{"id":8922,"date":"2017-12-13T20:43:00","date_gmt":"2017-12-13T20:43:00","guid":{"rendered":"https:\/\/cadus.madways.de\/unkategorisiert\/244\/"},"modified":"2017-12-13T20:43:00","modified_gmt":"2017-12-13T20:43:00","slug":"244","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cadus.org\/en\/artikel\/244\/","title":{"rendered":"Die M\u00fchen des Journalismus oder alles Flecktarn, oder was?"},"content":{"rendered":"<div class=\"ce_text block\">\n<p><strong>Eine Stellungnahme zum <a href=\"https:\/\/www.arte.tv\/de\/videos\/073399-057-A\/re-einsatz-unter-lebensgefahr\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ARTE-Beitrag<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>&#34;Es wirkt, als wenn wir sozusagen der Sanit\u00e4tsdienst des Milit\u00e4rs w\u00e4ren. [&#8230;] Das ist so nat\u00fcrlich falsch.&#34;<\/strong><\/p>\n<p><strong>Vor kurzem ist auf arte eine Dokumentation \u00fcber die Arbeit von CADUS gesendet worden. Wir haben lange \u00fcberlegt, ob und wie wir den Beitrag bewerben wollen. Unser CEO Sebastian im Interview.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Interview: Zarah Roth<br \/><\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Was kritisierst du an dem arte-Beitrag?<\/strong><\/p>\n<p>Da geht es schon los, kritisieren ist ein schwieriger Begriff daf\u00fcr. Ich bin mit den Bildern, die beim Betrachten entstehen k\u00f6nnen, nicht gl\u00fccklich, das hei\u00dft aber nicht, dass ich die Arbeit des arte-Teams kritisieren will. Es ist glaub ich einfach unwahrscheinlich schwer, die komplizierten Verh\u00e4ltnisse vor Ort im Irak runtergebrochen in einer Reportage darzustellen. Und das umso mehr, wenn man, wie das arte-Team, nur eine begrenzte Zeit vor Ort verbringen kann.<\/p>\n<p><strong>Worum geht es dir dann inhaltlich, bzw. warum hat das CADUS-Team die Reportage nicht offensiv beworben?<\/strong><\/p>\n<p>Einige Dinge, gerade auch O-T\u00f6ne, kommen missverst\u00e4ndlich r\u00fcber. Es wirkt, als wenn wir sozusagen der Sanit\u00e4tsdienst des Milit\u00e4rs w\u00e4ren. Es wird ja auch gesagt, wir w\u00fcrden nur dort arbeiten, wo es uns das Milit\u00e4r erlaubt. Das ist so nat\u00fcrlich falsch.<\/p>\n<p> Wir m\u00fcssen uns selbstverst\u00e4ndlich beim Milit\u00e4r erkundigen, welche Gegenden sie als sicher betrachten. Wo sie noch Schl\u00e4ferzellen vermuten. Wo bereits Minen ger\u00e4umt wurden. Au\u00dferdem ist dort, wo das Milit\u00e4r \u201evorgeht\u201c, also Kampfhandlungen stattfinden, auch mit verletzten Zivilist*innen zu rechnen. Deswegen, ja, alles in allem zusammengenommen haben die Informationen des Milit\u00e4rs einen gro\u00dfen Einfluss auf unsere Entscheidungsfindung. Aber \u201edort arbeiten, wo es das Milit\u00e4r erlaubt\u201c w\u00e4re ein klarer Versto\u00df gegen internationales humanit\u00e4res Recht, und w\u00fcrde die f\u00fcr uns wichtige Neutralit\u00e4t komplett untergraben.<\/p>\n<p><strong>Aber habt ihr nicht auch schon in Mossul mit dem Milit\u00e4r zusammengearbeitet?<\/strong><\/p>\n<p>Wie gesagt, das wording macht\u00b4s. Ja, wir waren in Mossul extrem nah am Milit\u00e4r. Aus Gr\u00fcnden. Das war ein H\u00e4userkampf, mit etlichen Schl\u00e4ferzellen, \u00fcberall selbstgebastelte Sprengfallen vom IS, da konnten wir uns nur \u201ein den Fu\u00dfstapfen\u201c der Sicherheitskr\u00e4fte bewegen, alles andere w\u00e4re unkalkulierbar lebensgef\u00e4hrlich gewesen. <br \/>Aber schon da haben wir mit allen Mittel versucht, eine Mindestabgrenzung aufrecht zu erhalten. Eine eigene Versorgungsstruktur, eine eigene medizinische Logistik, eine eigene Unterkunft. Das wir dabei in Bezug auf die Sicherheitsaspekte von der r\u00e4umlichen N\u00e4he zum Milit\u00e4r profitiert haben ist klar. Aber wir sprechen deswegen immer von einer Kolokation, nicht einer Kooperation. Auch war es in Mossul wichtig, sehr nah beim Milit\u00e4r zu sein, da sie die einzigen waren, die Zivilist*innen aus dem unmittelbaren Frontbereich zu uns einen Kilometer dahinter bringen konnten. Und um sicherzugehen, dass Zivilist*innen genauso behandelt werden wie irakische Milit\u00e4rs, war es wichtig dort zu sein. Aber das war ein extremes Spiel mit den Grenzen humanit\u00e4rer Neutralit\u00e4t, das mit Sicherheit auch dem Zweck geschuldet war, und f\u00fcr uns keinen Wunschzustand darstellte.