Swiftwater Training – zwei Erfahrungsberichte

Veröffentlicht am 19. Juni 2026

von Jonas Gruenwald

Im Zuge des Klimawandels werden Extremwetterereignisse und Überschwemmungen weltweit zunehmen. Im Rahmenn unseres Climate Emergency Responder-Programms haben deshalb vier Freiwillige von CADUS an einer Trainer*innen-Ausbildung im Bereich Strömungsrettung teilgenommen. Sanne und Laura teilen hier ihre Erfahrungen mit dem Wildwasser.

Die unbeständige Natur von fließendem Wasser

von Sanne

Meine größte Erkenntnis aus dem Swiftwater-Training war, wie schnell fließendes Wasser das gesamte Risikobild verändert. Selbst Situationen, die vom Flussufer aus handhabbar aussehen, können komplex werden, sobald Strömung, kaltes Wasser, Treibgut, Kommunikation und die Sicherheit der Retter hinzukommen. Es war auch faszinierend zu beobachten, wie der Wasserstand im Laufe der Trainingstage sank und wie deutlich dies die gesamte Zirkulation und das Verhalten des Wassers von einem Tag auf den anderen veränderte. Das Training hat mir sehr deutlich gemacht, dass gute Rettungsarbeit beginnt, bevor überhaupt jemand ins Wasser geht: mit Beobachtung, Strömungsretter-Training, Planung, einfachen Systemen und disziplinierter Teamarbeit.

Entscheidungsfindung unter Druck

Ein Moment, der mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, war das Durchspielen von Rettungsszenarien, bei denen Entscheidungen unter Druck getroffen werden mussten. Dabei ging es nicht nur darum, technische Fähigkeiten anzuwenden, sondern auch darum, die sicherste und effektivste Option zu wählen, klar zu kommunizieren und ständig neu zu bewerten, ob der Plan noch sinnvoll ist. Das fühlte sich sehr nah an einem echten Notfallbeinsatz an, bei dem sich die Bedingungen schnell ändern können und selten perfekte Informationen vorliegen.

Anpassung an die Realitäten des Klimas

Ich sehe diese Fähigkeiten in direktem Zusammenhang mit den Realitäten von zunehmenden Überschwemmungen, Sturzfluten und wasserbedingten Vorfällen. Das Swiftwater-Training hilft mir zu verstehen, wie ich nicht nur anderen helfen, sondern auch vermeiden kann, selbst Teil des Notfalls zu werden. Dieses Bewusstsein ist unerlässlich, wenn man in instabilen und risikoreichen Umgebungen arbeitet.

Die Bedeutung verschiedener Umgebungen

Ich glaube auch, dass das Training an verschiedenen Orten, bei unterschiedlichen Wasserständen und unter verschiedenen Wasserbedingungen von entscheidender Bedeutung ist. Hochwasserereignisse sind von Natur aus unberechenbar, und Einsatzkräfte benötigen Erfahrung in einer Vielzahl von Umgebungen, um fundierte Entscheidungen zu treffen, wenn die Bedingungen ungewohnt sind, sich verändern oder schwerwiegender sind als erwartet.

Eine Empfehlung für den humanitären Sektor

Ich würde diese Art von Training anderen im humanitären Sektor dringend empfehlen, da es bei der Hochwasserbekämpfung nicht nur um Motivation und Hilfsbereitschaft geht. Ohne die richtigen Fähigkeiten, die Ausrüstung und das nötige Urteilsvermögen können gute Absichten zusätzliche Opfer fordern. Dieses Training baut praktische Fähigkeiten, Vertrauen und Respekt vor der Umwelt auf, in der wir bei Klimanotfällen unter Umständen arbeiten müssen.

Die unberechenbare Kraft des Wassers

von Laura

Swift Water Rescue ist eine Methode, um mit technischen Hilfsmitteln Menschen aus Fluten zu retten, und dementsprechend eine Möglichkeit, sich auf das, was auf uns zukommt, vorzubereiten. Für mich war eine der größten Herausforderungen festzustellen, welche unberechenbare Kraft hinter Wassermassen stecken kann, sei es nun ein wilder Fluss oder Überschwemmungen. Unter solchen Bedingungen die Situation abschätzen zu können und zu evaluieren, wie Menschen sich retten lassen, ohne dass man sein eigenes Leben aufs Spiel setzt, war definitiv eines der größten Learnings des Kurses für m

Flexible Rettungsansätze und intensives Training

Hinzu kamen die verschiedenen Ansätze je nach Bedingungen und Anzahl der Retter*innen. Denn manchmal lassen sich Hilfsmittel wie Boote an Winden verwenden, manchmal ist jedoch die einzige Chance, einen Menschen zu bergen, selbst in das gefährliche Wasser zu springen. Um dazu in der Lage zu sein, sind Trainings, wie auch CADUS sie in Zukunft plant, unerlässlich.

Eigenschutz

Menschen reagieren in Notsituationen außerdem sehr verschieden: Manche werden ganz ruhig, während andere panisch werden und im Worst Case die Rettenden selbst in Gefahr bringen, indem sie sich beispielsweise an sie klammern und die Rettenden dabei unter Wasser drücken. Für diesen Fall Techniken zu erlernen, um sich befreien zu können und dabei dennoch die Person in Not nicht völlig sich selbst zu überlassen, war essenziell für mich.

Technische Hilfsmittel und Teamwork

Außerdem ist es wichtig, seine eigenen Kräfte als Retterin zu sparen, indem man Hilfsmittel verwendet wie Flaschenzüge, Boote und Seile. Genauso wie die reibungslose Zusammenarbeit mit dem gesamten Rettungsteam. Denn nur dann werden wir gemeinsam dazu in der Lage sein, die Auswirkungen der Klimakrise so gut es geht durchzustehen.

It’s hard to stop the bleeding once it started

März 24th, 2026|

Der Fotograf Julius Bauer hat im Februar unser Medevac-Team in Dnipro in der Ukraine besucht. In diesem Gastbeitrag gewährt er uns einen kurzen Einblick in den Alltag unserer Kolleg*innen vor Ort, nimmt uns mit auf den Transport eines verwundeten Patienten und teilt seine Gedanken zum wiederkehrendem Kriegstrauma der Ukraine und seine Eindrücke vom Leben  im Kriegsgebiet. Alle Fotos in diesem Beitrag stammen von ihm.

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