Zwei Wände mit Einschusslöchern und zerstörten Namenstafeln auf einem Platz vor einem Wäldchen.
Absurd: einst vereint im Kampf gegen den Hitler-Faschismus, wird eine Gedenkstätte für die gemeinsam gefallenen Soldaten in einem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine zerstört. Dolyna, Ukraine, November 22. Foto: CADUS

8. Mai – Feiern mit Einschränkungen?

Der 8. Mai, der Tag der den Sieg der Alliierten gegen den Hitler-Faschismus in Europa besiegelte – eigentlich ein Anlass zum feiern. Seit letztem Jahr, und damit dem Beginn des Angriffskrieges von Russland gegen die Ukraine, lässt sich der Tag nicht mehr so unbeschwert genießen.

Einerseits möchte man den Menschen der ehemaligen Sowjetunion für ihren Einsatz und ihre Opfer danken, andererseits möchte man nicht der Propaganda Russlands in die Karten spielen, die unter anderem unter dem Deckmantel des Kampfes gegen den Faschismus in die Ukraine einmarschiert ist.

Absurdität des Krieges

Das Foto aufgenommen von unserem Teamlead Thorsten in Dolyna, Donetsk Oblast in der Ukraine, verdeutlicht die Absurdität: eine Gedenkstätte für gefallene sowjetische Soldaten im zweiten Weltkrieg wird im Krieg zwischen zwei genau solchen ehemaligen Sowjetstaaten zerstört, in dem wieder zehntausende Menschen sterben und leiden.

Ein weiterer Fakt der einem Kopfzerbrechen bereiten kann, sind die deutschen Waffenlieferungen. Die Ukraine bezieht Waffen von dem Land, das früher einmal so großes Leid und Zerstörung über Russland und die Ukraine gebracht hat, um mit diesen deutschen Waffen russische Soldaten zu töten. Wenn auch zur Verteidigung.

Historische Konstanten

Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine ist historisch gesehen nicht neu. Schon unter Stalin sollte die Ukraine russifiziert und eine ukrainische Identität ausgelöscht werden. Diversen Äußerungen Putins zur Folge scheint dieser Plan mit dem erneuten Krieg fortgeführt werden zu sollen. Die Erinnerung an den Holodomor zum Beispiel, also die systematische Aushungerung der Ukraine 1932/33 mit Millionen Toten, wurde in der Sowjetunion unmöglich gemacht. Auch im derzeitigen Krieg versucht Russland ein Gedenken daran zu verhindern, wie der Abbau eines Mahnmals in Mariupol zeigt.

Eine Nahaufnahme einer im aktuellen Ukraine-Krieg zerstörten Tafel mit den Namen gefallener sowjetischer Soldaten in der Gedenkstätte in Dolyna. Foto: CADUS

Wenn man nur falsch handeln kann

Als humanitäre Organisation, die vor Ort in der Ukraine die Menschen medizinisch unterstützt, sehen wir es täglich: Waffen verursachen immer menschliches Leid, welches es zu verhindern gilt. Jedoch müssen wir über unsere rein humanitäre Perspektive hinaus auch das große Ganze im Blick behalten: die Unterstützung der Menschen der Ukraine in ihrem Recht auf Selbstverteidigung und Selbstbestimmtheit ist auch mit Blick auf die Geschichte nachvollziehbar. Es gilt zu bedenken: wenn argumentiert wird, dass aus Sicht Russlands wieder deren Soldaten durch deutsche Waffen sterben, so darf nicht vergessen werden, dass zur Zeit des Zweiten Weltkriegs die Ukrainer:innen als Teil der Sowjetunion genau so betroffen waren. Eine unvollständige oder falsche Darstellung der Geschichte zu Propaganda-Zwecken ist damals wie heute inakzeptabel. Aus Sicht der Ukraine wäre es wohl auch äußerst fragwürdig, untätig zu bleiben obwohl wir handeln könnten und stattdessen an der abermaligen Zerstörung der Ukraine beteiligt zu sein: einmal als Täter und einmal als laissez-faire Beobachter.

Danke, aber …

Es ist und bleibt also kompliziert, einfache und alle zufriedenstellende Lösungen wird es nicht geben. Trotz allem sollten wir auch an diesem 8. Mai den Menschen der ehemaligen Sowjetunion, einschließlich Russlands und der Ukraine, aus tiefer Überzeugung für die Befreiung vom Hitler-Faschismus danken.

Gleichzeitig muss es möglich sein, die aktuelle Situation anzuerkennen, Täter und Verbrechen zu benennen, solidarisch mit den Betroffenen zu sein und zu helfen, wo wir können.

Veröffentlicht:
Verfasser*in: von Jonas Grünwald

by CadusPR

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