
Ukraine: Vier Jahre zwischen Krieg und Nothilfe
Im Februar 2022 startete Russland seine Vollinvasion der Ukraine. Seit mittlerweile vier Jahren dauern die Kämpfe an und mit ihnen auch unsere humanitäre Hilfe vor Ort.
Dieser Februar ist der kälteste Kriegsmonat seit Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine vor vier Jahren. Regelmäßige Angriffe auf die Energieversorgung lassen die Menschen vor Ort in ihren Wohnungen frieren und lähmen das tägliche Leben. Alte, Kranke, Verletzte und Kinder sind besonders von Stromausfällen und Energieengpässen betroffen. Eine Kriegsstrategie, die gegen internationales Recht verstößt – wie so oft in den letzten vier Jahren.
Auch unsere Teams müssen sich den harten Bedingungen anpassen. Der Winter erschwert unsere MedEvacs, also den Transport von Schwerkranken und -verletzten, durch verschneite Straßen und schlechte Sicht ohnehin. Die russischen Angriffe erhöhen den Druck zusätzlich. Zweimal waren unsere Teams auch ganz direkt von ihnen betroffen, mit Schäden an Gebäuden und Rettungswagen. Ein Risiko, das uns von Anfang an bewusst war.
Umfangreiche Unterstützung
Vier Jahre sind vergangen, seit unser erstes Team in Richtung Ukraine aufgebrochen ist, um medizinische Nothilfe zu leisten. Damals war noch nicht absehbar, wie lange dieser Krieg dauern würde.
Seitdem haben wir zahlreiche Materialtransporte organisiert, dutzende Rettungsfahrzeuge geliefert, diese teilweise selbst ausgebaut, den Wiederaufbau mit technischen Teams unterstützt und viele Trainings im Bereich Medizin und Handwerk durchgeführt. Die Zusammenarbeit mit zahlreichen Organisationen hat unsere Arbeit all die Jahre geprägt und insbesondere die mit ukrainischen Initiativen auch tief bewegt.
Vier Jahre CADUS Nothilfe in der Ukraine
Mit unseren mittlerweile drei MedEvac-Teams in Sumy, Dnipro und Pavlohrad füllen wir vor allem eine Lücke in der Rettungskette vor Ort: wir sind spezialisiert auf die Verlegung von Patient*innen, die intensivmedizinisch behandelt werden müssen. Die Kombination aus komplexer medizinischer Betreuung, langen Fahrstrecken auf herausfordernden Straßen, und die Arbeit in einem aktiven Kriegsgebiet machen die MedEvacs so anspruchsvoll. Dennoch konnten wir in vier Jahren über 2000 Patient*innen auf mehr als 1700 MedEvacs transportieren und haben dabei etwa 300.000 Kilometer zurückgelegt.
Hilfe anpassen
Der Krieg in der Ukraine steht durch die flächendeckende Nutzung von Drohnen derzeit wie kein anderer für eine neue Art der Kriegsführung. Das Ergebnis bleibt dabei dasselbe: Leid, Tod und Zerstörung.
Aber auch wir passen uns an, um den immer gleichen Folgen des Krieges zu begegnen. So entwickeln wir zum Beispiel in Zusammenarbeit mit dem Karolinska Institut und der Harvard Medical School einen neuartigen Kurs zur medizinischen Notfallversorgung von Kleinkindern. Mit den anschließenden Trainings für ukrainisches Fachpersonal schaffen wir einen Mehrwert auch über das Ende des Krieges hinaus.
“Es ist erschütternd, dass dieser Krieg bereits vier Jahre andauert. Das sind vier Jahre, in denen die Ukrainer*innen jetzt schon unter extremen Bedingungen um’s Überleben kämpfen müssen. Wir werden auch im fünften Jahr helfen, wo es nötig ist!”
Ronja Heinemann, CADUS Country-Managerin Ukraine
Das fünfte Kriegsjahr
Das scheint allerdings noch in weiter Ferne zu liegen. Die Ukrainer*innen haben nicht nur mit den russischen Angriffen und dem strengen Winter zu kämpfen, sondern auch mit schwindendem internationalem Rückhalt und einer Ermüdung der globalen Öffentlichkeit. Wir hingegen werden auch weiterhin humanitäre Hilfe in die Ukraine bringen.
Einerseits blicken wir mit einem gewissem Stolz auf unser unermüdliches Engagement der letzten vier Jahre, auf die Unterstützung unserer Spender- und Supporter*innen und das Engagement unserer Partner*innen vor Ort. Andererseits sind wir betrübt darüber, dass seit Jahren überhaupt humanitäre Nothilfe nötig ist.
Dennoch hoffen wir nach wie vor auf einen baldigen, gerechten Frieden und auf ein selbstbestimmtes Leben in Sicherheit und Freiheit für die Menschen in der Ukraine. Und damit auch auf ein baldiges Ende unseres Einsatzes!
by Jonas Gruenwald
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