EMT – Emergency Medical Team

EMT (Emergency Medical Team) ist ein von der WHO entwickeltes Konzept, um im nationalen oder internationalem Krisenfall medizinische Nothilfe effektiv und mit standardisierter Qualität in den Einsatz zu bringen. Die Anforderungen an EMTs sind im “Blue Book” beschrieben. CADUS ist seit 2024 ein durch die WHO klassifiziertes EMT 1 mobile und fixed.

Seit Bestehen haben wir uns  an den WHO-Standards orientiert und sind Teil der internationalen EMT Community. Die deutschen EMTs werden über das Robert-Koch Institut koordiniert, gemeinsame Übungen und Einsätze finden regelmäßig statt.

Als Teil des EMT-Netzwerks haben wir an der Erstellung des “Red Book” für EMTs in Konfliktgebieten und den Guidelines für MedEvacs (medizinische Evakuierungen) mitgewirkt.

Unsere bisherigen Einsätze als EMT:

  • Irak 2018*
  • Syrien 2016-2022*
  • Griechenland (Lesbos) 2020*
  • Papua-Neuguinea 2021*
  • Ukraine 2022
  • Gaza 2024
  • Sudan 2025

*noch ohne Klassifizierung bzw. im Prozess

Wie funktioniert ein EMT?

Es gibt drei Stufen eines EMT, die sich darin unterscheiden wie viele Patient*innen versorgt werden können und welche medizinischen Kapazitäten zur Verfügung stehen. Damit verbunden gelten verschiedene Anforderungen an das Personal, die Ausstattung und die Logistik. Es kann grob nach folgenden Kriterien unterschieden werden:

  • mobile:
    • Versorgung nur während des Tages
    • Standortwechsel innerhalb des Tages möglich
    • gemeindenahe, ambulante medizinische Notfall- und Grundversorgung (Primary Health Care)
    • Stabilisierung von akuten traumatologischen und nicht-traumatologischen Fällen
    • Überweisungen zu weiteren Untersuchungen oder stationären Behandlungen
  • fixed:
    • Versorgung nur während des Tages
    • gemeindenahe Notfall- und Grundversorgung in einer ambulanten Einrichtung
    • Versorgung von akuten traumatologischen und nicht-traumatologischen Fällen
    • Überweisungen sowie für laufende Untersuchungen oder Behandlungen
  • wie Type 1 fixed, zusätzlich:
  • 24/7 Angebot
  • Stationäre chirurgische Notfallversorgung (inklusive Geburten)
  • mind. 20 Betten
  • stationäre Behandlungen mit mind. 20 Bette
  • können kleinere Krankenhäuser unterstützen und/oder ersetzen
  • wie Type 2, zusätzlich:
  • Intensivpflege und Kapazitäten für komplexe Überweisungen
  • 40-100 Betten
  • kann größere Krankenhäuser ersetzen

Allen gemeinsam ist, dass sie sich selbst versorgen können müssen, unter anderem in Bezug auf Unterkünfte, medizinisches Material, Strom- und Wasserversorgung, Müll, Logistik, um keine der knappen lokalen Ressourcen im Krisengebiet zu verbrauchen.

Um als EMT klassifiziert zu werden, müssen die Fähigkeiten des angehenden EMTs Vertretern der WHO und bereits klassifizierter EMTs während einer Übung unter Beweis gestellt werden. Mehr Infos zum Ablauf einer Klassifizierung: LINK

Specialised Care Teams

Zusätzlich gibt es Specialised Care Teams (SCT), die lokale Gesundheitseinrichtungen oder EMTs Type 2 und 3, in folgenden Anforderungsbereichen unterstützen können:

  • Seuchenbekämpfung

  • Psychologische Hilfe

  • Technische Unterstützung

  • Schwangerschafts-, Geburten- und Neugeborenenversorgung

  • Operationen

  • Rehabilitation

  • Interdisziplinär

  • Interhospital

Im Moment streben wir ergänzend die Klassifizierung als Specialised Care Team (SCT) für den Bereich MedEvac an. Der Fokus liegt hier auf dem Transport von meist intensivmedizinischen Patient*innen zwischen zwei Krankenhäusern, auch Medevac (Medical Evacuation) genannt, um eine angemessene, sichere Behandlung der Patient*innen sicherstellen zu können.

Der EMT-Mechanismus

Nach Naturkatastrophen, Krankheitsausbrüchen oder in anderen Krisensituationen können die Regierungen der betroffenen Staaten den EMT-Mechanismus auslösen und Unterstützung in Form der EMTs bei der WHO anfragen. Die EMTs können auf diese Anfragen reagieren und den Einsatz innerhalb von 48 Stunden beginnen. Dabei werden sie von einer lokalen Emergency Medical Teams Coordination Cell (EMTCC) begleitet, die die Abstimmung zwischen den EMTs und den Behörden des hilfesuchenden Landes übernimmt.

Ziel des EMT-Einsatzes ist die kurzzeitige Erhöhung der lokalen medizinischen Kapazitäten und Stabilisierung der Gesundheitsversorgung, bis die lokalen Strukturen die Aufgabe wieder vollumfänglich übernehmen können. Eine enge Koordination mit den lokalen Gesundheitsbehörden ist dabei unerlässlich.

Warum wurde das EMT-System entwickelt?

Ihren Ursprung nahm die EMT-Initiative in Reaktion auf die Erfahrungen aus der Nothilfe nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti 2010. Die hunderten teils privaten Hilfsinitiativen, Organisationen und Einzelpersonen, die in der Folge auf der Insel eintrafen, machten eine effektive Koordinierung der Hilfen unmöglich. In der Folge wurden einige Regionen über-, andere unterversorgt. Einheitliche Qualitätsstandards waren ebenso wenig vorhanden wie ein gemeinsamer Verhaltenskodex der Hilfeleistenden.

Aus der Kritik an der humanitären Hilfe in Haiti entwickelte die WHO das Konzept der EMTs. Mehr Infos zur Historie hier: LINK

Die EMTs folgen einem gemeinsamen Standard, der die Qualität der Hilfeleistung sicherstellen, die Zusammenarbeit zwischen den Teams erleichtern, die Koordinierung vereinfachen und die Schnelligkeit der Hilfe garantieren soll. Weitere Infos zu den Anforderungen sind im Blue Book der WHO zu finden.