Meet our Team: Peter Dischler

Veröffentlicht am 6. November 2026

von Jonas Grünwald

In unserer Serie stellen wir die Menschen vor, die hinter unseren Einsätzen stehen. Heute sprechen wir mit unserem derzeitigen Einsatzleiter in Gaza, Peter Dischler, über seine Erfahrungen in der humanitären Hilfe und den Spagat zwischen dem Leben im Einsatz und der Rückkehr nach Hause.

Wie stellst du dich und deine Rolle jemandem vor, der mit deiner Arbeit nicht vertraut ist?

Ich erzähle meistens kurz, dass ich in der humanitären Hilfe für medizinische Organisationen arbeite und das früher als Notfallsanitäter, mittlerweile als Einsatzleiter. Ich verbringe meine Tage damit, Informationen zu sammeln, Entscheidungen zusammen mit dem Team zu treffen, viele Meetings zu führen und vor allem: Probleme zu lösen. Allerdings ist man vor Ort stark von Partner*innen und den wechselnden Umständen abhängig. Ein großer Teil unserer Arbeit ist es zu schauen, wie wir unsere Arbeit trotz mangelnder Mittel machen, auch wenn das oft nur eine Übergangslösung ist, weil man überall blockiert wird. Es ist viel on-the-spot-Denken und Improvisieren.

Wie sah dein Leben aus, bevor du dich entschlossen hast, in der humanitären Nothilfe tätig zu werden?

Ich habe ursprünglich Gesundheits- und Krankenpfleger gelernt, war viel auf Reisen und habe dann ziemlich schnell die Ausbildung zum Rettungssanitäter gemacht. Früher wollte ich unbedingt humanitär arbeiten. Ich komme aus einem kleinen Tal bzw. Dorf und wollte einfach mal raus. Angefangen hat es mit Einsätzen beim Militär als Notfallpfleger im Kosovo bei der KFOR, dann ein Monat in Griechenland in der Flüchtlingshilfe, gefolgt von zehn Monaten mit Cap Anamur in Somaliland. Während COVID verbrachte ich fünf Monate in Sierra Leone, weil ich nicht nach Hause konnte. Später kamen Einsätze in der Ukraine, im Irak und nun bin ich für CADUS in Gaza. Zwischendurch arbeite ich immer wieder in der Schweiz als Rettungssanitäter, weil mir diese Mischung aus Rettungsdienst und humanitärer Arbeit einfach Spaß macht.

Könntest du uns einen Moment schildern, bei dem du dachtest: Genau deshalb mache ich das?

Es gibt nicht den einen einzelnen Moment, aber die Arbeit an sich gibt mir Sinn. Man lernt, wie man auf verschiedene Art und Weise Menschen unterstützen kann. Da jede Krise anders aussehen kann, sind die Herausforderungen jedes Mal neu und ich habe mich mittlerweile an den hohen Puls in solchen dynamischen Situationen gewöhnt. Diese Fähigkeit bringe ich dann wiederum in meine Arbeit ein.

Mittendrin und trotzdem keine Worte zur Beschreibung: Peter im Trümmerfeld von Nord-Gaza. Foto: CADUS

Wenn du mit deiner Familie oder deinen Freunden zu Hause sprichst, was ist der schwierigste Aspekt deiner Arbeit, den du ihnen erklären musst?

Der schwerste Teil ist gar nicht mal das Erklären des Krieges oder der Zerstörung, denn das lässt sich ohnehin kaum in Worte fassen, vor allem, weil man selbst meist nur einen Bruchteil mitbekommt. Schwierig ist es eher, dass man nach Hause kommt und merkt, wie schwer es für andere ist, das Ganze einzuordnen. Viele hören vor allem das heraus, was in ihr eigenes Weltbild passt. Ein anderer Aspekt, den ich schwer erklären kann, ist die Dissonanz zwischen dem Alltag bei mir zu Hause und dem Erlebten während eines Einsatzes.

Hast du durch diese Tätigkeiten etwas über dich selbst gelernt, was du vorher noch nicht wusstest?

Ehrlich gesagt lerne ich durch solche extremen Situationen nicht primär etwas über mich selbst im klassischen Sinne, aber man lernt, Dinge durchzuziehen. Wenn man vor einem Einsatz in einem Kriegsgebiet wie der Ukraine oder Gaza steht, wissend, dass man die Grenze überschreitet und danach so schnell nicht mehr rauskommt, dann plagen einen in den Nächten davor natürlich Nervosität und Zweifel. Man könnte theoretisch jederzeit abbrechen. Aber wenn man es dann trotzdem durchzieht und sich der Situation stellt, baut das eine mentale Stärke auf. Man atmet ein paar Mal tief durch, macht sich klar, dass man es schafft, und geht einfach los.

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