Moria: Das Leuchtfeuer, das niemand mehr sieht

Veröffentlicht am 11. September 2026

von Jonas Grünwald

Vor sechs Jahren brannte das berühmt-berüchtigte Geflüchteten-Lager Moria auf Lesbos aus.Die Versprechungen auf Besserung der Situtation von Geflüchteten in der EU haben sich seither ins Gegenteil verkehrt.

Massive Überbelegung, Unterversorgung, mangelhafte medizinische Betreuung, unhaltbare hygienische Zustände und Vernachlässigung durch die zuständigen Behörden unter den Augen der EU prägten Moria über viele Jahre.
Immer wieder kam es zu Gewalt gegenüber den Bewohner*innen, wenn sie gegen die unhaltbaren Zustände protestierten. Ein CADUS Team war 2016 schon vor Ort und berichtete von der staatlich betreuten Verwahrlosung des Lagers. 2018 lehnten wir angesichts der unhaltbaren Situation für Geflüchtete auf Lesbos einen Einsatz ab.

Neues Camp, gleiche Probleme

In der Nacht vom 8. auf den 9. September 2021 brannte Moria komplett ab. Die Bewohner*innen wurden in das neu errichtete Camp Kara Tepe 2 umgesiedelt. Trotz offensichtlicher Überforderung und Missstände im Camp weigerten sich die griechischen Behörden damals zunächst, internationale Unterstützung anzunehmen. Auch ein von uns nach langem Abwägen übermitteltes Hilfsangebot blieb lange unbeantwortet. Schlussendlich konnten wir Ende 2021 zusammen mit dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) im Rahmen eines zweiwöchigen EMT-Einsatzes die medizinische Versorgung in Kara Tepe 2 übernehmen.

Das neue Camp „Kara Tepe 2“ sollte die Probleme beseitigen, die es in „Moria“ gab, stieß aber auch schnell an seine Grenzen. Foto: CADUS

Ein neues Moria verhindern?

Die Situation um Moria und Kara Tepe 2 sorgte damals für Aufsehen und aus der Politik wurde versprochen, zukünftig für menschenwürdige Bedingungen zu sorgen und ein Moria 2 zu verhindern. Aber auch sechs Jahre später scheint die europäische Politik, z.B. mit Blick auf die Situation im spanischen Ceuta, nicht an einem humaneren Umgang mit Menschen auf der Flucht interessiert zu sein. Das Versprechen, ein Moria 2 zu verhindern, soll trotzdem erfüllt werden. Statt Geflüchtete auf dem europäischen Festland in Camps unterzubringen versucht man seit Jahren, die Menschen schon vor Europa abzufangen. Bekanntes Beispiel ist die Unterstützung der libyschen Küstenwache, die regelmäßig für ihre Verstöße gegen die Menschenrechte in der Kritik steht. Oder durch Verträge mit Partnerstaaten, die die Menschen vorher abfangen und in Lagern vor Ort festhalten, weit weg von der Öffentlichkeit und der Kontrolle europäischer Bürger*innen und Behörden.

Nichts gelernt

Das brennende Moria war vor sechs Jahren im wahrsten Sinne des Wortes ein Leuchtfeuer gescheiterter menschenfeindlicher Migrationspolitik. Heute heißt die Devise europäischer Politik mit Hinblick auf damals und die fliehenden Menschen wieder: “Aus den Augen, aus dem Sinn”.

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