<\/p>\n<p>In Hawija waren wir dann immer noch auf den Spuren des Milit\u00e4rs, um immer dort zu sein, wo grade Ortschaften befreit wurden vom IS. Aber auch hier wieder aus der Not geboren und nicht, weil wir eine so enge Arbeit beim Milit\u00e4r als sinnvolles Konzept erachten.<\/p>\n<p>Deswegen war und ist uns das extrem wichtig, dass das nicht verk\u00fcrzt r\u00fcberkommt.<\/p>\n<p><strong>Geht es euch da eher um euren Ruf als NGO, die aus einer eher subkulturellen Szenerie entstanden ist? Oder was ist das Problem?<\/strong><\/p>\n<p>Das Problem ist in erster Linie, dass wir generell im humanit\u00e4ren Sektor in den letzten Jahren etwas erleben, was wir fr\u00fcher nicht erlebt haben. Angriffe auf humanit\u00e4re Helfer*innen und Einrichtungen der Gesundheitsversorgung haben massiv zugenommen und sind mittlerweile g\u00e4ngiges Mittel in den asymmetrischen Konflikten, die wir vielerorts grade sehen. Und da gibt es grade noch kein einfaches L\u00f6sungskonzept. <br \/>Der IS l\u00e4sst nicht mit sich auf Grundlage humanit\u00e4ren Rechts verhandeln. Da schei\u00dfen die drauf. Was bleibt dann, au\u00dfer sich irgendwie vor dem IS zu sch\u00fctzen, und trotzdem vor Ort zu versuchen, den Menschen zu Hilfe zu kommen? Im Stich lassen ist keine Alternative. Aber die Grundlagen humanit\u00e4ren Handelns \u00fcber Bord zu werfen, nur weil eine Seite sich verweigert, ist genauso wenig eine Alternative. <\/p>\n<p>Deswegen geht es uns nicht nur &#34;um unseren Ruf\u201c, das Feedback ist da sogar eher positiv. Die Menschen, die uns kennen, wissen wie hart es f\u00fcr uns ist, in dieser Umgebung zu arbeiten und so nah mit milit\u00e4rischen Strukturen zu sein, die wir aus verschiedensten Gr\u00fcnden ablehnen. Es geht uns eher darum, keinen ungewollten Beitrag zu dieser l\u00f6sungsoffenen Debatte zu liefern. Deswegen immer wieder das Betonen, dass wir uns unsere Eigenst\u00e4ndigkeit und Neutralit\u00e4t immer versuchen zu erhalten, auch wenn es auf Grund der Umst\u00e4nde schier unm\u00f6glich scheint.<\/p>\n<p><strong>Wie ist die Situation jetzt?<\/strong><\/p>\n<p>Wir sind jetzt in Anbar, da sind die K\u00e4mpfe schon l\u00e4nger vorbei, trotzdem liegt die Gesundheitsversorgung vor Ort komplett am Boden. Wir arbeiten dort komplett auf uns allein gestellt, und haben auch eine viel gr\u00f6\u00dfere Distanz zu den Sicherheitskr\u00e4ften, weil es einfach keine akuten Kampfhandlungen mehr gibt. Wir haben daf\u00fcr die passiven Schutzma\u00dfnahmen soweit verst\u00e4rkt, wie es uns m\u00f6glich war.<\/p>\n<p><strong>Passive Schutzma\u00dfnahmen?<\/strong><\/p>\n<p>Mietfahrzeuge mit schusssicherer Panzerung. Wir arbeiten viel st\u00e4rker \u201eunter dem Radar\u201c, keine Routinen an den Tag legen, die angreifbar machen. Halt alles, was nicht aktiven bewaffneten Schutz bedeutet. Aber das ist nichts \u201eNeues\u201c und f\u00fcr die Medien mit Sicherheit auch weniger interessant als das Arbeiten im aktiven Frontbereich. <br \/>Deswegen werden wir wohl noch l\u00e4nger mit diesem medialen Bild k\u00e4mpfen m\u00fcssen, welches unsere N\u00e4he zum Milit\u00e4r nicht in der Komplexit\u00e4t abbilden kann, die sie eigentlich hat.<\/p>\n<p><strong>Sebastian, vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<p class=\"info\">Ver\u00f6ffentlicht: <time datetime=\"2017-12-13T13:27:00+01:00\">13.12.2017<\/time><br \/>Verfasser*in: von Jonas Gr\u00fcnwald <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Stellungnahme zum ARTE-Beitrag &#8220;Es wirkt, als wenn wir sozusagen der Sanit\u00e4tsdienst des Milit\u00e4rs w\u00e4ren. [&#8230;] Das ist so nat\u00fcrlich falsch.&#8221; Vor kurzem ist auf arte eine Dokumentation \u00fcber die Arbeit von CADUS gesendet worden. Wir haben lange \u00fcberlegt, ob und wie wir den Beitrag bewerben wollen. 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