Gewalt gegen Frauen* hat viele Gesichter

...und plötzlich fühlt es sich wieder an wie das finstere Mittelalter. In Russland wurde ein Gesetzentwurf durchgewinkt, der häusliche Gewalt entkriminalisiert. Das heißt, dass es sich nicht mehr um eine Straftat handelt, sondern nur noch um eine Ordnungswidrigkeit. Für die geschätzt 600.000 Frauen, die jährlich Gewalt erleben, ein Schlag ins Gesicht. Ihre Unsichtbarkeit wird sich verschlimmern, es gibt außerhalb Russlands weder Solidarisierungs-Kampagnen auf Facebook noch einen großen Aufschrei.

Und Russland ist natürlich kein Einzelfall. In Madrid haben Frauen sich in einen Hungerstreik begeben, um Aufmerksam zu erzeugen. Aufmerksamkeit dafür, dass durch häusliche Gewalt allein im letzten Jahr 44 Frauen in Spanien getötet wurden.

Und auch in Deutschland ist häusliche Gewalt etwas, das nach wie vor aus der Mitte der Gesellschaft kommt. 2015 wurden rund 100.000 Fälle häuslicher Gewalt angezeigt, so offizielle Zahlen des BKA, wobei die Dunkelziffer hier weit höher liegen wird.

Gewalt gegenüber Frauen* hat viele Gesichter. Es ist keine Privatangelegenheit, sondern ein gesellschaftliches Problem, dass auch so behandelt werden muss- und dazu muss es thematisiert werden. Und zwar laut und überall.

Die eigenen vier Wände müssen Schutzraum sein und bleiben. Doch was ist mit den vielen Frauen*, die auf der Flucht sind oder in Camps leben?
Laut Angaben von UNHCR sind seit 2011 rund 3 Millionen Menschen aus Syrien in die umliegenden Länder geflüchtet, 50,5 % davon sind Frauen*. Die meisten leben in Camps im Libanon, in Jordanien oder der Türkei.

Die Situation in den drei Ländern variiert, die Probleme für Frauen* sind ähnlich: keinen Zugang zu grundlegender Hygiene, was Zugang zu sauberem Wasser und menstruellen Hygiene-Produkten einschließt. Eine unzureichende medizinische Versorgung, die mit steigenden Zahlen von sexuell übertragbaren Krankheiten und oftmals keinem Zugang zu Empfängnisverhütung einhergeht. Oftmals ist auch die Vor- und Nachsorge schwangerer Frauen nicht gewährleistet. Dazu kommt eine steigende Zahl von sexueller Gewalt als auch die Zunahme von Kinderehen; Bei jeder dritten Hochzeit syrischer Geflüchteter in Jordanien ist die Frau minderjährig.

Und auch, wenn die UN den Syrien-Konflikt als größte humanitäre Krise des 21. Jahrhunderts benennt, ist die Situation von Frauen* nicht in einem besonderen Fokus, auch, wenn bekannt ist, dass Frauen auf der Flucht einem besonders hohem Risiko ausgesetzt sind. Und deshalb überrascht es leider nicht, dass 53% der befragten Frauen in einem Camp in Lybien angaben, dass sie sich nicht sicher fühlen und bereits an Suizid gedacht haben.

Zugang zu medizinischer Versorgung ist ein Menschenrecht und ein wichtiger Schritt, um die Welt zu einem sicheren Ort zu machen für Menschen aller gender. Wir sind froh, mit unserem „Mobile Hospital“ dazu beitragen zu können, die Situation von Menschen in Krisengebieten verbessern zu können. Es ist noch viel zu tun, packen wir`s an!

Zum Weiterlesen über die Situation von Frauen in Camps: http://www.humanityinaction.org

Veröffentlicht:
Verfasser*in: Jonas Grünwald

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