Emergency Response Balkan

Veröffentlicht am 18. February 2020

von CADUS-PR

Zielland/-region: Bosnien und Herzegowina, Sarajevo

Zeitraum: November 2018 – März 2019

Kurzbeschreibung: Mit einer mobilen Klinik hat CADUS die medizinische Grundversorgung von flüchtenden Menschen auf der Balkanroute, im speziellen in Sarajevo, sichergestellt und über 2500 Behandlungen durchgeführt.

Projektverlauf:
Tausende Menschen die über die Balkanroute fliehen, sitzen an der Außengrenze der EU vor Kroatien fest. Sie leben in Ländern wie Bosnien-Herzegowina in Geflüchtetencamps oder auf der Straße in den großen Städten. Repression, Gewalt, mangelhafte staatliche Unterstützung und kein Zugang zu ärztlicher Versorgung führen zu schlechten Lebensbedingungen. Mit dem baldigen Beginn des kalten bosnischen Winters war für uns klar, dass es dort eine medizinische Versorgung für Geflüchtete braucht.

Unser detailliertes Assessment vor Ort ergab, dass im Winter 2018/2019 mit zwei Hotspots zu rechnen sein würde. Zum einen das Gebiet von Bihac bis nach Velika Kladusa im Norden und zum anderen in der Hauptstadt Sarajevo. In Absprache mit mehreren Organisationen haben wir die medizinische Versorgung dort übernommen, während der Norden durch die anderen Organisationen abgedeckt wurde.

Dank großer Unterstützung unserer Supporter*innen haben wir Mitte November einen Transporter zum beheizten Untersuchungs- und Behandlungsraum umgebaut und mit einem ersten Team nach Sarajevo entsandt.
Direkt nach Ankunft konnten wir mit der Arbeit beginnen und über den Winter die medizinische Grundversorgung sicherstellen. Schnell wurde aber auch klar, dass es etliche Probleme gab, welche über unsere Kapazitäten hinausgingen und für die es Spezialisten braucht: Optiker, Zahnärzte und Psycholog*innen bzw. Psychiater*innen.

Dank guter lokaler Kontakte wurden diese bald gefunden, sodass wir die Patient*innen überweisen konnten. Ein bosnischer Zahnarzt bot uns Sonderkonditionen für die Behandlungen an. Ein Optiker war notwendig, da vielen der Geflüchteten auf der Balkanroute regelmäßig ihr Eigentum durch Polizei und Grenzschutz zerstört oder entwendet wurde – neben Handys, Schlafsäcken, warmer Kleidung und Schuhen eben auch Brillen, für die wir Ersatz beschafft haben. Die unter unseren dortigen Patient*innen weit verbreiteten psychologischen Problemen aufgrund der Gewalt- und Fluchterfahrungen konnten durch die enge Zusammenarbeit mit Spezialist*inneneiner anderen Organisation behandelt werden.

Die Flexibilität und Mobilität unseres Teams hat sich ausgezahlt. Das ständig wechselnde politische und Sicherheitslage und die unterschiedlichen Aufenthaltsorte der Geflüchteten haben einige Male dazu geführt, dass wir unseren Behandlungsort geändert haben. Die für uns wohl größte Änderung kam im Januar, als wir angefangen haben in einem Community Center zu arbeiten und für unsere Patient*innen ein beheizter Warteraum verfügbar war.Neben den Menschen auf der Straße und in den Squats konnten wir uns auch noch um Familien mit Kindern kümmern, welche in einem gesonderten Haus untergebracht sind.

Bis Ende des Projektes Mitte März 2019 haben unsere Teams 2625 Behandlungen durchgeführt und damit dank unseren Spender*innen einen wesentlichen Beitrag zur gesundheitlichen Versorgung der Geflüchteten in Sarajevo leisten können.

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