1 Jahr Kampf um Mossul - 1 Jahr TSP

Im Sommer 2017 stand die Rückeroberung Mossuls vom IS im Fokus der internationalen Medien. Die humanitäre Katastrophe war in vollem Gange, als wir mit unseren Teams eintrafen. Ein Rückblick mit Einsichten aus unserem Blog.

Der Kampf um Mossul - die irakische Armee, unterstützt von den Koalitionskräften rund um die USA, machte sich an die Rückeroberung der inoffiziellen Hauptstadt des sogenannten Islamischen Staates (IS) im Irak. Damit verbunden waren massive Bombardierungen der Altstadt aus der Luft, Häuserkämpfe und der IS, der fliehende Menschen beschoss, sie als lebende Schutzschilde benutzte, die Stadt mit Sprengfallen übersäte und sogar Rettungskräfte unter Feuer nahm.
Für die noch rund 100.000 Menschen in Mossul war die Situation lebensgefährlich. Medizinische Versorgung war nicht vorhanden und die andauernde Belagerung der Stadt hatte die Bevölkerung aushungern lassen.


Die Einwohner Mossuls fliehen aus der unter Beschuss stehenden Altstadt in den Osten der
Stadt. Foto: CADUS


Der Weg für unser Mobile Hospital nach Syrien war aufgrund der Grenzschließungen versperrt, aber wir hatten das nötige Personal und Material um den Menschen in Mossul zu helfen. Also haben wir uns damals entschlossen, im Irak einen Trauma Stabilisation Point (TSP) zu errichten. TSPs befinden sich kurz hinter den Kampflinien und sind die erste Anlaufstelle für Verletzte. Dort werden sie versorgt und stabilisiert um dann in sichere Krankenhäuser transportiert zu werden. Das erhöht die Überlebenschancen der Patient*innen enorm.

Wir haben in den drei Wochen im Juni/Juli 2017 in Mossul hunderte Menschen behandelt. Darunter Alte, Kinder, Soldaten und Kämpfer des IS; mit Fällen von Unterernährung, alten Verletzungen und Knochenbrüchen bis zu Schuss- und Explosionswunden war alles dabei. Einigen konnten aber auch wir leider nicht mehr helfen. Für unsere Teams war es eine sehr harte, belastende Zeit – physisch und emotional. Außerdem war der Einsatz in dem Kriegsgebiet alles andere als ungefährlich. Ein kalkuliertes Risiko zwar, aber ein nicht zu unterschätzendes, wenn der IS sogar in vom Militär als „sicher" eingestuften Gebieten mit Schläferzellen zuschlagen kann. Letztlich überwog jedoch die Freude unserer Crewmitglieder darüber, vielen hunderten Menschen geholfen zu haben.

Ein kleiner Junge wird mit einer Beinverletzung von Ryan und Elisa behandelt. Foto: Kenny Karpov


Nach unserer Nothilfe in Mossul ging es für uns noch bis Oktober weiter durch die ländlicheren Gebiete des Iraks - Anbar, Tal-Afar und Hawidscha. Auch dort waren die Menschen nach Jahren der Unterversorgung unter dem IS dringend auf unsere Hilfe angewiesen. Die zunehmenden Spannungen zwischen dem irakischen Zentralstaat und den Kurd*innen im Norden des Landes haben uns die Arbeit dabei nicht leichter gemacht
Trotz aller Gefahren und Widerstände halten wir unseren Einsatz im Irak nach wie vor für richtig und wichtig. Hunderten Menschen konnten wir zumindest für den Moment helfen und vielen mit Sicherheit das Leben retten.

Für unsere noch junge Organisation war dieser Einsatz, der uns gefordert und uns hat wachsen lassen, eine Zäsur. Zwei Dinge sind für uns definitiv geblieben: 1. wir werden weiter Menschen in Not helfen und 2. Krieg ist und bleibt scheiße!


Unser erstes Team in Mossul. Sichtlich erschöpft, aber glücklich. Foto: CADUS

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