Der Rücken einer Person die eine Weste trägt, auf der der CADUS SChriftzug zu lesen ist.
Ein arbeitsreiches und kein ganz leichtes Jahr 2022 für CADUS. Foto: CADUS

CADUS Jahresrückblick 2022

Für uns bei CADUS stand das Jahr 2022 – wie sollte es anders sein – fast komplett unter dem Eindruck des Ukraine Krieges und unserem mittlerweile fast einem Jahr andauerndem Engagement vor Ort. Gleichzeitig spitzte sich die Situation im syrischen Camp al-Hol konstant zu, was den Betrieb unseres Krankenhauses weiter erschwerte. Wir wagen – etwas verspätet – den Blick aufs vergangene Jahr und einen Ausblick auf die kommenden Monate des Jahres 2023.

Corona-Support in Papua-Neuguinea und Pakistan

Das Jahr begann für uns mit einem Ende. Papua-Neuguinea hatte international um Unterstützung bei der Bekämpfung einer Corona-Welle gebeten. Das Gesundheitssystem war bereits vor Corona stark belastet und unterfinanziert, sicherlich auch der Kolonialgeschichte mit deutscher Beteiligung geschuldet.

Ein kleines Einsatz-Team machte sich also noch Ende 2021 auf den Weg um in einem der am schwersten betroffenen Gebiete das örtliche Personal zu unterstützen. Weniger die aktive Mitarbeit unseres Teams stand dabei im Vordergrund, als der fachliche Austausch mit den lokalen Kolleg*innen und eine Verbesserung der Abläufe um Corona-Infektionen effektiver und sicherer zu bekämpfen. Nach drei Wochen voller Beobachtung, Austausch und Optimierung kehrte unser Team Anfang Januar zurück nach Berlin.

Rettungssanitäter*in Anna-Lena im Gespräch über Corona-Maßnahmen im Krankenhaus in Papua-Neuguinea. Foto: CADUS

Für unsere Rettungssanitäterin Anna-Lena ging es im Februar direkt weiter nach Islamabad in Pakistan, wo wir Kabul Luftbrücke bei ihren Bemühungen unterstützt haben, gefährdete Afghan*innen über Pakistan nach Deutschland zu evakuieren. Hier übernahm Anna-Lena für zwei Wochen die Corona-Kontrollen in der Unterbringung für die Afghan*innen, die auf ihre Ausreise warteten.

Ukraine: Angriffskrieg und Rettungskette

Das Ideen wie Kolonialismus und Imperialismus leider immer noch nicht der Vergangenheit angehören, rief uns der Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine einige Wochen später mit aller Macht ins Gedächtnis. Dem Angriff am 24. Februar ging heftiges Säbelrasseln voraus, richtig wahrhaben, dass Putin seine Drohung umsetzen würde konnten oder wollten nur die wenigsten glauben. Bei allen militärischen Konflikten auf der Welt, schienen die Zeiten eines Angriffskrieges auf europäischem Boden lange Zeit vorbei.

Eine große Welle der Unterstützung rollte daraufhin für die Menschen in der Ukraine an (und die man sich auch für andere Teile der Welt wünschen würde), der auch wir uns anschlossen. Ein erstes medizinisches Team haben wir bereits im März entsendet.

Nur durch eine enge Zusammenarbeit vieler Akteure kann die Evakuierung von Patient*innen in sichere Krankenhäuser über Ländergrenzen hinweg funktionieren. Hier wird ein Patient aus der Ukraine auf einem Flughafen in Polen zum Transport in ein deutsches Krankenhaus vorbereitet. Foto: CADUS

Während unserer Einsätze konnten wir Patient*innen aus gefährdeten Gebieten in Sicherheit bringen und ihre Weiterbehandlung beispielsweise in polnischen Krankenhäusern gewährleisten. Wir übernahmen zusätzlich die Koordination der Evakuierungseinsätze, auch MedEvac genannt, an denen mehrere internationale Organisationen beteiligt waren. Dank dieser Rettungskette wurde hunderten Patient*innen geholfen. Beginnend in Lviv verlagerte sich unser Einsatzschwerpunkt mit dem Kriegsverlauf immer mehr Richtung Osten, sodass wir uns vor Ort mittlerweile von Dnipro aus organisieren. Zusätzlich boten wir medizinische und Sicherheitstrainings für Helfer*innen in der Ukraine an, da gerade das Arbeiten in Frontnähe gefährlich und belastend ist.

