Abgebrannte Hügel mit zerstörten Unterkünften im Geflüchtetenlager Moria auf Lesbos.
Durch den Brand und die Zerstörung des Lagers Moria auf Lesbos haben sich die menschenunwürdigen Bedingungen, unter denen die Geflüchteten leben müssen, weiter verschlechtert. Foto: Solidarity for Moria*

Moria - ignorieren statt helfen

Trotz offensichtlicher Notlage auf der Insel Lesbos und offizieller Bitte um Unterstützung, verzögert die griechische Regierung schnelle Hilfe unabhängiger Organisationen.

"Wir brauchen wirklich die Hilfe der Europäischen Kommission. Ich brauche wirklich die Hilfe der UN.". So fasst Joel seine Situation und die der geflüchteten Menschen auf Lesbos zusammen.

Abgelehnte Angebote

Seit Mai haben wir der griechischen Regierung mehrfach über verschiedene Wege unsere Unterstützung in der Versorgung der Geflüchteten angeboten. Jedesmal sind wir auf taube Ohren gestoßen. Lieber wurde an den menschenunwürdigen Bedingungen im Lager Moria festgehalten, obwohl die verschärfte Notlage durch COVID-19 offensichtlich war. Unser Einsatz, mit Unterstützung des Robert-Koch-Institut und eines mobilen Testlabors vom Bernhard-Nocht-Institut, wurde abgelehnt.

Nachdem das berüchtigte Camp Moria in der Nacht vom 08. September abgebrannt ist, lebt ein Großteil der ehemaligen Bewohner unter widrigsten Bedingungen auf den Straßen der Insel. Die Versorgung der Menschen durch Hilfsorganisationen ist untersagt, Presse wird vertrieben und Polizei und Militär kontrollieren das Gebiet.
Ein neues Camp wurde auf militärischem Sperrgelände eingerichtet, doch vieles weist darauf hin, dass hier ein neues Moria entsteht. Nur wenige Geflüchtete begeben sich hierher, der Großteil zieht die harten Bedingungen der Straße vor. So groß ist die Angst vor einem Moria 2.0 unter den Menschen.

Louis, der seit einigen Wochen auf Lesbos Geflüchtete medizinisch versorgt und auch teil des CADUS Medic Teams ist, schildert seine Eindrücke im folgenden Interview:

Kommt es doch zum Einsatz?

Schon kurze Zeit nach dem Brand stellte die griechische Regierung eine offizielle Anfrage an die WHO zur Unterstützung durch Emergency Medical Teams (EMT). Wir setzten alle Hebel in Bewegung, um unser Team zu mobilisieren und der Anfrage nachzukommen. Auch wenn es uns etwas merkwürdig anmutete, die monatelang ausgeschlagene Hilfe jetzt plötzlich angefordert zu sehen. Bereits zwei Tage später reichten wir unser Angebot ein und waren bereit schon am Sonntag vor Ort zu unterstützen.

Unabhängige Hilfe unerwünscht

Doch wiedermal geschah nichts – trotz offizieller Anforderung haben wir bis heute keine Absage erhalten. Nur einige staatliche EMTs erhielten eine Zusage, wir und andere unabhängige Organisationen wurden im Unklaren gelassen. Über die Gründe können wir nur spekulieren, aber wir verurteilen diesen leichtfertigen Umgang mit den Helfer*innen und Ressourcen unabhängiger Hilfsorganisationen.

Wir werden uns innerhalb des EMT-Netzwerkes dafür stark machen, dass ein Einsatz nach humanitären Prinzipien, besonders in solchen politisch brisanten Situationen, zukünftig möglich sein wird.

 

*das Foto wurde nicht verändert, CC BY-NC-SA 2.0

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