Von der Box zum Behandlungsplatz - Entwicklungen im Makerspace

Die Anforderungen an Equipment für den Einsatz in Kriegs- und Krisengebieten sind oft ganz andere als für normale medizinische Ausbauten. In unserem Makerspace werden deswegen momentan verschiedene Projekte entwickelt, die für einen Einsatz benötigt werden. Darunter sind beispielsweise ein mobiles Waschbecken und modulare Behandlungsplätze für Patient:innen.

Wenn wir gerade nicht bei einem Einsatz im Ausland sind, dann bauen

wir mit ehrenamtlichen Unterstützer:innen im Crisis Response Makerspace (CRM) an unseren Projekten. Während Einsätzen stoßen wir oft auf unvorhergesehene Probleme, für die wir in der Werkstatt dann eine Lösung finden. Im Frühling wurde der Makerspace kurzzeitig zu einem Logistikzentrum für Facecshields, als wir uns an einer Initiative von offenen Werkstätten beteiligten. Mittlerweile haben alle Faceshields den Makerspace aber wieder verlassen und es ist jede Menge Platz zum Werkeln.

 

Anforderungen in der humanitären Arbeit

Bei der humanitären Arbeit in Krisen- und Kriegsgebieten gibt es einige Besonderheiten, die für die Konstruktion und Entwicklung von Equipment zu beachten sind. Oft ist nach Naturkatastrophen, wie zum Beispiel einem Erdbeben, die vorhandene Infrastruktur zerstört und nicht mehr nutzbar. Deswegen müssen alle Lösungen, die im CRM entwickelt werden, eigenständig funktionieren können. So müssen sie entweder ohne Strom auskommen oder brauchen ihre eigene Stromversorgung, das gleiche gilt für Wasser oder Gas. Sich nicht auf lokale Infrastrukturen zu verlassen ist anspruchsvoll, aber eines der wichtigsten Prinzipien für die Entwicklung.

 

Mobiles Waschbecken

Diese autarke Konstruktion lässt sich besonders gut an dem mobilen Waschbecken sehen, eines unserer aktuellen Projekte. Zugang zu sauberem Wasser ist bei unseren Einsätzen nicht immer gegeben, Händewaschen ist jedoch für medizinisches Arbeiten nicht nur in Pandemiezeiten unerlässlich. Deswegen haben wir ein Waschbecken entwickelt, dass an alle Eventualitäten in Einsätzen angepasst ist.

Ist ein funktionierendes Wassernetz vorhanden, so kann das Waschbecken dort einfach angeschlossen werden. Andernfalls ist es mit einem 40 Liter-Tank und einer elektrischen Pumpe ausgestattet, die fließendes Wasser erzeugen. Ist auch der Strom ausgefallen, macht man sich etwas zunutze, dass es immer gibt: Schwerkraft. Durch die Höhe des Tanks entsteht genügend Wasserdruckt für einfaches Händewaschen.

Das mobile Waschbecken besteht aus drei Teilen: einem Tank (oben), dem eigentlichen Waschbecken (Mitte) und den Kanistern für das Abwasser (unten). Foto: (c) Till Rimmele

 

Verschlägt es uns in kalte Einsatzgebiete, kann auch ein Durchlauferhitzer oder ein Boiler angeschlossen werden. Das ganze Waschbecken lässt sich kompakt für den Transport zusammenpacken und ist dann nicht viel größer als ein Reisekoffer.

 

Das zusammengepackte Waschbecken. Foto: (c) Till Rimmele

Diese Mobilität ist eine zweite wichtige Anforderung in der humanitären Hilfe. In Gebieten, in denen langfristige Planung oft nicht möglich ist, braucht es Equipment, das sich schnell und einfach bewegen kann. Bei einer plötzlichen Überschwemmung bleibt beispielsweise selten die Zeit, Ausrüstung wochenlang per Schiff an einen bestimmten Ort zu schaffen. Vor allem ein mobiles Krankenhaus kann oft mehr Menschen helfen, wenn es in der Lage ist, seine Position schnell zu ändern und an Brennpunkte zu gehen.

 

Patient Treatment Places

Ein integraler Bestandteil eines solchen mobilen Krankenhauses sind die Behandlungsplätze: Wie fast alles in einem mobilen Krankenhaus müssen diese Behandlungsplätze in ein Transportbox-System integriert sein. Da Ressourcen und Platz vor Ort begrenzt sind, müssen sie schnell und selbsterklärend auf- und abbaubar sein, ebenso muss die intuitive Bedienbarkeit gegeben sein.

Der Zusammenbau des Patient Treatment Places ist mit wenigen Handgriffen erledigt. Foto: (c) Till Rimmele

 

Auch das Material muss bestimmte Anforderungen gerecht werden: es muss sich nicht nur einfach und hygienisch reinigen lassen sondern es sollte auch in Krisengebieten verfügbar sein und einiges aushalten können. Die Behandlungsplätze (Auch "Patient Treatment Places" genannt) die wir im Makerspace entwickelt haben, sind aus einem stabilen Sperrholzmaterial mit Melaminharzbeschichtung. Dieses Material erfüllt alle nötigen Anforderungen und ist nicht nur witterungsbeständig, wasserfest und leicht zu reinigen, sondern auch kratzfest und schwer entflammbar. Das Holz wurde zu einer ausziehbaren Box und einer faltbaren Liege verarbeitet. Zusätzlich gibt es ein speziell von uns entwickeltes Einrast-System, um Box und Liege sicher miteinander zu verbinden.

 

Ein Prototyp des Patient Treatment Places. Foto: (c) Till Rimmele

 

Du bist in Berlin,  bastelst selbst gern und hast Lust, mal wieder in der Werkstatt zu stehen? Wir suchen momentan noch Unterstützung zum Bau neuer Projekte, so planen wir zum Beispiel eine mobile und Modulare Notfallambulanz für Kriegs- und Krisengebieten. Wir freuen uns wenn du uns schreibst! Vor allem suchen wir nach Leuten mit diesen Fähigkeiten:

  • CNC und CAD: Technische Zeichnungen und Fräsdateien erstellen
  • Holz- und Metallbearbeitung
  • Produkt Design/ Industrial Design, User Experience
  • Dokumentation von Open Source Projekten

Wenn du dich in dieser Liste wiedergefunden hast, oder uns anders unterstützen möchtest schreib uns gerne eine eMail an makerspace@cadus.org

 

Veröffentlicht:
Verfasser*in: von

zurück zur vorherigen Seite

Archiv