Ukraine: Mobile Makerspace und Krankenstationen auf Rädern

Angesichts der Zerstörungen in der Ukraine und dem Bedarf nach Wohnraum für Geflüchtete innerhalb des Landes begannen wir parallel das Projekt „Mobile Makerspace“. Zusammen mit Partnerorganisationen und der Hilfe vieler Freiwilliger bauten wir einen Transporter zu einer mobilen Werkstatt um. Zusammen mit ukrainischen Partnerorganisationen und Helfer*innen haben wir dazu beigetragen Wohnhäuser, eine Schule und ein Zentrum für Zivilschutz wieder herzurichten.

Alle Hände voll zu tun beim Wiederaufbau von Gebäuden, die geflüchteten Ukrainer*innen als Unterkunft dienen soll. Foto: CADUS

Beim Umbau eines Reisebusses zu einer intensivmedizinischen Behandlungsstation (mobile intensive care unit – MICU) flossen unsere Erfahrungen aus dem Einsatz ein und vereinten unseren Mobile Makerspace mit unserem medizinischen Einsatz. Patiententransporte in einem Reisebus machen die langen Fahrten in dem riesigen Land angenehmer für Mensch und Fahrzeug und verringern den Personalaufwand pro Patient*in. Mit viel Unterstützung von unserem ukrainischen Partner Metalab beim Umbau des Busses haben wir die Transportkapazitäten insbesondere für beatmungspflichtige Patient*innen erhöhen können, die sonst in der Ukraine kaum zur Verfügung stehen.

Aus einem Reisebus ist durch viel Handarbeit eine voll funktionsfähige Intensivstation geworden. @CADUS

Zusammen mit 22 von uns organisierten und teilweise ausgestatteten Krankenwagen werden wir auch die MICU an lokale Rettungsdienste übergeben und das Personal daran ausbilden.

Ende 2022 haben wir ein weiteres Bauprojekt in unserem Makerspace begonnen: eine mobile Arztpraxis für den Einsatz in den ländlichen Gebieten der Ostukraine. Mittlerweile ist das Fahrzeug dort angekommen und wird in Kiew bei einem kleinen Festakt an unsere Partnerorganisation übergeben.

Medizinische und Sicherheitstrainings für ukrainische Freiwillige und Materiallieferungen sind wichtig um lokale Rettungsstrukturen zu stärken. Foto: Ori Aviram, BASE UA

Nordostsyrien und Irak

Nicht nur in der Ukraine ist das Arbeitsumfeld gefährlich und die Situation angespannt. Auch im nordostsyrischen Geflüchtetencamp al-Hol, in dem wir seit über zwei Jahren ein Krankenhaus betreiben, verschlechtert sich die Sicherheitslage konstant. Immer wieder kommt es zu Gewalt, Verletzten und Toten. Die humanitäre Versorgung innerhalb des Camps wird dadurch erschwert, und die Option, Patient*innen außerhalb des Camps versorgen zu lassen, ist generell stark eingeschränkt. Die unerträglichen Lebensbedingungen, die auch kürzlich von Ärzte ohne Grenzen in einem ausführlichen Bericht kritisiert wurden, führen zu Hoffnungslosigkeit und Aggression von Teilen der Bewohner*innen.

Unser Krankenhaus mit den roten Balken inmitten des Camps al-Hol in Nordostsyrien ist die einzige Gesundsheitseinrichtung vor Ort, die 24/7 geöffnet hat. Foto: CADUS

Kontinuierliche Angriffe der Türkei auf die kurdische Selbstverwaltung, unter deren Kontrolle das Camp steht, und die – im besten Falle – nur zögerliche internationale Unterstützung erschweren die Lage. Mit ständigen Anpassungen unserer Sicherheitsvorkehrungen versuchen wir weiterhin unser Krankenhaus, die als einzige medizinische Anlaufstelle im Camp 24h erreichbar ist, offen zu halten. Dennoch wird es hier im Laufe des Jahres grundlegende Veränderungen geben, über die wir dich auf dem Laufenden halten werden.

