Meet our Team: Dr. Hareen De Silva
Veröffentlicht am 15. Juli 2026
von Jonas Gruenwald

High Res Hareen CADUS Profile Pic
Es gibt kaum einen Ort oder eine Community auf der Erde, die für unseren Kollegen und Allgemeinmediziner Dr. Hareen De Silva BEM zu abgelegen wäre: Vom einzigen Arzt auf einer einsamen Insel über den Einsatz für die Gesundheitsversorgung marginalisierter Gemeinschaften bis hin zur heutigen Leitung der medizinischen Abteilung bei CADUS. In diesem Interview erzählt Hareen, was ihn antreibt und welche Ziele er sich für die humanitäre Arbeit gesetzt hat.
Was hat dich, neben deiner Tätigkeit als Allgemeinmediziner, in den Bereich der humanitären Arbeit geführt?
Die Antwort darauf geht größtenteils auf meine Kindheit zurück. Ich wurde in Sri Lanka geboren und meine Eltern zogen nach Großbritannien, als ich sechs Monate alt war. Ich habe miterlebt, wie schwer es für meine Eltern als Einwanderer in einem neuen Land war, und das hat die Entscheidungen geprägt, die ich im Leben getroffen habe. Während ich in der primären Gesundheitsversorgung (Primary Healthcare) arbeitete, wurde mir klar, dass ich es sehr mag, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Während eines Moduls zu Global Health für meinen Masterabschluss entdeckte ich meine Liebe für den humanitären Aspekt. So nutzte ich schließlich meinen Public-Health-Master, um mich in einer der am stärksten benachteiligten Gegenden Großbritanniens als „Health Inequalities Champion“ (Botschafter gegen gesundheitliche Ungleichheit) zu engagieren. Dort arbeite ich daran, die Gesundheit marginalisierter Gemeinschaften zu verbessern, wie zum Beispiel der Traveller-Community, die in Großbritannien oft Schwierigkeiten beim Zugang zur Gesundheitsversorgung hat. Derzeit bin ich im Vorstand (Trustee) der britischen Bildungs-NGO Fairhealth. Unser Ziel ist es, Bildungsmaterialien für medizinisches Fachpersonal zu erstellen, das im Bereich gesundheitlicher Ungleichheiten arbeitet.
Was sind einige deiner einprägsamsten Erlebnisse, die du mit uns teilen kannst?
Da gibt es viele, aus denen ich wählen kann. Zwischen meiner Arbeit auf der Intensivstation während der Covid-19-Pandemie und der Kontaktverfolgung von Verdachts- und positiven Fällen war ich unter anderem auf einigen Expeditionen: Costa Rica, Dominica, Gough Island und Midway Atoll (zwei der abgelegensten Orte überhaupt). Um dir eine Vorstellung davon zu geben, wie abgelegen Gough Island ist: Wenn etwas schiefging, dauerte es drei bis vier Tage, bis ein Schiff kam, um dich abzuholen. Im Jahr 2023 habe ich an einem Vogelschutzprojekt zur Wiederherstellung des Lebensraums auf dem Midway Atoll teilgenommen. Dort habe ich nichts Medizinisches gemacht. Ich war Teil eines Teams, das Müll sammelte und die menschliche Nahrung sicherte, damit die Mäuse, die einige der am stärksten bedrohten Vogelarten fraßen, letztendlich eingedämmt werden konnten. Ich war auch schon für verschiedene Organisationen in humanitären Projekten im Einsatz: Mit CADUS war ich 2021 im Nordosten Syriens, um im Krankenhaus des Flüchtlingslagers al-Hol zu arbeiten. Wir waren dort die einzige stationäre 24-Stunden-Einrichtung im Lager und hatten 24 Betten für 60.000 Menschen. Das ist auch eine Erfahrung, die man nicht so leicht vergisst.
Was hat dir diese Arbeit über dich selbst beigebracht, dass du vor deiner Tätigkeit im humanitären Bereich noch nicht wusstest?
Ich habe gelernt, dass uns schon früh im Leben eingetrichtert wird, dass wir so viele Dinge zum Leben brauchen. Als ich meine Tasche für meinen ersten Einsatz packte, das war auf der griechischen Insel Lesbos mit Medical Volunteers International (heute Medical Solidarity International), hatte ich viel mehr Dinge dabei als das, was ich heute mitnehme. Ohrstöpsel und eine Schlafmaske sind die beiden Dinge, die ich überall auf der Welt brauche, egal ob für ein Naturschutzprojekt oder humanitäre Arbeit. Mir ist auch klar geworden, dass ich nicht ständig online sein muss, abgesehen davon, mit meinen Liebsten in Kontakt zu bleiben. An Orten wie Gaza gewesen zu sein, wo die Menschen mit viel weniger überleben müssen als der Durchschnittsbürger in privilegierten Ländern, hat mich gelehrt, dass man eigentlich nur seine Familie um sich herum braucht.
Wie bist du schließlich bei CADUS gelandet?
Während ich für Medical Volunteers International in Griechenland arbeitete, teilte sich CADUS das Zelt für die primäre Gesundheitsversorgung mit uns. Nachdem ich wieder zu Hause war, habe ich online nach ihnen gesucht und gesehen, dass sie eine Stelle für Nordostsyrien ausgeschrieben hatten. Derzeit bin ich der Leiter der Gesundheitsabteilung und war in den letzten drei Jahren auch bei einigen Einsätzen von CADUS dabei.
Wenn du mit deiner Familie oder Freunden zu Hause sprichst, was ist der am schwersten zu erklärende Teil deiner Tätigkeit?
Es ist das psychische Trauma, das man erlebt, wenn man in Krisengebieten ist und dann in seinen Alltag zurückkehrt. Jeder, der schon einmal in einem Konfliktgebiet gearbeitet hat, wird dir sagen, dass die ersten Tage danach schwer sind: Zuschlagende Autotüren klingen wie Explosionen und Baustellenlärm kann sich wie Drohnen anhören. Ich ertappe mich oft dabei, Dinge als selbstverständlich anzusehen, und muss mich dann an das Privileg meines britischen Passes erinnern und daran, dass ich ohne Bedenken Zugang zu Wasser und Nahrung habe. Selbst nach den vielen Projekten, bei denen ich war, ist das immer noch schwer. Ich kann mich jetzt besser anpassen, weil ich die psychologischen Werkzeuge dafür habe. Aber ich glaube, man kann mit Worten nie wirklich vermitteln, wie schlimm eine Situation ist, sogar wenn man Bilder zeigt.
Gibt es bei all der Zerstörung und den Entbehrungen, die du jeden Tag siehst, etwas, das dir Hoffnung gibt?
Es sind die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite, seien es die Freiwilligen oder meine Kolleg*innen von lokalen Organisationen an den verschiedenen Einsatzorten. Der einzige Grund, warum meine Arbeit und die von Organisationen wie CADUS erfolgreich ist, liegt an den vielen Menschen, die bereit sind, sich gegenseitig zu unterstützen und sich solidarisch mit anderen zu zeigen. Ich hoffe, sie wissen, dass sie mir sehr viel Hoffnung geben.
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