\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><br \/><\/span><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Auch die Kooperation mit dem irakischen Milit\u00e4r, das die dortige Krankenstation betrieben hatte, aber auch gleichzeitig unsere Sicherheit garantierten, lief unterm Strich sehr gut. Auch wenn sich f\u00fcr uns alle eine so direkte Kooperation mit milit\u00e4rischen Kr\u00e4ften sehr ungewohnt und auch zun\u00e4chst ungut anf\u00fchlte. Aber sie war in diesem Setting zur Umsetzung unseres Konzeptes unumg\u00e4nglich. Nat\u00fcrlich gab es kulturelle Differenzen, die sich auch in der Arbeit bemerkbar machten, aber insgesamt waren alles so sehr auf das Retten von Leben fokussiert, das alles andere zun\u00e4chst zweitrangig war. Und es zeigte sich sehr deutlich, dass unsere Arbeit im TSP nur funktionieren konnte, wenn wir zusammen arbeiteten und uns um reibungslose Abl\u00e4ufe bem\u00fchten. H\u00e4ufig war gar keine Zeit mehr, um \u00fcber den Wahnsinn und den Schrecken des Krieges und der Einzelschicksale nachzudenken. <\/p>\n<p><\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Es kamen Rund um die Uhr Patienten in den TSP, wir gaben alles, um sie zu stabilisieren und lebend in die umliegenden Krankenh\u00e4user zu transportieren, zwischendrin wurde aufger\u00e4umt, Medikamente nachgef\u00fcllt und Primary Health Care <em><span style=\"background: #ffffff;\">(Anm. Red.: grundlegende medizinische Versorgung, \u00e4hnlich wie beim Hausarzt)<\/span><\/em> f\u00fcr die Menschen aus der Nachbarschaft betrieben. Die Menschen, denen wir nicht mehr helfen konnten, weil sie entweder schon tot bei uns angekommen oder trotz unserer Bem\u00fchungen verstorben sind, wurden in schwarze S\u00e4cke verpackt und h\u00e4ufig alleine oder unter dem Klagen und Weinen ihrer Angeh\u00f6rigen und Freunde weggefahren. <\/p>\n<p><\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Ich habe die meiste Zeit einfach funktioniert und alles gegeben. Obwohl ich eigentlich ein sehr empathischer und emotionaler Mensch bin, konnte ich das. Ich war oft selbst \u00fcber mich erstaunt. Aber es gab auch Momente, in denen ich realisiert habe, was f\u00fcr ein Wahnsinn so ein Krieg ist und insbesondere dieser; mit welcher Brutalit\u00e4t und R\u00fccksichtslosigkeit Menschen gegen Menschen vorgehen, aufgrund von Religion, Macht, Zugeh\u00f6rigkeiten oder Territorium. Und was die Menschen erleiden, die dort leben und alles verlieren, was je ihr Leben ausgemacht hat: Familie, Freunde, Kinder, K\u00f6rperteile, Hab und Gut, Lebensraum und manche ihre W\u00fcrde. Daf\u00fcr kann man gar keine Worte finden.<\/p>\n<p><\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Besonders schlimm war f\u00fcr mich immer, die vielen Kinder zu sehen, die so aufwachsen. Viele von ihnen haben gro\u00dfe Teile ihrer Familie verloren und als Kleinkind schon mehr schreckliche Bilder gesehen, als ich in meinem ganzen Leben und f\u00fcr den Rest ihres Lebens k\u00f6rperliche und psychische Sch\u00e4den davontragen. Und doch gab es diese Momente von Dankbarkeit, Neugier, Lachen, vorsichtigen Begegnungen inmitten von Terror und Blut. <\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/ich-konnte-mir-ueberhaupt-nicht-vorstellen-was-mich-erwarten-wuerde-KAR_90355B15D.jpg\" alt=\"\"\/><\/span><\/span><em><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Unter einfachsten Bedingungen haben die CADUS-Mitarbeiter*innen im TSP f\u00fcr die Zeit ihres Einsatzes gelebt. Foto: Kenny Karpov<\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><br \/><\/span><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">So ging das eigentlich die ganzen 4 Wochen, mal mehr mal weniger intensiv. Ich war froh, das CADUS-Team um mich zu haben, die mich aufgefangen haben, wenn ich abends auf meinem Feldbett die Bilder im Kopf nicht mehr ertragen konnte. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Die durch Gespr\u00e4che, eine Umarmung, einen s\u00fcssen Kaffee oder ein Essen, das wir gemeinsam in unserem R\u00fcckzugsraum gekocht haben, all das leichter und ertr\u00e4glicher gemacht haben. Alleine, ohne das Team, h\u00e4tte ich das nicht gekonnt. <\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><em><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><br \/>Wie hat der Irak und die internationale Gemeinschaft auf die humanit\u00e4re Notlage reagiert?