Meet our Team: Nastia, Infield Operations Coordinatior in der Ukraine

Veröffentlicht am 8. September 2026

von Parastu Sherafatian

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In diesem Interview haben wir uns mit Anastasia Vorobyova, Infield Operations Coordinatior in der Ukraine, unterhalten, um mehr über ihren Werdegang, ihren Alltag vor Ort und darüber zu erfahren, was sie antreibt, ihre unverzichtbare Arbeit fortzusetzen. Sie berichtet von ihrem Weg, von der Leitung einer Sprachschule bis hin zu ihrem Engagement in der humanitären Hilfe, von den Lebensrealitäten in einem Konfliktgebiet und von der unglaublichen Widerstandsfähigkeit der Menschen in ihrem Umfeld.

Wie stellst du dich und deine Rolle jemandem vor, der mit deiner Arbeit nicht vertraut ist?

Als Infield Operations Coordinatior sehe ich meine Aufgabe darin, die Teams vor Ort zu unterstützen, die die praktische Arbeit mit unseren Patient*innen leisten. Ich muss sicherstellen, dass sie sich voll und ganz auf ihre Arbeit konzentrieren können und nicht durch logistische Herausforderungen um uns herum abgelenkt werden. Diese Aufgaben sollten von unserer Einsatzleitung übernommen werden, damit sich das medizinische Team gut betreut und abgesichert fühlt und sich einfach entspannen, uns vertrauen und seine Arbeit verrichten kann.

Da wir hier sechs oder sieben Wochen am Stück verbringen, ist dieser Stützpunkt eher ein Zuhause als unsere eigentlichen Wohnungen. Es ist wichtig, dafür zu sorgen, dass es ein Ort ist, an dem ich selbst gerne leben würde. Wir bemühen uns, ein Umfeld zu schaffen, in dem alles offen und transparent angesprochen wird und in dem wir einander respektieren, vertrauen und unterstützen. Es ist nicht nur der Ort, an dem wir arbeiten, schlafen und essen. Es ist der Ort, an dem wir den größten Teil unserer Zeit verbringen.

Wie sah dein Leben aus, bevor du dich entschlossen hast, in der humanitären Nothilfe tätig zu werden?

Bevor ich mich der humanitären Arbeit zugewendet habe, mit der ich im Jahr 2022 während der russischen Vollinvasion der Ukraine begann, war ich Sprachlehrerin. Ich leitete eine kleine Sprachschule in Vinnytsia, einer Stadt im mittleren Westen der Ukraine. Ich leitete ein Team von Lehrkräften, die Sprachkurse für Erwachsene in Englisch, Spanisch, Französisch und Deutsch sowie Konversationskreise und verschiedene Veranstaltungen anboten.

Bevor sie in die humanitäre Hilfe wechselte, war Anastasia als Sprachlehrerin tätig. Foto: Anastasia Vorobyova

Kannst du dich an den Moment erinnern, in dem du dachtest: „Ich muss vor Ort sein und diese Arbeit leisten“?

Das war keineswegs meine bewusste Entscheidung. Ganz plötzlich, am Tag vor Beginn der groß angelegten Invasion, hatte ich meine letzte Unterrichtsstunde an meiner Sprachschule. Damals wusste ich noch nicht, dass es meine letzte Unterrichtsstunde sein würde. In den ersten Wochen meldete man sich einfach freiwillig und tat, was man konnte, um einen Beitrag zu leisten – vom Dolmetschen bis zur Herstellung von Tarnnetzen für das Militär.

Eines Tages meldete sich ein Freund bei mir und teilte mir mit, dass eine bekannte medizinische Organisation am nächsten Tag Unterstützung bei Übersetzungen benötigte. Ich sagte zu und kam zum vereibarten Ort. Ich dachte, ich würde drei Tage lang ehrenamtlich arbeiten, stellte jedoch bald fest, dass ich tatsächlich bereits unter Vertrag stand. Bei diesen Nothilfeeinsätzen ging es darum, schnell Teams zusammenzustellen, und plötzlich hatte ich einen bezahlten Job. Seit diesem Moment arbeite ich nun schon seit über vier Jahren ohne Unterbrechung im humanitären Bereich und wechsle von einem Projekt und einer Stadt zur nächsten.

Humanitäre Arbeit ist körperlich und emotional anstrengend. Wenn du an einem besonders schwierigen Tag aufwachst, welcher Gedanke gibt dir dann die Motivation, weiterzumachen?

Kaffee und noch mehr Kaffee! Ohne den bekomme ich nichts auf die Reihe.

