2020 - Das Jahr der Herausforderungen

Wie ein drohendes Gewitter zog die Corona-Pandemie am Anfang des Jahres 2020 am Horizont auf. Schnell waren weltweit alle Lebensbereiche davon betroffen und auch wir mussten unsere humanitäre Arbeit der neuen Situation anpassen. Ein Bericht, wie es unseren Projekten im vergangenen Jahr erging und wie wir 2021 nutzen wollen.

Wie können wir trotz Corona die Fortführung unserer Projekte sicherstellen und wie können wir in der Pandemie helfen?

Diese beiden Fragen haben uns dieses Jahr bei CADUS am meisten beschäftigt. Trainings, Veranstaltungen und Versammlungen mussten abgesagt werden oder online stattfinden. Als international tätige Organisation sind wir das gemeinsame Arbeiten über weite Entfernungen gewohnt, trotzdem war und ist es auch für uns eine Herausforderung, unseren Betrieb weitgehend auf home office umzustellen. Besonders unser Makerspace, der auf die Mitarbeit vieler Supporter*innen angewiesen ist, hat unter den Kontaktbeschränkungen gelitten. Immerhin konnten wir unsere Veranstaltungsreihe „Debate!“ online weiterführen. Sechs unserer Diskussionsrunden kannst du dank der Unterstützung des Chaos Computer Clubs hier nachschauen!

Ein Debate im xhain, Hack- und Makerspace. Foto: CADUS

Die zeitweise Einstellung des internationalen Flugverkehrs und der Verlust von einigen Finanzierungen erschwerten unsere humanitäre Arbeit. Trotzdem konnten wir uns immer auf unser Netzwerk und die Unterstützung unserer Supporter*innen verlassen. Nicht zuletzt dank ihnen können wir also auch für 2020 einige Erfolge vorweisen.

 

COVID-19 Response

Mit dem Anstieg der Infektionszahlen gab es plötzlich auch eine Gesundheitskrise in Deutschland. Für uns alle eine ungewohnte Situation. Um unseren Teil zur Bewältigung beizutragen, wurde unser Makerspace kurzfristig zu dem Logistikzentrum einer Gesichtsvisier-Initiative offener Werkstätten umfunktioniert. Von hier aus wurden 25.000 Visiere an Gesundheitseinrichtungen aller Art und Risikopatient*innen verteilt. Finanzieren konnten wir diese Aktion vor allem mit den Spenden, die durch den Charity Stream #FriendlyDistancing gesammelt wurden.

Gesichtsvisiere bereit zur Abholung und Verteilung. Foto: CADUS

Wenn aber das Gesundheitssystem im reichen Deutschland schon zusammen zu brechen drohte, wie gefährlich würde die Situation dann erst für Staaten mit lückenhafter medizinischer Versorgung und geringeren Ressourcen aussehen, wie zum Beispiel in Nordostsyrien?

Rückschläge für humanitäre Hilfe in NES

Zuerst aber zu zwei Ereignissen vom Beginn des Jahres, die unter dem Eindruck der Pandemie schnell in den Hintergrund rückten, die aber die Versorgung der auf humanitäre Hilfe angewiesenen Menschen in Syrien zusätzlich erschwerte:

Da waren einerseits die massiven Bombardierungen der Menschen in und um Idlib durch syrische Truppen und ihrer Verbündeten, die damit verbundenen Menschenrechtsverletzungen, sowie die humanitäre Notlage in der sich die fliehenden Menschen vor der türkischen Grenze befanden.

Andererseits verabschiedete der UN-Sicherheitsrat bereits am 10. Januar die Resolution 2504. In deren Zuge wurden Grenzübergänge für humanitäre Güter geschlossen und die Förderung zahlreicher Hilfsprojekte durch UN-Institutionen eingestellt.
Eines der betroffenen Projekte war unsere Gesundheitsstation in Rakka, die wir im Juni nach zwei Jahren und ca. 60.000 behandelten Patient*innen schweren Herzens schließen mussten. Die monatlichen Kosten von 70.0000€ konnten wir nicht alleine aus Spenden finanzieren.