<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Puh. Es gibt bestimmt Expert*innen, die diese Frage viel besser beantworten k\u00f6nnen und ein viel umfassenderes Hintergrundwissen dazu besitzen als ich. Ich kann nur von meinem Eindruck berichten. Ich hatte das Gef\u00fchl, der Irak war voll damit besch\u00e4ftigt, gegen den IS zu k\u00e4mpfen und so gut es ging, den eigenen Soldaten das Leben zu retten. Eine medizinische Versorgung, geschweige denn eine Versorgung mit Nahrungsmitteln oder Hilfsg\u00fctern f\u00fcr die Menschen in der Altstadt gab es nicht. Mal ganz zu schweigen von den ganzen IDPs <em>(Anm. Red.: Internally Displaced Persons, Binnenfl\u00fcchtlinge)<\/em>, die in Camps um Mossul herum untergebracht waren und immer noch sind. <\/p>\n<p><\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Die internationale Gemeinschaft, wenn damit jetzt die WHO, UNHCR gemeint sind, haben im Rahmen ihres doch recht tr\u00e4gen Organisationsapparates mit den \u00fcblichen Hilfsleistungen reagiert. Dar\u00fcber hinaus gab es verschiedene NGOs, die zum Teil mehr, zum Teil weniger effektive Nothilfe an der Front, in den Camps und im Rest des Landes geleistet haben. <\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><em><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><br \/>Was m\u00fcsste sich deiner Meinung nach \u00e4ndern, damit solche humanit\u00e4ren Katastrophen vermieden werden k\u00f6nnen?<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Um solche Katastrophen zu vermeiden, muss meiner Meinung nach in der Bek\u00e4mpfung der Ursachen von Krieg und Terror angesetzt werden. Das ist sehr komplex und w\u00fcrde jetzt den Rahmen sprengen. Zu diesen Ursachen geh\u00f6ren einerseits Mechanismen, die in der Natur des Menschen liegen, wie Angst und Neid auf der einen Seite und das Streben nach Macht und (vermeintlicher) Sicherheit auf der anderen Seite. Andere Ursachen haben mit Religion und Fanatismus zu tun und dann spielen Themen wie globale (Nord-S\u00fcd) Ungerechtigkeit, Kapitalismus etc. eine wichtige Rolle. Es ist sehr schwierig, hier konkrete Verbesserungsvorschl\u00e4ge anzubringen. <\/p>\n<p><\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Aber wenn es um konkrete Ma\u00dfnahmen und \u00c4nderungen geht, dann bin ich \u00fcberzeugt, dass der kostenlose (verpflichtende) Zugang zu Bildung (und zwar einer unabh\u00e4ngigen) f\u00fcr alle Menschen unabh\u00e4ngig von Geschlecht, Volkszugeh\u00f6rigkeit, Religion oder Armut sehr dazu beitragen w\u00fcrde, Krieg und humanit\u00e4re Katastrophen zu vermeiden. Au\u00dferdem ein \u00f6ffentliches, kostenloses Gesundheitssystem, Rechte f\u00fcr Kinder und Frauen und faire L\u00f6hne. <\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><em><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><br \/>W\u00fcrdest du wieder in den Einsatz gehen? Oder in einen \u00e4hnlichen?<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Ja, sofort. <\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><em><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><br \/>Hat sich CADUS durch den Einsatz in Mossul (bzw. Irak) ver\u00e4ndert? Und wenn ja, wie? Was nimmt CADUS als Erfahrungen f\u00fcr zuk\u00fcnftige Eins\u00e4tze mit?<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Bei CADUS ging es ja urspr\u00fcnglich nur zum Teil um direkte medizinische Hilfe, sondern viel auch um Ausbildung von Sanit\u00e4ter*innen, Telemedizin, Umweltfragen etc. Durch den Einsatz in Mossul sind wir quasi unfreiwillig zu Spezialist*innen in Emergency Response Medicine und Trauma Stabilisation geworden, was eigentlich nie unser Ziel war. Das ist einerseits total spannend, weil wir gut darin sind und durch unsere Flexibilit\u00e4t und Bereitschaft, auch unter erschwerten Bedingungen zu arbeiten, ein Alleinstellungsmerkmal besitzen. Besonders interessant f\u00fcr mich ist dabei die Tatsache, dass wir dadurch an Orten sind, an denen sonst keiner arbeiten will und damit Menschen helfen k\u00f6nnen, die sonst keine Hilfe bekommen w\u00fcrden. Das ist ein Grund f\u00fcr mich, mich weiterhin bei CADUS zu engagieren. Auf der anderen Seite sind durch diese Umorientierung andere Projekte zu kurz gekommen. Ich hoffe sehr, dass wir es schaffen, auch die Projekte im Bereich der Aus-\/ Weiterbildung von medizinischem Personal in Krisengebieten, die Telemedizin usw. weiterzuverfolgen. <\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><em>Damals, kurz nach dem Einsatz in Mossul, hat Elisa ihre Eindr\u00fccke schon einmal f\u00fcr uns aufgeschrieben. Hier k\u00f6nnt ihr ihren <a href=\"de\/blog\/artikel\/228\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beitrag in unserem Blog<\/a> nachlesen.<\/em> <\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<p class=\"info\">Ver\u00f6ffentlicht: <time datetime=\"2018-08-28T14:06:00+02:00\">28.08.2018<\/time><br \/>Verfasser*in: von Jonas Gr\u00fcnwald <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor gut einem Jahr war Elisa als \u00c4rztin f\u00fcr CADUS im Einsatz in Mossul, Irak. In unserem Traumastabiliserungspunkt kurz hinter der Front haben sie und viele weitere Freiwillige ihr Bestes gegeben um die vielen Verletzten der K\u00e4mpfe um die Altstadt zu versorgen. 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