Aber jetzt die ernste Antwort: Ich liebe die Ukraine. Das ist die Wahrheit. Die Ukraine war in verschiedenen Lebensphasen meine Lebensentscheidung, und hier zu leben und Teil dieser Gesellschaft zu sein, ist wahrscheinlich eines der wertvollsten Dinge, die ich habe. Wenn ich irgendetwas tun kann, das mich mit diesem Land verbindet, werde ich es tun. Deshalb habe ich mich entschieden zu bleiben, und ich ziehe einen Umzug ins Ausland nicht in Betracht.

Vorräte und Medikamente im Lager sortieren und den Überblick behalten, damit sich der Rest des Teams auf die MedEvacs und die Patient*innen konzentrieren kann. Foto: CADUS

Wenn du mit deiner Familie oder deinen Freunden sprichst, was ist der schwierigste Aspekt deiner Arbeit, den du ihnen erklären musst?

Mein vierzehnjähriger Sohn lebt mit seinem Vater in Rumänien. Wenn er mich fragt, an welchen Orten ich beruflich tätig bin, macht er sich manchmal ein wenig Sorgen. Ich versuche, ihm zu erklären, wie unser Sicherheitsmanagement funktioniert, wie Risiken bewertet werden und welche Maßnahmen wir zu unserem Schutz ergriffen haben, damit er sich keine Sorgen um meine Sicherheit machen muss.

Für einige meiner Freunde ist es schwer nachzuvollziehen, warum ich ständig umziehe. Die Orte, an die ich aus beruflichen Gründen ziehe – wie Kiew, Mykolajiw oder Dnipro –, sind aus Sicherheitsgründen oft nicht die beste Wahl.

Was hast du durch diese Tätigkeit über dich selbst gelernt, was du vnoch nicht wusstest, bevor du zu CADUS gekommen bist?

Dadurch habe ich gelernt, dass ich teamfähig bin, Verantwortung für andere übernehmen kann und dass mein Team, sobald ich diese Verantwortung übernommen habe, für mich oberste Priorität hat. Einer meiner früheren Vorgesetzten bei CADUS hat mir vermittelt, dass der beste Führungsstil derjenige ist, der am besten zu deiner Persönlichkeit passt. Meine Teamkollegen beschreiben meinen Führungsstil als fürsorglich.

Außerdem habe ich gelernt, dass ich problemlos ein Zimmer mit zwei oder drei anderen Personen teilen kann! Ich halte mich eher für introvertiert und lebe normalerweise allein mit meiner Katze. Mittlerweile habe ich mich vollständig daran gewöhnt, in einem Gemeinschaftsraum zu schlafen. Dabei hilft es, dass alle CADUS-Teams, mit denen ich zusammengearbeitet habe, einfach großartig waren. Wir schätzen unsere Vielfalt, und jeder bringt ganz unterschiedliche Lebenserfahrungen mit. Es ist unglaublich einfach, in einem Umfeld zu arbeiten, in dem man unterstützt wird, in dem Fehler ausgeglichen werden und in dem niemand gezielt nach Schwächen sucht. Ich schätze mich wirklich glücklich, mit solch großartigen Menschen zusammenarbeiten zu dürfen.


Anastasia (dritte von rechts) inmitten ihres Teams in Dnipro, während sie selbstgemachten Borschtsch essen. Momente wie diese helfen dabei, die stressige Arbeit unter schwierigen Bedingungen zu bewältigen. Foto: CADUS

Gibt es angesichts all der Zerstörung und Not, die du tagtäglich erlebst, etwas, das dir Hoffnung gibt?

Die Tatsache, dass es nach wie vor Menschen gibt, die sich ganz bewusst dafür entscheiden, hier in der Ukraine zu bleiben – nicht, weil die Grenzen geschlossen sind, sondern weil sie eine bewusste Lebensentscheidung treffen. Unabhängig davon, wie sich die Sicherheitslage oder die wirtschaftliche Lage entwickelt, entscheiden sie sich jeden Tag bewusst und aus voller Überzeugung für die Ukraine.

Sie tun, was sie können, wo immer es ihnen möglich ist. Neben ihren beruflichen Pflichten engagieren sie sich ehrenamtlich, unterstützen schutzbedürftige Menschen, helfen dem Militär und spenden Geld. Der Alltag geht weiter, doch selbst nach schlaflosen Nächten aufgrund von Anschlägen haben die Menschen noch die Kraft, noch mehr zu leisten. Von diesen Menschen umgeben zu sein, motiviert mich ungemein.

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