
Gaza – Widersprüchliche Entwicklungen
Seit Oktober 2025 gilt offiziell eine Waffenruhe in Gaza. Über drei Monate später ist eine klare Entwicklung in Richtung Frieden aber nicht absehbar. Unsicherheit und Mangel bestimmen noch immer den Alltag in Gaza.
Wenn man sich die Meldungen der letzten Tage und Wochen zu Gaza anschaut, zeichnet sich ein eher widersprüchliches Bild ab:
Die israelische Regierung widerruft die Registrierung zahlreicher humanitärer Organisationen, die teils seit Jahren wichtige humanitäre Arbeit in Gaza betreiben und fordert sensible und persönliche Daten der Mitarbeiter*innen der Organisationen, um weiterhin vor Ort arbeiten zu dürfen. Eine gemeinsame Protestnote zu den Plänen hatte auch CADUS unterschrieben. Gleichzeitig wurde gestern die Öffnung des Grenzübergangs Rafah zwischen Ägypten und Gaza durch die israelische Armee verkündet, die den Checkpoint seit Mai 2024 kontrolliert.
Humanitären Organisationen wird also einerseits die Arbeit massiv erschwert und zeitgleich ein Grenzübergang geöffnet, der humanitäre Hilfe grundlegend erleichtern könnte.
Mehr Tote in Gaza
Überraschenderweise hat dieselbe Armee zudem kürzlich die von ihnen lange bezweifelte Zahl des Hamas geführten Gesundheitsministeriums von über 70.000 toten Palästinenser*innen bestätigt, obwohl unabhängige internationale Organisationen diese Zahlen schon lange als korrekt eingeschätzt hatten.
Die Bestätigung der Todeszahlen könnte als Schritt der Anerkennung des Leids der Palästinenser*innen gewertet werden, auch wenn man sich nicht über die Anzahl von Hamas-Kämpfern unter den Opfern einig ist. Auch werden nur direkte Opfer durch Kampfhandlungen gezählt und nicht diejenigen, die aufgrund der schlechten Versorgungslage gestorben sind. Aber immerhin scheint die israelische Führung diesen Teil der Realität anzuerkennen.
Doch nur wenige Tage später wurden trotz Waffenruhe dutzende Menschen bei den schwersten Luftangriffen auf angebliche Hamas-Ziele seit Oktober 2025 durch das israelische Militär getötet. Ein Angriff fand in unmittelbarer Umgebung eines Feldkrankenhauses des Palästinensischen Roten Halbmondes (PCRS) statt, in dem zu diesem Zeitpunkt auch Mitarbeiter*innen von CADUS Patient*innen behandelten. Trotz Waffenruhe und über 70.000 Toten scheint das israelische Militär nicht umzudenken.
Leben schützen
Dabei sollte das Verhindern weiterer Gewalt und Todesopfer für alle an erster Stelle stehen: durch ein Ende der Kampfhandlungen und die Ermöglichung von humanitärer Hilfe in großem Stil. Dazu müsste die israelische Regierung unter anderem humanitäre Güter wie Lebensmittel und Medikamente in großem Umfang nach Gaza lassen und die Ausreise aller Patient*innen zulassen, die eine Behandlung außerhalb des Küstenstreifens benötigen.
Die kürzliche Öffnung des Grenzübergangs Rafah im Süden von Gaza, dem einzigen Übergang der nicht auf israelisches Staatsgebiet führt, könnte ein erster Schritt dafür sein. Bereits zwei medizinische Transporte, sogenannten MedEvacs, mit vier Patient*innen, konnte unser Team über Rafah durchführen. Während der Grenzübergang immerhin für eine kleine Anzahl Personen pro Tag geöffnet ist, ist noch nicht klar, ob zukünftig auch humanitäre Lieferungen Rafah passieren können. Notwendig wäre es, da es immer noch an den grundlegendsten Dingen in Gaza fehlt.
Auch unsere Teams sind stark limitiert in Bezug auf Medikamente und medizinisches Material – diese in ausreichenden Mengen nach Gaza einzuführen ist fast unmöglich.
Das Tor zur besseren Zukunft?
Während die Waffenruhe in Gaza äußerst brüchig ist und die Menschen dort immer noch ums Überleben kämpfen müssen, wird ihre Heimat bereits unter den Mächtigen dieser Welt aufgeteilt und als Investitionsmöglichkeit verhandelt – unter Ausschluss der Bewohner*innen selbst. Wer so handelt, ist nicht an einem umfassenden und gerechten Frieden interessiert.
Trotz all der widersprüchlichen Entwicklungen hoffen wir auf ein schnellstmögliches Ende der humanitären Katastrophe in Gaza. Der Grenzübergang Rafah könnte dabei eine wichtige Rolle spielen. Wir gehen davon aus, dass unser Team in Gaza jetzt täglich MedEvacs über Rafah wird durchführen können. Immerhin ein kleiner Hoffnungsschimmer für die etwa 18.500 Palästinenser*innen, die eine Behandlung im Ausland benötigen.
Ein Kollege, der die ersten MedEvacs begleitete, drückte es im Interview kürzlich so aus: “Das Tor zur Welt hat sich für die Palästinenser*innen ein Stück weit geöffnet.”
Hoffen wir, dass es offen bleibt und Gutes mit sich bringt.
by Jonas Gruenwald
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