Wenngleich unser Hauptaugenmerk auf Nordostsyrien liegt, so waren wir im Irak nicht ganz untätig. Im Norden, in Dohuk, haben wir Erste-Hilfe-Trainings für Rettungswagen-Fahrer*innen durchgeführt. Denn es ist dort keineswegs so, dass eine medizinische Ausbildung zu dem Berufsbild dazugehört. Mit der Schulung im Basic Life Support soll der Handlungsspielraum der Fahrer*innen erweitert und eine schnelle Erstversorgung von Verletzten und Kranken ermöglicht werden.

Einblick in eine Schulung zum Thema Infektionsprävention im Lehrkrankenhaus in Mosul. Foto: CADUS

Im Zentral-Irak, in Mosul, konnten wir Anfang 2022 erfolgreich unsere Klinikpartnerschaft zusammen mit der NGO Viyan abschließen. Dort hatten wir gemeinsam im Lehrkrankenhaus Ibn Sina ein Jahr lang Trainings für die Infektionsprävention organisiert.

Kritisch bleiben – auch mit sich selbst

Humanitäre Arbeit in Krisen- und insbesondere in Kriegsgebieten ist anspruchsvoll und verlangt einer Organisation, gerade einer verhältnismäßig kleinen wie CADUS, und deren Mitarbeitern und Einsatzteams viel ab. Belastbare Strukturen sind hier dringend notwendig, um die Menschen, die für uns im Büro oder im Einsatz arbeiten, bestens zu unterstützen und Projekte effektiv umsetzen zu können. Das hat in der Vergangenheit nicht immer ideal funktioniert. Diskussionen über den „richtigen“ Weg und die „richtige“ Arbeitsweise haben wir im vergangenen Jahr vielfach geführt und sie finden nach wie vor statt. Nicht immer waren diese fruchtbar oder endeten mit einem Ergebnis, aber sie haben interne Veränderungen angestoßen und eine intensivere Auseinandersetzung darüber, wie CADUS zukünftig arbeiten will und welche Richtung wir einschlagen wollen.

Den richtigen Weg zu finden ist nicht immer einfach. Im Zweifelsfall aber immer geradeaus, wie hier in den verschneiten Wäldern der Ukraine. Foto: CADUS

2023: Wege der Solidarität gemeinsam erkunden

Fest steht für uns, dass wir uns auch im Jahr 2023 weiterentwickeln werden im Bestreben eine zukunftsorientierte humanitäre Hilfsorganisation zu sein und Wege der Solidarität zu erkunden.
Noch ist nicht absehbar, wie sich die Situation in der Ukraine entwickeln wird, die globale Ungleichheit in der Gesundheitsversorgung ist auch durch Corona deutlich erkennbar und Dauerkonflikte wie in Syrien schwelen weiter.
All diese Probleme werden wir auch mit einer verbesserten CADUS-Version nicht lösen können, aber mit kontinuierlicher Entwicklung und deiner Unterstützung auch in diesem Jahr, kommen wir der Sache gemeinsam vielleicht etwas näher.

Auf ein Jahr voller globaler Solidarität!

Jonas und das gesamte CADUS-Team

Veröffentlicht:
Verfasser*in: von Jonas Grünwald

by CadusPR

Pressemitteilung 29.01.2024

Februar 9th, 2024|

Nothilfe-Einsatz in Gaza: Berliner Organisation entsendet Team Die Berliner humanitäre Nothilfe-Organisation CADUS entsendet Anfang Februar ein medizinisches Team nach Gaza. CADUS wird damit das erste deutsche Emergency Medical Team (EMT) im Gaza-Streifen sein. CADUS-Gründer und CEO Sebastian Jünemann erklärt: „Dies