Neues Team – harter Einstieg
Veröffentlicht am 30. Juni 2017
von CADUS-PR

Die drei hätten kaum einen härteren Einstieg haben können. Der IS, dessen militärische Lage in der Altstadt desaströs ist, hat kurz nach ihrer Ankunft begonnen, Selbstmordanschläge auf belebte Plätze im befreiten Teil Mossuls zu verüben, außerdem mehrere Schläferzellen aktiviert, um bereits befreite Stadtteile anzugreifen. Unser Team ist und bleibt stabil, wofür es unsere ganze Bewunderung hat, und arbeitet weiter.
Hier der erste Bericht von Elisa und Stefan:
Tobi und Karin beim Versorgen eines jungen Patienten. Foto: CADUS
Mossul, 26.06.2017
"Der Tag im TSP war geprägt von den Ereignissen in der Altstadt: der IS startete Selbstmordanschläge auf dem Markt, bei denen dutzende Zivilisten und Soldaten getötet wurden. Erst Stunden später wurden die ersten Verletzten bei uns eingeliefert – wie wir später erfuhren hat der IS nach den Attentaten durch Scharfschützen auf die Verletzten und Helfenden schießen und Granaten werfen lassen. Viele Soldaten kamen bereits tot bei uns an. Die, die den TSP lebend erreichten, konnten von uns stabilisiert und erstversorgt werden, sodass sie mit den Ambulanzen in die umliegenden Krankenhäuser gebracht werden konnten. Verletzte Zivilisten sahen wir wenige.
Kristy vernäht eine Wunde am Handgelenk. Foto: CADUS
Ein Patient erhält eine Infusion von April, Übersetzer Tiger assistiert. Foto: CADUS
Die Nacht begann mit Schüssen, Explosionen und Rauchschwaden über dem eigentlich bereits befreiten Teil der Stadt hinter dem TSP. Wie wir nach anfänglicher Irritation erfahren, begannen ca. 15-20 IS Kämpfer – Schläfer, wie von einigen Seiten vermutet wird – bereits befreite Stadtteile anzugreifen. Aus den vermuteten Selbstmordanschlägen durch Einzeltäter wurde schnell eine Offensive des IS in den umliegenden, bereits befreiten Stadtteilen Al-Tanak, A-Risalah und Al-Yarmouk. Später erfahren wir, dass noch 3 weitere bereits befreite Stadtteile in Westmossul ebenfalls angegriffen wurden. Hierauf folgte ein Gegenschlag der irakischen Armee, unterstützt durch die US Airforce. Die Kämpfe dauerten die ganze Nacht an, immer wieder detonierten Bomben, waren Schüsse und der Einschlag von Granaten die Geräuschkulisse im TSP. Ungefähr 20 – 30 verletzte Menschen wurden zu uns gebracht und anschließend entweder entlassen oder weiterverlegt. Das MSF Hospital (Ärzte Ohne Grenzen) befand sich in einem umkämpften Stadtteil und musste über Nacht geschlossen werden.
Dichte Rauchschwaden steigen über den angegriffenen Vierteln der Stadt, ganz in der Nähe unseres TSP, auf. Foto: CADUS
Dazwischen erreichen uns immer wieder Zivilisten, die aus den noch besetzten Gebiet fliehen konnten und zum Teil seit Tagen verletzt, von Trümmern begraben und ohne sauberes Wasser, Nahrung und ohne Medikamente waren. Darunter auch eine hochschwangere Frau, die bereits in den Wehen lag. Wir bereiteten uns vor und obwohl es uns vor eine Herausforderung stellte, neben der Versorgung der Schwerverletzten eine Geburt zu begleiten, freuten wir uns über den Gedanken, dass trotz Tod und Zerstörung auch das Leben weitergeht. Die Schwangere selber und die Schwiegermutter sahen die Lage gelassen und scherzten mit uns. Als die Straßen im Morgengrauen auch für Zivilisten wieder freigegeben wurden, entschieden sie sich, doch ins Krankenhaus zu fahren. Den Rest der Nacht versuchen wir, trotz der sehr ungewohnten und intensiven Geräuschkulisse etwas Schlaf zu finden, der immer wieder von der Arbeit an ankommenden Patient*innen unterbrochen wird. Die Hitze trägt ihren Beitrag zur Schlaflosigkeit bei."
Unser Einsatz kostet leider Geld. Flugkosten, Medikamente, Verbrauchsmaterial und vieles mehr.
Veröffentlicht:
Verfasser*in: von Jonas Grünwald
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