Ramadan Kareem
Veröffentlicht am 26. März 2025
von CADUS-PR

Eines unserer Teammitglieder in Gaza berichtet von einem besonderen Morgen zwischen Krieg, Waffenstillstand und religiösen Feiertagen.
Über uns kreist eine Drohne, die eine Nachricht in den Himmel kritzelt, jenseits der Sichtweite. Sie war die meiste Zeit der Nacht zu sehen, eine Kulisse für einen Großteil unseres Schlafes hier, eine ständige Erinnerung an den Krieg, der auch im Moment außer Sichtweite bleibt, aber nie weit weg ist.
Wir wachten heute Morgen um 6 Uhr auf, krochen aus den kalten Betten in die noch kältere Luft, die Sonne sah ähnlich schläfrig aus und wünschte sich etwas mehr Zeit. Das Team wurde gestern Abend spät kontaktiert und gebeten, bei der Evakuierung eines jungen Patienten aus dem Gazastreifen nach Ägypten zu helfen. Ein ruhiger Abend der Ruhe und des Nachdenkens verwandelte sich plötzlich in einen Dunst aus Aktivität, Vorbereitungen und Checklisten, alles vor dem Hintergrund flackernder Lichter, als der Strom aus- und wieder eingeschaltet wurde.

Zwischen all den Trümmern gibt es noch Leben in Gaza. Menschen mit Hoffnungen und Träumen, die es wert sind, dass man sie beim Aufbau einer hoffentlich friedlichen Zukunft unterstützt. Foto: CADUS
Vorbereitungen
An diesem Morgen ist das Team jedoch bereit, motiviert, konzentriert und durch die kühle Morgenluft gestärkt, denn dafür sind wir hier. Jeder Gedanke an Komfort und Bequemlichkeit wird beiseite geschoben, neben der Verantwortung für die Aufgabe. Wir können den Verlauf des Krieges nicht beeinflussen, aber wir können die Aufgabe erfüllen, zu der wir gerufen wurden. In diesem Fall die Evakuierung eines jungen, kranken Patienten, der eine langfristige Versorgung benötigt, die Gaza vielleicht nicht bieten kann.
Seit dem Beginn des Waffenstillstands Mitte Januar hat das Leben hier langsam wieder begonnen, in all seinen Formen zurückzukehren, Autos und Esel bringen die Menschen durch den Gaza-Streifen, die Märkte nehmen ihr rasantes Tempo wieder auf, die Menschen kehren wieder zu ihren Familien zurück. Die MedEvacs, die wir fast täglich durchführen, sind sowohl ein Zeichen der Hoffnung, denn jeder Patient, der nach Ägypten evakuiert wird, hat Familienangehörige dabei, die vielleicht mehr Frieden und Hoffnung für die Zukunft finden können; aber sie sind auch ein Zeichen dafür, dass niemand darauf vertraut, dass der zerbrechliche Frieden von Dauer ist und dass es jetzt an der Zeit ist, die Schwächsten zu evakuieren.

Mit medizinischen Schulungen bauen wir Kapazitäten zur Selbsthilfe innerhalb der Gemeinschaft und über die Zeit unseres Engagements in Gaza hinaus auf. Foto: CADUS
Solidarität hat viele Formen
Unser Krankenwagen schließt sich einem Konvoi von Krankenwagen des Palästinensischen Roten Halbmonds an, der insgesamt 34 Patient*innen und 55 Begleiter*innen transportiert. Wir haben den erhöhten Status eines Intensiv-Rettungswagens, was die spezialisiertere Ausrüstung widerspiegelt, die wir mitführen. Wir wissen aber auch, dass unsere Anwesenheit als internationale Nichtregierungsorganisation (NGO) für unsere palästinensischen Kolleg*innen ebenso wichtig ist wie unsere Spezialisierung. Wir überbringen die Erinnerung und die Botschaft, dass sie nicht vergessen sind, dass wir hier sind, um humanitäre Hilfe zu leisten und vielleicht unbewusst als Garanten des Völkerrechts zu handeln. Die internationale Gemeinschaft ist das Auge der Welt in diesem Konflikt und wir beobachten genau, wie der Konvoi der Rettungswagen an Militäreinheiten vorbeifährt, deren Waffen die ganze Zeit auf uns gerichtet bleiben.
Heute ist der erste Tag des Ramadan, eine Zeit der tiefen Besinnung, der erneuerten Hingabe an Allah für die Gläubigen und der Taten des Mitgefühls und der Großzügigkeit gegenüber der Menschheit. Für unsere muslimischen Kolleg*innen, Freunde und alle Menschen in Gaza fühlt sich das real und wichtiger denn je an. Aber für uns bei CADUS, für unsere internationalen NGO-Kolleg*innen und für alle Beobachter*innen dieses Krieges bedeutet es etwas Ruhe in unseren Herzen zu finden, um nachzudenken, als auch neue Energie zu erhalten und darauf zu fokussieren, denen um uns herum zu helfen.
Meet our Team: Nastia, Infield Operations Coordinator in der Ukraine
In diesem Interview haben wir uns mit Anastasia Vorobyova, Infield Operations Coordinatior in der Ukraine, unterhalten, um mehr über ihren Werdegang, ihren Alltag vor Ort und darüber zu erfahren, was sie antreibt, ihre unverzichtbare Arbeit fortzusetzen. Sie berichtet von ihrem Weg, von der Leitung einer Sprachschule bis hin zu ihrem Engagement in der humanitären Hilfe, von den Lebensrealitäten in einem Konfliktgebiet und von der unglaublichen Widerstandsfähigkeit der Menschen in ihrem Umfeld.
Die Patient*innen überwachen, während der Himmel dich überwacht
Die medizinische Neutralität wird psychologisch gesehen immer unsicherer. Das rote Kreuz, der Rettungswagen, das Krankenhaus, die OP-Kleidung oder die Tätigkeit als medizinisches Personal stehen normalerweise für Schutz und Neutralität. Unter ständiger Überwachung mag man diese Schutzmaßnahmen zwar rational verstehen, hat aber gleichzeitig das Gefühl, dass die Identifizierbarkeit nicht unbedingt Sicherheit bedeutet.
Hitze – mehr als nur heiß
Lange Hitzeperioden werden durch den Klimawandel zunehmen. Dabei ist Hitze weit mehr als ein Wetterphänomen. Sie betrifft unser gesellschaftliches Zusammenleben, Gesundheit, Umwelt, Politik und ganz konkret auch unsere Einsätze in Krisengebieten – und wird damit zu einer Frage globaler Gerechtigkeit.




