Trainings und Verbrennungen

Veröffentlicht am 26. März 2020

von CADUS-PR

Zwei Dozent*innen unterrichten medizinisches Personal im Krankenhaus in al-Hol.
Mit regelmäßigen Trainings stellen wir die Qualität der Behandlungen im Krankenhaus sicher und bieten dem Personal eine Möglichkeit sich in verschiedenen medizinischen Bereichen fortzubilden. Foto: CADUS

Die Finanzierung unseres Krankenhauses ist erstmal gesichert und wir setzen die Trainings des medizinischen Personals fort. Unter anderem geht es dabei um die Behandlung von Verbrennungen, die wir als einziges Krankenhaus im Camp behandeln können.

In Al Hol sind wir das einzige Krankenhaus, welches Patient*innen mit Brandverletzungen versorgen kann. Auch wenn sich die mediale Aufmerksamkeit momentan fast ausschließlich mit COVID-19 auseinandersetzt, sollten wir darüber hinaus nicht vergessen, dass alle anderen Erkrankungen, Verletzungen und sonstigen Notfälle deswegen nicht weniger werden und weniger wichtig sind.

Ein Beispiel dafür aus unserem Krankenhaus in Al Hol: die Versorgung von Brandverletzungen.
Diese unterteilen sich in verschiedene „Grade“. Während Grad 1 jede*r von uns schon einmal selbst erlebt hat (z.B. am heißen Herd, am heißen Motor oder Auspuff oder ähnlichem) gibt es bei Grad 2 schon deutliche Brandblasen. Auch das kennen die meisten aus persönlicher Erfahrung. Grad 3 entspricht offenen Wunden, bei denen die Haut durch die Hitzeeinwirkung komplett weggebrannt ist.

Ein Wohn-Zelt des UNHCR steht im Geflüchtetenlager al-Hol in Nordostsyrien.
Aus vielen solcher Zelte, dicht nebeneinander, besteht der Großteil des Lagers. Fängt eines davon Feuer breiten sich Brände schnell aus, denen immer wieder Bewohner*innen zum Opfer fallen. Foto: CADUS

Diese Brandverletzungen stellen die Behandlung vor besondere Ansprüche. Denn zum einen ist auf Grund der Größe der offenen Wunde bei Brandverletzungen das Risiko von Wundinfektionen sehr viel höher, zusätzlich verheilen diese Wunden nur unter Entstehung von großflächigem Narbengewebe. Das wiederum sorgt dafür, dass viele Brandverletzte, die im Heilungsprozess nicht ausreichend versorgt werden, hinterher oft ein Leben lang deutliche Bewegungseinschränkungen an den Körperteilen haben, an denen die Brandwunden entstanden sind.

Hinzu kommt der Fakt, dass bei Geflüchteten, die in Camps in behelfsmäßigen Unterkünften oder Zelten leben müssen, erheblich mehr Brandverletzungen auftreten. Die Menschen müssen dort relativ dicht gedrängt leben, Zelte und provisorische Behausungen sind viel feueranfälliger als massive Häuser. Es wird oft auf offenen Kochstellen gekocht und mit nicht geeigneten Öl- oder Holzheizungen geheizt.

Drei Personen sitzen auf einem Patientenbett im Krankenhaus und hören den Ausführungen der Dozent*innen zu.
Durch den Krieg seit 2011 konnten sich viele medizinische Fachkräfte nicht fortbilden und sind froh, endlich Neues zu lernen oder ihr Wissen aufzufrischen. Foto: CADUS

In Al Hol betreiben wir das einzige Feldkrankenhaus, dass sich momentan generell um Brandverletzungen bis hin zum 3. Grad kümmert. Zusätzlich trainieren wir unser Pflegepersonal regelmäßig, damit in der Heilungsphase darauf hin gearbeitet werden kann, die Bewegungseinschränkungen zu minimieren, damit die Patient*innen so schnell wie möglich wieder in einen „normalen“ Alltag zurückkehren können.

Veröffentlicht:
Verfasser*in: von Jonas Grünwald

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