Faces of CADUS – Monitoring & Evaluation im Irak
Veröffentlicht am 1. September 2021
von CADUS-PR

Es gibt Menschen, bei denen merkt man sofort: sie brennen für ihre Sache. So ist das auch bei Muhammed, unser neuester Mitarbeiter im Irak. Unterhält man sich mit ihm, wird schnell klar, dass seine Passion die humanitäre Arbeit ist.
Seit anderthalb Monaten ist er ein Teil von CADUS, baut unsere Präsenz im Irak aus und plant neue Projekte. Dabei hat er nicht nur eine große Leidenschaft für die humanitäre Arbeit, sondern auch viel Erfahrung. Er erklärt das komplizierte Netz aus verschiedensten NGOs, die im Irak und in Syrien aktiv sind und ihre Beziehungen untereinander ohne viel Mühe und ist dabei voll in seinem Element. Neben seiner Arbeit bei uns schreibt Muhammed gerade seine Masterarbeit über geschlechtsbasierte Gewalt während der Covid-19 Pandemie.
Ein Gespräch über humanitäre Arbeit und die Herausforderungen von der Arbeit im Irak.

Wie bist du zu humanitärer Arbeit gekommen?
Meine Mutter ist Araberin, mein Vater Kurde. Sie folgen verschiedenen Glaubensrichtungen und sind aus verschiedenen Städten. Das heißt, ich bin schon als Kind immer viel im Irak gereist. Mich hat dabei fasziniert, wie sich Gemeinschaften so stark voneinander unterscheiden können, obwohl sie so nah beeinander sind. Deswegen habe ich ein Sprach- und Literaturstudium angefangen, denn Sprache ist der Schlüssel dazu, eine Kultur zu verstehen.
Das Studium hat dazu geführt, dass ich mit humanitärer Arbeit in Kontakt gekommen bin.
Als ich im Irak aufwuchs, hielt man Bestrafung für eine notwendige Maßnahme zur Verhaltenskorrektur. Um ein Kind richtig zu erziehen, muss es gelegentlich Schläge erhalten. Heute weiß ich, dass dieser Ansatz falsch ist, und ich habe beschlossen, aktiv dagegen vorzugehen. Daher interessiere ich mich besonders für geschlechtsspezifische Gewalt und Kinderschutz in der humanitären Arbeit.
Muhammed während der Arbeit bei einem Vortrag
Was sind Herausforderungen für die humanitäre Arbeit in Kurdistan und im Irak?
Gerade die Arbeit in der geschlechtsbasierten Gewalt kann schwierig sein. Die Menschen haben so viele Probleme, kein Einkommen, kein Essen, keine Sicherheit. Es ist schwer, sie davon zu überzeugen, dass mentale Gesundheit genauso wichtig ist, und sie sich auch noch darum kümmern sollten.
Traditionen und kulturelle Normen sind außerdem natürlich auch eine große Herausforderung. Für mich als Mann ist es schwer bis unmöglich, mit Frauen über diese Probleme zu reden, während andere Männer mich oft nicht ernst nehmen.
Covid hat da alles noch schlimmer gemacht. Während des Lockdowns ist die Rate von häuslicher Gewalt um 60% gestiegen.
Was würdest du gerne an der humanitären Arbeit ändern?
Ich würde Hilfe gerne weniger komplex gestalten und mehr direkt helfen. Es spielt keine Rolle, wer die Person ist oder woher sie kommt. Ihr Hintergrund sollte kein Grund für mich sein, ihr zu helfen. Ich finde es sehr schwierig, dass manche Organisationen aus bürokratischen Gründen einfach ablehnen können, wenn sie um Hilfe gebeten werden.
Was hat dich dazu ermutigt, weiter zu machen?
Das schönste ist, dass ich die Veränderung sehen kann. Vor ein paar Jahren war es für Mädchen unmöglich, mit einem Fahrrad durch die Straßen von Erbil zu fahren. Jetzt ist das total normal, es gibt auch viele Möglichkeiten für Kinder, sich Fahrräder zu leihen. In vielen Teilen Iraks ist das zwar immer noch nicht so, aber es wird langsam immer besser.
Veröffentlicht:
Verfasser*in: von Cadus PR
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