Sudan: Notaufnahme wieder in Betrieb
Veröffentlicht am 24. April 2026
von Jonas Gruenwald

Mit ersten Maßnahmen, um die Notaufnahme im Al Tamayouz Krankenhaus in Khartum wieder in Betrieb zu nehmen, wird die Notfallversorgung in der Millionenstadt erheblich verbessert.
Stell dir vor, du erlebst die größte humanitäre Krise weltweit mit über 15 Millionen Vertriebenen, zehntausenden Toten und einer Hungersnot, aber kaum jemand nimmt davon Notiz. Das ist es, was die Menschen im Sudan seit über drei Jahren erleben müssen.
In der modernen Aufmerksamkeitsökonomie scheint sich der Sudan gegen die anderen Krisenherde der Welt nicht durchsetzen zu können. Zu sehr haben wir uns ans Sterben in afrikanischen Ländern gewöhnt, zu wenig wirtschaftlich interessant scheint der Sudan zu sein, um über Massaker wie in Al-Faschir hinaus beachtet zu werden.
Bedarf ermitteln
Bereits seit Dezember 2025 ist CADUS mit einem Team vor Ort. Mit Trainings im Bereich “Water, Sanitation and Hygiene” (WASH) haben wir im von regelmäßigen Cholera-Ausbrüchen geplagten Land unseren Einsatz begonnen.
Parallel hat unser medizinisches Team in einem sogenannten Assessment den Zustand verschiedener Krankenhäuser in und um Khartum erkundet, um den Bedarf an medizinischer Unterstützung zu ermitteln.

Unser Team notiert die Ergebnisse der Assessments während ihrer Besuche in den verschiedenen Krankenhäusern in Khartum. Dabei sind sie unbedingt auf die Informationen der Mitarbeiter*innen angewiesen. Foto: CADUS
Das Ergebnis: der Wiederaufbau der Notaufnahme des Al Tamayouz Krankenhauses würde einen 24/7 Betrieb ermöglichen und damit eine kritische Lücke in der Gesundheitsversorgung in der Region schließen. Gleichzeitig würde es damit zum einzigen voll funktionstüchtigen Krankenhaus der Stadt Khartum werden. Der Krieg und fehlende Ressourcen haben hier, wie im gesamten Sudan, ihre Spuren hinterlassen: es mangelt an Personal, funktionstüchtigem Equipment und medizinischem Verbrauchsmaterial.
Das Al Tamayouz Krankenhaus ist in Betrieb und das Personal versucht, trotz der Umstände, die besten Bedingungen für die bestmögliche Behandlung ihrer Patient*innen zu schaffen. Foto: CADUS
Erste Maßnahmen
Mit der Hilfe vieler Spender*innen konnten wir innerhalb weniger Tage 12.000€ sammeln, um erste Maßnahmen zum Wiederaufbau umzusetzen.
Nach den Bauarbeiten an Wänden und Boden wird die Notaufnahme gründlich gereinigt. Foto: CADUS
Teile von Fußböden, Wänden, Beleuchtung und Klimaanlagen wurden erneuert, Treibstoff für den Generator gekauft und Sauerstoffflaschen befüllt. Auch die Kosten für neue Matratzen für Patient*innen-Betten und ein Teil des dringend benötigten medizinischen Materials konnten so gedeckt werden, ebenso ein Anteil der Personalkosten für 103 Personen – von Reinigungskräften, über Verwaltungs- bis zu medizinischem Personal.
Mehrere Trainings und Workshops werden helfen Behandlungsabläufe in der Notaufnahme zu definieren und zu optimieren und damit sicheres und effizientes Arbeiten zu ermöglichen. Foto: CADUS
Notaufnahme in Betrieb
Unser Team in Khartum gibt u.a. Trainings im Infektionsschutz und erarbeitet mit den lokalen Kolleg*innen Arbeitsabläufe, um den Betrieb der Notaufnahme auch zukünftig gewährleisten zu können. So wird z.B. die Triage, also die Priorisierung der Patient*innen für eine Behandlung nach jeweiligem Gesundheitszustand, geübt. Gemeinsam haben wir in den letzten Tagen bereits mehrere hundert Patient*innen behandelt.


Die Notaufnahme wird mit medizinischem Verbrauchsmaterial aufgefüllt, damit für die Behandlung der Patient*innen alles griffbereit steht. Foto: CADUS
Auch wenn unsere ersten Maßnahmen Wirkung zeigen, bleibt der Unterstützungsbedarf weiterhin hoch. Wir werden unser Engagement und die Zusammenarbeit mit unseren sudanesischen Kolleg*innen in den kommenden Wochen fortsetzen, damit die Notaufnahme bald wieder aus eigener Kraft arbeiten kann.
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