Corona in Nordostsyrien

Die befürchtete Corona-Katastrophe ist in Nordostsyrien bisher ausgeblieben. Die Befürchtung, das Virus könnte besonders in den zahlreichen Geflüchtetencamps für hohe Opferzahlen sorgen, ist durch die Anstrengungen der lokalen Bevölkerung und Gesundheitsstrukturen und mit Unterstützung von Hilfsorganisationen nicht Realität geworden

Für unser Feldkrankenhaus im Camp al-Hol konnten wir glücklicherweise Mitte des Jahres eine Anschlussfinanzierung finden, sodass wir auch 2021 Patient*innen vor Ort behandeln können. Außerdem haben wir Kapazitäten zur Behandlung von COVID-19 ausgebaut und das Personal entsprechend geschult.

Das Feldkrankenhaus in Al Hol wird desinfiziert. Foto: CADUS

 

Zusätzlich sind wir präventiv tätig geworden: zusammen mit lokalen Partner:innen produzierten wir ca. 8000 Masken. Die Alltagsmasken, die dort ein Luxusgut sind und die sich sonst kaum jemand leisten kann, wurde kostenlos an die Bevölkerung verteilt. Aber 8000 reichen uns noch nicht. Mit dem Kauf einer CADUS-Solimaske kannst du drei Menschen in Nordostsyrien mit einer Maske versorgen. Einfach hier bestellen

Die Masken werden in Nordostsyrien produziert und an die Bevölkerung verteilt.Foto: CADUS

 

#leavenoonebehind

Auch für ein Geflüchtetencamp innerhalb Europas stand ein Corona-Ausbruch mit verheerenden Konsequenzen zu befürchten. Das berüchtigte Lager Moria auf Lesbos in Griechenland, hoffnungslos überfüllt und mit unzureichender sanitärer Versorgung, wäre ein idealer Verbreitungsherd gewesen.
Allerdings eskalierte die Lage vorher und Moria brannte im Herbst vollständig ab. In dieser humanitären Notlage boten wir der griechischen Regierung mehrmals unsere Hilfe an, wurden aber jedes Mal abgelehnt oder ignoriert. Erst im Oktober erhielten wir die Zusage für einen zweimonatigen Einsatz im neuen Camp Kara Tepe 2. Zusammen mit dem Arbeiter-Samariter Bund übernahmen wir im Camp die Klinik und damit einen großen Teil der medizinischen Versorgung der Geflüchteten. Ein notwendiger Einsatz, der uns aber auch wiedereinmal gezeigt hat, dass eine menschenwürdige Unterbringung und dauerhafte Perspektive für die Menschen im Lager unabdingbar sind. Deshalb heißt es auch 2021: leave no one behind!

Unser Arbeitsplatz im Geflüchtetenlager Kara Tepe 2. Foto: CADUS

 

2021 – der Blick nach vorne

Das gilt insbesondere auch für Geflüchtete aus Syrien. Vermehrt werden Stimmen in der Politik laut, die Abschiebungen in das vermeintlich sichere Herkunftsland Syrien und eine Normalisierung der Beziehungen mit Assad fordern. Für die Syrer*innen, die im arabischen Frühling gegen das Regime aufbegehrt haben und in den letzten Jahren des Krieges so viel gelitten haben, ist eine Normalisierung sicherlich nur schwer vorstellbar.
Wir werden weiterhin in Nordostsyrien engagiert bleiben und zusammen mit unseren Partnern vor Ort an der Verbesserung der medizinischen Versorgung arbeiten. Allen Pandemien und Resolutionen zum Trotz.

Intern setzen wir unseren Umstrukturierungs- und Professionalisierungskurs fort, um zukünftig noch effizienter und hoffentlich personalschonender auf Krisen reagieren zu können. Dazu gehört unter anderem der Ausbau unseres Emergency Medical Teams (EMT) und die Entwicklungsarbeit im Makerspace. Mit der feststehenden Finanzierung eines neuen mobilen Krankenhauses steht auch schon das nächste große Projekt für unser Team in Berlin an.

Die Corona-Pandemie hat die bestehenden globalen Ungleichheiten, insbesondere in der Gesundheitsversorgung, verdeutlicht und verstärkt. Auch bei der Verteilung der Impfstoffe zeichnet sich ein Alleingang der reichen Staaten des globalen Nordens ab. Ohne umfassende internationale Solidarität wird diese und werden kommende Pandemien aber nicht zu besiegen sein.
Genau zu dieser Solidarität werden wir auch 2021 unser möglichstes Beitragen und hoffen auch weiterhin auf deine Unterstützung bei der Verwirklichung unseres Zieles: let's redefine global solidarity!

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